Familie Behörden entziehen immer mehr Eltern das Sorgerecht

Jugendämter und Familiengerichte greifen immer häufiger in Familien ein. Im vergangenen Jahr wurden einem Zeitungsbericht zufolge deutlich mehr Kinder von ihren Eltern getrennt als zuvor. Seit 2003 stieg die Zahl um 50 Prozent an.


München - Der Trend zu mehr Sorgerechts-Entzügen hat sich nach einer Umfrage der "Süddeutschen Zeitung" im vergangenen Jahr fortgesetzt. In mehreren Bundesländern habe die Steigerung 2008 bei zwölf Prozent gelegen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Daten von Statistischen Landesämtern. In Hessen gab es demnach 2008 sogar ein Drittel mehr Sorgerechts-Entzüge als 2007. Auch die Zahl der Kinder, die von Jugendämtern aus den Familien geholt wurden, stieg weiter an.

Von den Eltern getrennt: Immer häufiger werden Kinder aus ihren Familien geholt
DPA

Von den Eltern getrennt: Immer häufiger werden Kinder aus ihren Familien geholt

2007 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 28.200 Kinder und Jugendliche von Jugendämtern in Obhut genommen, 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Der häufigste Anlass war in fast der Hälfte der Fälle die Überforderung der Eltern. Die Gerichte ordneten in rund 10.800 Fällen den vollständigen oder teilweisen Entzug der elterlichen Sorge an - das war ein Anstieg von 12,5 Prozent im Vergleich zu 2006.

Im Verlauf der vergangenen fünf Jahre hat sich dem Bericht zufolge ein kontinuierlicher Anstieg gezeigt: Inzwischen holen Jugendämter demnach etwa fünfzig Prozent mehr Kinder aus ihren Familien heraus als im Jahr 2003. Diese Entwicklung ist unter anderem eine Folge der Fälle von Kindstötungen, die in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen gesorgt haben.

Die Große Koalition streitet seit Wochen über ein neues Kinderschutzgesetz. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen will den Jugendschutz verbessern und Jugendämter zu Hausbesuchen beim Verdacht von Kindesmisshandlungen verpflichten. Die SPD lehnt dieses Kinderschutzgesetz ebenso wie Experten ab. Mitarbeiter von Jugendämtern beklagen der "SZ" zufolge, die Gesetzesinitiative von der Leyens unterstelle, dass die Behörden in Einzelfällen zu wenig zum Schutz gefährdeter Kinder unternähmen, obwohl sie in Wirklichkeit inzwischen mehr Kinder aus den Familien herausführten.

ler/dpa

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