Unterstützung für Eltern CSU gegen Schwesigs Familiengeld-Vorschlag

Familienministerin Schwesig will Familien finanziell unterstützen, in denen beide Eltern ihre Arbeitszeit auf 28 bis 36 Stunden reduziert haben. An ihren Plänen gibt es Kritik von Union und Grünen.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig
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Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig


Die CSU lehnt den Vorschlag der Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) für ein neues Familiengeld strikt ab. "Wir setzen uns für eine Anerkennung ein, die möglichst vielen Familien zugutekommt. Das ist bei Frau Schwesigs Familiengeld nicht der Fall", sagte die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt der "Passauer Neuen Presse".

Schwesig hatte am Montag das Modell eines Familiengeldes vorgestellt, das monatlich 300 Euro betragen soll. Es soll Eltern gezahlt werden, die beide zwischen 28 und 36 Stunden in der Woche berufstätig sind und sich die Betreuung des Kindes teilen. "Ich möchte die Mütter ermutigen, trotz Zeit für die Kinder weiter berufstätig zu bleiben, sodass sie ihre eigene Existenz sichern können", sagte die Familienministerin in Berlin. Dies ziele auch auf Rentenansprüche.

Konkret sollen Eltern, die ihre Arbeitszeit auf 28 bis 36 Wochenstunden senken, je 150 Euro im Monat vom Staat bekommen - für maximal 24 Monate. Alleinerziehende erhalten den vollen Betrag. Anders als das Kindergeld soll diese Leistung nicht nur für die Zeit nach der Geburt gewährt werden, sondern bis das Kind acht Jahre alt ist.

Kritik kommt auch von CDU und den Grünen

"Nur ein kleiner Teil der Familien würde dieses Arbeitszeitmodell wählen. Wir plädieren daher für eine steuerliche Entlastung der mittleren Einkommen", sagte CSU-Frau Hasselfeldt. Außerdem sollten Familien mit Kindern beim Kauf von Wohneigentum finanziell unterstützt werden. "Dass sich die SPD bei der steuerlichen Förderung des Mietwohnungsneubaus verweigert hat, kann ich nicht nachvollziehen. Auch das hätte Familien sehr geholfen." Zuvor war bereits Kritik an den Plänen Schwesigs aus der CDU gekommen.

Auch die Grünen hatten das Modell bereits am Montag gerügt. "Schwesigs Vorschlag ist ein enges Korsett", sagte die Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik der Grünen-Fraktion, Franziska Brantner. "Das klappt vielleicht im öffentlichen Dienst, ist ansonsten aber unpraktikabel"

"Genau richtig"

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley bezeichnete Schwesigs Plan dagegen als "genau den richtigen Ansatz". Immer mehr Mütter und Väter wollten gleichberechtigt Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Da helfe es am meisten, wenn beide die berufliche Belastung reduzieren könnten, sagte Barley der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Schwesig sagte bei der Vorstellung ihres Konzeptes, dass ihr Ministerium davon ausgehe, dass 20 Prozent der Eltern das Familiengeld nutzen würden.

Das Familiengeld könne auch notfalls erst nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr eingeführt werden, so Schwesig. Sie unterbreite einen Vorschlag, der über die derzeitige Legislaturperiode hinausreiche, sagte die Ministerin. Sie sei allerdings auch zu einer baldigen Umsetzung bereit.

Deutsche Eltern teilen sich Erwerbsarbeit und Erziehung meist konservativ auf - der Vater arbeitet Vollzeit, die Mutter oft in geringem Umfang Teilzeit, oder sie steigt ganz aus dem Beruf aus. Das hatte zuletzt vor einem Jahr eine umfangreiche Studie des Instituts Allensbach festgestellt. Danach arbeiten nach der Geburt des ersten Kindes nur in 15 Prozent der Familien beide Eltern Vollzeit. In den meisten Familien arbeitet der Vater Vollzeit und die Mutter weniger als 24 Stunden oder gar nicht. Fast die Hälfte der Eltern wünscht sich aber eine andere Aufteilung - nämlich, dass Vater und Mutter annähernd gleich viele Stunden im Job sind.

anr/dpa

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mabrueck 19.07.2016
1. Natürlich ist es unpraktikabel
weil es die derzeitige Arbeitswelt noch nicht kennt. Dass Väter nach der Geburt des Kindes mal ein paar Monate zu Hause bleiben, ist auch erst durch das Elterngeld finanzierbar geworden. Nur deshalb mussten sich die Arbeitgeber damit auseinander setzen und erst seitdem wird es, wenn auch in geringem Umfang (überwiegend im 12+2 Modell), praktiziert. Solange jede Arbeitszeitverkürzung als Verrat und Desinteresse an der Arbeit interpretiert wird, braucht es ein allgemeines gesellschaftliches Umdenken. Aber was heute noch unvorstellbar erscheint, kann in 30 Jahren ganz normal sein.
joe_ann 19.07.2016
2. In den meisten Familien arbeitet die Mutter 24h und weniger oder gar nicht?
wie lebensfern ist das denn?! also in meinem großen Bekannten- und Freundeskreis kenne ich keine Mutter, die sich das leisten könnte. Die Statistik muss von 1970 aus der BRD stammen.
Leser161 19.07.2016
3. Die Fakten
Frauen haben heutzutage oft einen gutbezahlten Job, bevor sie sich für Kinder entscheiden. Die Zeiten wo man man Arzthelferin wurde und so die Zeit bis Heirat&Kind&Haushalt überbrückte sind vorbei. Das ist einerseits gut. Anderseits ist der finanzielle Verlust durch Kinder weit größer als früher. Trotz stark verbesserter Betreuungsangebote kann man die ersten ca. 10 Jahre nach der Geburt nicht voll arbeiten. Und will es ja vielleicht auch nicht, weil man Zeit mit dem Kind verbringen will. Aufgrund hoher Steuern und wenigen qualifizierten Teilzeitstellen ist es für gut ausgebildete junge Mütter meisst nicht lohnend, den alten qualifizierten Job fortzuführen. Eine 450-EUR-Stelle bietet fast dasselbe Geld bei weniger Stress&Verantwortung. Dadurch fallen viele gutausgebildete Frauen weg. Wenn man das ändern will, muss man die Rahmenbedingungen ändern. Das kann man mit Frau Scheswig Vorschlag machen oder auch Steuersenkungen. Was Mietwohnungsubvention damit zu tun hat weiss ich nicht.
ugroeschel 19.07.2016
4. Familiengeld und Elterngeld
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem Familiengeld von Frau Schwesig und dem Elterngeld in Bayern?
Rayleigh 19.07.2016
5.
Ich persönlich finde den Ansatz gut, Familien zu unterstützen, in denen die Mutter und der Vater beide mehr Zeit für die Familie haben. So kann die Frau besser in der Berufspraxis bleiben und der Mann kann sich auch mehr um den Haushalt kümmern.
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