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26. Februar 2009, 12:05 Uhr

Fall Barbara E.

Anwaltsverein fordert Thierse zum Rücktritt auf

Weil Bundestagsvizepräsident Thierse das Urteil gegen die Kassiererin Barbara E. als "barbarisch" bezeichnet hat, soll er zurücktreten. Das fordert der Berliner Anwaltsverein. Begründung: Thierse habe die Unabhängigkeit der Gerichte in Frage gestellt.

Berlin - War das Wort "barbarisch" angebracht? Die Kritik von SPD-Politiker Wolfgang Thierse am Urteil gegen die Berliner Supermarktangestellte schlägt jedenfalls hohe Wellen: Der Berliner Anwaltsverein hat den Bundestagsvizepräsidenten zum Rücktritt aufgefordert.

Bundestagsvizepräsident Thierse (SPD): Ein "barbarisches" Urteil?
DDP

Bundestagsvizepräsident Thierse (SPD): Ein "barbarisches" Urteil?

Wenn Thierse dem Urteil eine "asoziale Qualität" bescheinige, stelle er die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts "außerhalb unserer Gemeinschaft", schrieb der Anwaltsverein am Donnerstag in einer Erklärung. "Das ist eine nicht hinnehmbare Entgleisung." Aus populistischen Gründen habe Thierse die Unabhängigkeit der Gerichte in Frage gestellt.

Thierse hatte sich empört über das Urteil des Berliner Landesarbeitsgerichtes vom Dienstag gegen eine Supermarktkassiererin gezeigt. Das Gericht hatte die fristlose Entlassung der Frau wegen des Diebstahls von zwei Pfandbons im Wert von 1,30 Euro bestätigt.

Thierse sagte der "Berliner Zeitung": "Das ist ein barbarisches Urteil von asozialer Qualität." Dass eine Angestellte nach 31 Jahren wegen einer Nichtigkeit in die Arbeitslosigkeit gestoßen werde, verletze das Gerechtigkeitsempfinden. Das Gericht hätte durchaus anders entscheiden und ihre langjährige Arbeit berücksichtigen können."

vme/dpa

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