Tauber zu Steinbach im Mordfall Lübcke "Du trägst Mitschuld an seinem Tod"

Nach dem Mord an Walter Lübcke hat der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Tauber erneut seine Ex-Parteikollegin Erika Steinbach kritisiert. Sie spricht von "Diffamierung".

Peter Tauber (2016): "Und noch schlimmer ist, dass du ihn gekannt hast und weißt, was für ein aufrechter und feiner Kerl er war"
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Peter Tauber (2016): "Und noch schlimmer ist, dass du ihn gekannt hast und weißt, was für ein aufrechter und feiner Kerl er war"


Der frühere CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat sich bei Twitter direkt an Erika Steinbach gewandt - und sie für ihren Umgang mit dem Mordfall Walter Lübcke deutlich kritisiert. Sie sei "natürlich verantwortlich" für die Folgen und Reaktionen auf ihre "Hetze" gegen Lübcke, schrieb Tauber: "Du trägst Mitschuld an seinem Tod."

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Heft 26/2019
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Ihre Reaktion zeige, dass sie das genau wisse. "Und noch schlimmer ist, dass du ihn gekannt hast und weißt, was für ein aufrechter und feiner Kerl er war. Bis heute gibt es kein Wort der Trauer von Dir für ihn. Wohl nicht, weil das der Gipfel der Heuchelei wäre."

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wurde am 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses im hessischen Wolfhagen-Istha mit einem Kopfschuss ermordet. Tatverdächtig ist Stephan E., der 45-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als rechtsextremes Attentat ein. Schon vor Jahren war Lübcke Opfer einer rechten Kampagne geworden - die kurz vor seinem Tod nochmals aufgeflammt war (mehr dazu - und zu Erika Steinbachs Rolle dabei - erfahren Sie hier).

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Tauber hatte bereits kurz nach dem Mord in einem Gastbeitrag für die "Welt" ein härteres Vorgehen gegen Demokratiefeinde gefordert und Rechtspopulisten von der AfD und dem rechten Rand der CDU eine Mitschuld an dem Mord gegeben. Erika Steinbach sei "durch eine Sprache, die enthemmt und zur Gewalt führt, mitschuldig am Tod Walter Lübckes", schrieb Tauber dabei unter anderem.

Steinbach war Anfang 2017 aus der CDU ausgetreten und setzt sich seitdem regelmäßig für die AfD ein. In Bezug auf Taubers Gastbeitrag schrieb sie nun bei Twitter von einer "Diffamierung". Er liege "voll daneben", hieß es in einem weiteren Tweet.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief am Sonntag zum gemeinsamen Eintreten gegen Hass und Gewalt auf. "Wenn heute die Repräsentanten unserer Demokratie, allen voran die Ehrenamtlichen, wenn Bürgermeister und Kommunalpolitiker beschimpft, bedroht und tätlich angegriffen werden - dann ist das ein Alarmzeichen für unsere Demokratie", sagte er.

Man müsse zusammenstehen und denen den Rücken stärken, die sich für das Land engagierten. "Es muss uns beschämen und darf uns auch nicht ruhen lassen, dass wir Walter Lübcke nicht schützen konnten", sagte Steinmeier. Man dürfe die Gefahr eines Terrorismus von rechts niemals wieder unterschätzen.

aar/dpa

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