Familie statt Terminstress Wulff wechselt gerne Windeln

Beruf und Familie: Für Niedersachsens Ministerpräsident Wulff ist das schwer zu vereinbaren. Trotzdem wechselt der CDU-Politiker gerne die Windeln seines Sohnes. Einmal sei er eine Viertelstunde zu spät zu einem Termin gekommen - "weil ich beim Frühstück etwas Wichtiges zu besprechen hatte".


Hannover - Man hat es schon schwer als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen. Vor allem, wenn man gerade Vater geworden ist wie Christian Wulff. Der CDU-Politiker findet denn auch den Spagat zwischen Familie und Beruf nicht immer einfach.

"Die Aufgabe als Ministerpräsident ist nicht wirklich teilzeitgeeignet", sagt Wulff in der "Neuen Presse". Er habe die Erfahrung gemacht, dass dieser Konflikt öffentlich nur schwer vermittelbar sei.

"Ich habe es einmal erlebt, dass ich eine Viertelstunde zu spät zu einem Termin kam, weil ich beim Frühstück noch etwas Wichtiges mit meiner Tochter zu besprechen hatte", sagt der 48-Jährige. Die Reaktion sei ungläubiges Staunen gewesen. "Aber Sie können immer sagen, dass Sie im Stau gestanden haben - Asphalt-Cowboy, das versteht jeder und nickt mit dem Kopf."

Bei seinem einen Monat alten Sohn Linus Florian wechselt Wulff nach eigenen Angaben gerne die Windeln. "Das ist eine wirklich dankbare Aufgabe, weil ich einfach spüre, dass das für meinen Sohn ein freudiges Ereignis ist." Das sei auch nicht verwunderlich, scherzt Wulff: "Jeder läuft lieber in einer sauberen Hose herum statt in einer vollen."

In Zukunft könnte Wulff zumindest etwas mehr Zeit für seine Familie haben. An diesem Samstag wählte die Niedersachsen-CDU David McAllister mit großer Mehrheit zum neuen Parteichef des Landesverbandes. McAllister tritt damit wie geplant die Nachfolge von Wulff in dem Parteiamt an.

Beim Landesparteitag der CDU in Celle erhielt McAllister, der auch Chef der CDU-Fraktion im Landtag ist, 371 von 375 gültigen Stimmen. Das entspricht 98,9 Prozent. Nur vier Delegierte stimmten gegen den 37-Jährigen.

Zweieinhalb Monate nach seinem Sieg bei der Landtagswahl hatte Wulff im April seinen Rückzug von der Parteispitze angekündigt. Bei seiner Wahl vor zwei Jahren hatte Wulff 96,6 Prozent erhalten.

wal/AP/dpa



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