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09. Mai 2017, 18:00 Uhr

Rechtes Netzwerk in der Bundeswehr

Die braunen Kameraden des Franco A.

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Mit der Festnahme eines weiteren Soldaten wird ein rechtes, gewaltbereites Terrornetzwerk in der Bundeswehr sichtbar. Ermittler sind sicher, dass Franco A. und seine Komplizen Spitzenpolitiker töten wollten.

Als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am vergangenen Freitag vor ihre Generäle trat, kannte sie bereits viele Details der Ermittlungen gegen Soldaten ihrer Truppe. Über den Verdacht aber, dass sich innerhalb der Truppe rund um den Oberleutnant Franco Hans A. ein rechtsextremes Netzwerk gebildet hatte, durfte die oberste Befehlshaberin noch nicht reden, darum hatten sie die Ermittler gebeten.

Folglich hielt sich von der Leyen zurück. Allerdings sagte die Ministerin zwei Sätze, die die Generäle aufhorchen ließen. Demnach sei Franco A., der vor gut zwei Wochen festgenommene Oberleutnant, kein einsamer Wolf. Damit war klar, was viele fürchteten: Franco A. hatte Helfer innerhalb der Truppe. Möglicherweise stand also eine Art rechtes Netzwerk hinter dem äußerlich unscheinbaren Soldaten.

Spätestens am Dienstagmorgen bestätigte sich der Verdacht. Nach einer Befragung des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) im baden-württembergischen Kehl nahmen BKA-Fahnder Maximilian T. fest. Wie Franco A. ist der 27-jährige Oberleutnant beim Jägerbataillon 291 im französischen Illkirch stationiert. Die beiden kannten sich sehr gut, so war A. mit T.'s Schwester liiert.

Franco A. handelte nicht allein

Der Vorwurf gegen die beiden Soldaten und den bereits festgenommenen Offenbacher Studenten Mathias F. ist gravierend: Gemeinsam sollen die drei Verdächtigen aus Ausländerhass, genauer gesagt aus Frust über die Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen in den letzten Jahren in Deutschland, Terroranschläge gegen Spitzenpolitiker geplant haben.

Mit der Festnahme wird nun immer klarer, dass Franco A. nicht allein handelte, als er sich zunächst Ende 2015 als syrischer Flüchtling registrieren ließ, sukzessive ein großes Depot mit gestohlener Bundeswehrmunition anlegte und sich schließlich in Wien eine Waffe besorgte. Vielmehr zeigt sich, dass A. innerhalb einer rechten Gruppe in der Bundeswehr agierte, die ihn maßgeblich unterstützte.

Maximilian T. zum Beispiel deckte A., immer wenn dieser ins bayerische Erding reisen musste. Dort war ihm, dem angeblichen syrischen Christen mit dem Fantasienamen David Benjamin, eine Unterkunft plus monatliche Hilfe von 409 Euro zugewiesen worden. Maximilian T. erfand daheim Ausflüchte, warum Franco A. nicht zum Dienst bei der Truppe erschien. Niemand bemerkte etwas in Illkirch.

Handschriftlich 25 Politiker und Institutionen aufgelistet

Dabei war Maximilian T. für den MAD kein gänzlich Unbekannter. Im September 2015 hatte ein Kamerad gemeldet, T. habe volltrunken in einer Disko versucht, ihn für Aktionen gegen Flüchtlinge zu gewinnen. Zwar ermittelte der MAD in dem Fall intensiv, führte auch Vernehmungen durch. Am Ende aber stand Aussage gegen Aussage, denn für die Hetztirade von T. gab es keine weiteren Zeugen.

Für den aktuellen Fall ist eine Liste entscheidend, die man bei Franco A. fand. Handschriftlich sind darauf rund 25 Politiker und Institutionen aufgelistet. Markiert sind die Namen mit Kategorien von A bis D, offenbar eine Rangfolge, wie wichtig die Gruppe Anschläge gegen sie einschätzte. Neben den Namen von Joachim Gauck und Justizminister Heiko Maas findet sich die höchste Kategorie.

Mittlerweile sind sich die Fahnder sicher, dass die Gruppe um A. tatsächlich Anschläge ausführen wollte. Hatte man bisher noch von abstrakten Absichten gesprochen, ist nun von geplanten Angriffen auf das Leben hochrangiger Politiker und Personen des öffentlichen Lebens die Rede. Die Tat ausführen, so die Ermittler, sollte Franco A. - vermutlich mit der Waffe, die er sich in Wien besorgt hatte.

Hinweise auf weitere Mitwisser

Die klaren Aussagen stützen sich nach SPIEGEL-Informationen auf neue Indizien. So fanden die Ermittler bei Franco A. eine weitere Liste mit möglichen Zielen. Gauck und Maas wurden darauf ebenfalls aufgeführt, daneben standen aber auch Geburtsdaten und die verschiedenen Büroanschriften. Nach Ansicht der Ermittler spricht dies dafür, dass die Verdächtigen bereits begonnen hatten, ihre Opfer auszuspähen.

Noch detaillierter wird die Amadeu Antonio Stiftung in Berlin als Ziel beschrieben, sogar eine Skizze des Berliner Büros lag der Liste bei. Auf anderen Papieren hatte Franco A. zudem verschiedene Gewehrtypen und deren Preise auf dem Schwarzmarkt aufgelistet. Vermutlich also wollte sich die Gruppe für Anschläge noch stärker bewaffnen, Munition dafür hatten sie reichlich bei der Bundeswehr geklaut.

Mit der Festnahme sind die Ermittlungen noch lange nicht abgeschlossen. Nach SPIEGEL-Informationen haben die Fahnder mehrere merkwürdige Indizien entdeckt, die auf weitere Mitwisser oder gar Komplizen unter den Kameraden von A. hinweisen. So versuchte zum Beispiel der Vize-Kommandeur des Standorts in Illkirch nach der Festnahme von A., ihn unter Vorwänden in der Haft zu sprechen.

Einen Hinweis aus einer anderen Kaserne können sich die Fahnder noch nicht erklären. Dort prahlte ein ebenfalls ausländerfeindlicher Oberleutnant G. gegenüber Kameraden, in Illkirch gebe es eine Gruppe von jungen Offizieren, die Waffen und Munition für den Fall eines Bürgerkriegs sammeln. Dann hetzte er, unglücklicherweise kämen die Flüchtlinge unbewaffnet, sonst könne man sie an der Grenze erschießen.

Ob Oberleutnant G. etwas von Franco A. und seiner braunen Kameradschaft wusste oder gar in die Planung für Anschläge eingebunden war, soll nun ermittelt werden. Nach SPIEGEL-Informationen kannten sich die beiden wahrscheinlich, jedenfalls absolvierten beide bis April 2017 eine Einzelkämpferausbildung in Hammelburg. Die Suche nach weiteren Komplizen in Uniform geht also weiter.

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