Facebook-Protest Aufruf zum Tankverzicht überraschend gelöscht

Der Widerstand gegen den hohen Benzinpreis organisiert sich im Internet - dann verschwindet plötzlich die Protest-Seite. Die Nutzer verdächtigen  Facebook, für das Löschen der Seite verantwortlich zu sein. Das Portal will davon nichts wissen.

Zapfpistole: Im Internet formiert sich neuer Protest gegen die Mineralölkonzerne
ddp

Zapfpistole: Im Internet formiert sich neuer Protest gegen die Mineralölkonzerne


Berlin - Ein Aufruf zum Tankstellenboykott in Deutschland auf Facebook mit mehr als einer Million Fans ist am Freitagnachmittag gelöscht worden. Fast 1,3 Millionen Nutzer des sozialen Netzwerks hatten zuvor zugesagt, an der an Ausrufezeichen reichen Aktion teilzunehmen: Sie hörte auf den Titel "Am 01.03.12 in ganz Deutschland nicht Tanken!!!!!!". Nach dem Verschwinden der Seite legte ein anderer Nutzer umgehend eine neue Seite an, um den Protest weiter zu organisieren.

Selbst Facebook konnte der Nachrichtenagentur dapd zufolge zunächst nicht sagen, wer den ursprünglichen Aufruf gelöscht hatte. Bevor er verschwand, kursierten indes Hinweise auf einen möglichen rechtsextremen Hintergrund des Initiators. Dieser hatte Facebook-Seiten der NPD und auch Adolf Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" mit einem Klick auf den "Gefällt mir"-Knopf bedacht. Der Angegriffene reagierte auf die Vorwürfe. Als sein Boykott-Aufruf noch online war, notierte er dort, er habe die entsprechenden Seiten vor Jahren in einer "Sturm- und Drangzeit" angeklickt - dies sei eine Jugendsünde gewesen. NPD-Anhänger sei er nicht.

Nutzer verdächtigen Facebook

Die Benzinpreise befanden sich unterdessen weiter auf Rekordniveau. Für Superbenzin mussten Autofahrer am Freitag mehr als 1,60 Euro und für Diesel etwa 1,50 Euro je Liter ausgeben. Der angesetzte Boykott war als "einmaliger, symbolischer Schlag in die Kassen der in Deutschland vertretenen Mineralölkonzerne" gedacht, notierte der Initiator - bevor seine Veranstaltung bei Facebook verschwand.

Bei Facebook rief schließlich ein anderer Nutzer erneut zum Boykott der Tankstellen in Deutschland am 1. März auf. Der "öffentlichen Veranstaltung" gab er denselben Namen wie der ursprünglichen Seite. Sie mussten allerdings wieder bei "0" Teilnehmern beginnen. Außerdem protestierten Nutzer gegen das Löschen des ursprünglichen Aufrufs. Sie legten dafür die Protestseite "DEN THREAD FÜR DEN TANKBOYKOTT WIEDERHERSTELLEN!!!!" an. Die Nutzer gaben Facebook die Schuld.

Am grundlegenden Problem ändert natürlich auch diese Aktion nichts: Wer sein Auto behält und vorhat, weiter damit zu fahren, kann den Mineralölkonzernen kaum ernsthaft schaden. Unklar ist auch, wie viele der Klick-Protestierer sich in der kommenden Woche auch tatsächlich ans selbstauferlegte Spritfasten halten werden.

bos/dapd

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Europa! 24.02.2012
1. Demokratie à la Facebook
Zitat von sysopddpDer Widerstand gegen den hohen Benzinpreis organisiert sich im Internet - dann verschwindet plötzlich die Protest-Seite. Die Nutzer verdächtigen Facebook, für das Löschen der Seite verantwortlich zu sein. Das Portal will davon nichts wissen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,817488,00.html
Wahrscheinlich hat Mark Zuckerberg mal kurz überlegt, wie viel die Anzeigen der Ölkonzerne einbringen ...
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