Fahnenflucht-Prozess Irak-Einsatz verweigert - acht Monate Haft für US-Soldat

Er weigerte sich, ein zweites Mal in den Irak-Krieg zu ziehen, und muss nun wegen Fahnenflucht mit sieben Jahren Haft rechnen. Ein Militärgericht in Würzburg hat einen US-Sanitäter heute für schuldig befunden. Er muss für acht Monate ins Gefängnis.


Würzburg - Das Tribunal in Würzburg sah es heute als erwiesen an, dass der 35-jährige Augustin Aguayo sich geweigert hat, in den Irak zurückzukehren. Aguayo hatte eingeräumt, seinem Stützpunkt in Schweinfurt bei der Truppenverlegung ferngeblieben zu sein. Die Fahnenflucht bestritt er aber.

Das Gericht sah es aber als erwiesen an, dass Augustin Aguayo im September des vergangenen Jahres desertiert ist, um der Verlegung in den Golfstaat zu entgehen. Der 35-Jährige muss nun für acht Monate ins Gefängnis. Neben einem Verdienstabzug wird er unehrenhaft aus der Armee entlassen. Militärrichter Peter Masterton erklärte, Aguayo sei in allen Punkten der Anklage schuldig gesprochen worden.

Der Sanitäter geht wegen seiner Entlassung in Berufung. Der in Mexiko geborene und im Alter von drei Jahren mit seiner Familie in die USA gezogene Aguayo meldete sich wie viele junge Männer kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 freiwillig zum Dienst in der Armee. Im Februar 2004 beantragte er dann die Entlassung. Doch noch während der Prüfung seines Antrages wurde er in den Irak entsandt, wo er als unbewaffneter Sanitäter eingesetzt war. Allerdings musste er nach eigenen Angaben auch Wachdienst leisten. Seine Waffe sei dabei aber ungeladen gewesen, versicherte er später.

Schließlich lehnte die Armee im vergangenen Jahr seinen Antrag auf Entlassung ab - und der verheiratete Vater von zwei Kindern wurde erneut in den Irak geschickt. Doch diesmal weigerte er sich: Erst ließ er den Abmarschtermin am 1. September absichtlich verstreichen und stellte sich einen Tag später der Armee. Als er danach aber nicht vor ein Kriegsgericht gestellt wurde und ihm sein Einsatz im Irak nicht mehr abwendbar zu sein schien, entschloss er sich zur Flucht. In einem unbeachteten Moment sei er entkommen, offenbar durch ein Fenster, berichten seine Anwälte und Angehörige.

Drei Wochen später tauchte Aguayo in Los Angeles auf. "Ich bin kein Deserteur und kein Feigling", sagte er damals auf einer Pressekonferenz. "Ich war zu dieser Entsendung nicht bereit, weil ich zu der Überzeugung gekommen bin, dass sie falsch ist." Am nächsten Tag stellte er sich erneut der Armee und wurde zurück nach Deutschland gebracht.

Parallel zu dem Militärprozess läuft in den USA auch ein zivilrechtliches Verfahren, in dem sich Aguayo um eine Anerkennung seiner Kriegsdienstverweigerung bemüht. In einer schriftlichen Erklärung an das Gericht in Washington schrieb Aguayo: Er riskiere lieber ein Verfahren vor dem Kriegsgericht und eine Haftstrafe, als in den Irak verlegt zu werden.

Aguayo ist beileibe nicht der einzige US-Soldat, der den Dienst im Irak aus Gewissensgründen ablehnt. So muss sich beispielsweise der Offizier Ehren Watada wegen Befehlsverweigerung verantworten. Das Verfahren gegen ihn soll noch in diesem Monat beginnen. Zur Gesamtzahl der Deserteure geben weder die US-Armee noch das Verteidigungsministerium Zahlen heraus. Der Fall Aguayo sorgt jedoch mittlerweile international für Schlagzeilen. Auch Friedensgruppen setzen sich für ihn ein und riefen zu Protestaktionen zu Beginn des Prozesses auf.

als/AFP/Reuters



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