Familienkonjunktur Zahl der Geburten in Deutschland steigt an

Der Geburtentrend geht nach oben: In Deutschland kommen wieder mehr Kinder zur Welt, 2007 waren es rund 12.000 mehr als im Jahr davor. Gerade Paare ab 30 sind häufiger zur Familiengründung bereit.


Berlin - "Besonders bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren hat die Zahl der Kinder zugenommen", sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) der "Bild am Sonntag". 2007 seien 12.000 Kinder mehr als 2006 geboren worden. Im vergangenen Jahr habe der Trend angehalten. Von Januar bis September 2008 stieg die Zahl der Geburten nach einem Bericht der Zeitung um 3400 auf 517.549. Das Statistische Bundesamt schätzt die Gesamtzahl der Geburten 2008 auf bis zu 690.000, im Jahr zuvor waren es 684.862.

Hebamme mit Babys in Leipzig: "Vor allem bei Männern nimmt der Kinderwunsch zu"
DPA

Hebamme mit Babys in Leipzig: "Vor allem bei Männern nimmt der Kinderwunsch zu"

Gerade im Alter zwischen 30 und 40 überlegten Paare, ob sie ein Leben mit Beruf und Familie meistern können, erklärte von der Leyen. Im Familienreport, der am Montag präsentiert wird, habe das Ministerium festgestellt: "Vor allem bei den Männern nimmt der Kinderwunsch zu." Die Vaterrolle ändere sich. "Die Männer wollen heute mehr Zeit mit der Familie verbringen." Zudem hätten junge Menschen das Gefühl, die Gesellschaft lasse sie als Eltern nicht alleine.

Die Wirtschaftskrise werde auch nicht zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen führen, sagte die Ministerin voraus. In rauen Zeiten sei die Familie für viele Menschen der wichtigste Halt. "Wenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur", sagte von der Leyen. Das zeige sich auch daran, dass es weniger Scheidungen gebe und die Zahl der Singlehaushalte konstant bleibe. Geschiedene heirateten zudem viel selbstverständlicher wieder als früher. Kinder seien dabei kein Hindernis.

Zudem äußerte sich die Familienministerin zu ihrer eigenen familiären Situation: Die Pflege ihres an Alzheimer erkrankten Vaters, dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Ernst Albrecht, habe praktische Vorteile für ihre Arbeit als Ministerin, so von der Leyen. "Früher wusste ich fast nichts über den Umgang mit Demenzkranken und die Pflege zu Hause", sagte sie der "Bild am Sonntag". Das habe sich geändert. Natürlich sei das Zusammenleben anstrengend, und es gebe Konflikte. "Aber ich bin sehr froh, dass wir zusammenleben", sagte von der Leyen.

jjc/ddp/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.