Vor dem Weihnachtsmarktanschlag Berliner Polizei ließ eilige Anfrage zu Amri unbeantwortet

Weitere Panne im Fall des Berliner Weihnachtsmarktattentäters Anis Amri? Eine dringende Anfrage aus NRW an die Berliner Polizei zum Aufenthalt des Tunesiers blieb offenbar unbeantwortet.
Anis Amri

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Foto: AFP/ BKA

Die Berliner Polizei hat offenbar eine dringliche Anfrage aus Nordrhein-Westfalen zum Weihnachtsmarktattentäter Anis Amri unbeantwortet gelassen. Das Auskunftsgesuch erging nur wenige Wochen ehe der Tunesier am Berliner Breitscheidplatz einen Lkw in den Markt steuerte, zwölf Menschen tötete und mehr als 100 verletzte.

Wie die "Berliner Morgenpost"  und der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB)  melden, forderte das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen die Kollegen in der Hauptstadt auf, Informationen zu Amris Aufenthaltsort zu übermitteln. Die Berliner Beamten hätten darauf jedoch trotz Bitte um zeitnahe Rückmeldung nicht geantwortet.

In einer E-Mail vom 26. Oktober 2016 fragte der LKA-Beamte aus NRW demnach die Berliner: "Habt Ihr Erkenntnisse über seinen Aufenthaltsort?" Beide Medien berichten von einem Ausdruck mit dem handschriftlichen Vermerk: "Rückmeldung nicht erfolgt!" Die fehlende Aktivität sei bemerkenswert, da unmittelbar zuvor ein ausländischer Geheimdienst vor möglichen Plänen Amris gewarnt habe.

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Anschlag in Berlin: Chronologie eines Attentats

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Die formale Zuständigkeit lag damals bei den Behörden in Nordrhein-Westfalen, weil der Tunesier dort gemeldet war. Tatsächlich aber hielt er sich in Berlin auf. Bei der Observierung Amris gab es dort schwere Pannen, er galt zwar als gefährlich, wurde aber nur lückenhaft überwacht. Auch bei der Aufklärung nach dem Attentat setzten sich die Fehler fort, auch in Nordrhein-Westfalen: Dort übersahen die Ermittler bei der Auswertung eines Amri-Handys Fotos, die Amri mit Waffen zeigten.

Der Attentäter vom Weihnachtsmarkt am 19. Dezember auf dem Berliner Breitscheidplatz ermordete im Dezember vergangenen Jahres mit einem Lkw zwölf Menschen. Der Attentäter wurde wenige Tage später in Mailand erschossen.

cht
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