Affäre um Doktorarbeit Familienministerin Giffey tritt zurück

Die Diskussionen über die Rechtmäßigkeit ihrer Doktorwürde nehmen kein Ende: Nun ist Franziska Giffey von ihrem Amt als Familienministerin zurückgetreten. An ihrer Spitzenkandidatur für die Berliner SPD will sie festhalten.
Familienministerin Franziska Giffey (SPD)

Familienministerin Franziska Giffey (SPD)

Foto: bildgehege / imago images/Bildgehege

Franziska Giffey (SPD) hat die Bundeskanzlerin um Entlassung aus ihrem Amt als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gebeten. Grund ist nach eigenen Angaben die anhaltende Diskussion über Giffeys Doktorwürde.

»Ich stehe weiterhin zu meiner Aussage, dass ich meine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben habe«, heißt es von Giffey in einer Pressemitteilung. »Ich bedauere, wenn mir dabei Fehler unterlaufen sind.«

Jüngst waren erneut Fragen zu Giffeys 2010 eingereichter Dissertation aufgekommen. Die Doktorarbeit wurde überprüft, nachdem Anfang 2019 Plagiatsvorwürfe aufgekommen waren. Ergebnis der Prüfung war, dass die Arbeit Verstöße gegen die Praxis guter Wissenschaft enthalte. Die Universität rügte Giffey daraufhin – den Doktortitel durfte sie jedoch behalten.

Prüfungskommission stimmt offenbar für Aberkennung

Für dieses Vorgehen wurde wiederum die FU kritisiert. Die Universität zog daraufhin die Rüge zurück und kündigte eine erneute Prüfung an. Giffey verkündete anschließend, ihren Titel unabhängig vom Ausgang des Verfahrens nicht weiter zu führen.

Bei der erneuten Prüfung sprach sich die Prüfungskommission nun laut einem Bericht des »Business Insider« doch für die Aberkennung des akademischen Grades aus. Das Ergebnis liegt dem Universitätspräsidium inzwischen vor. Seit vergangenem Mittwoch läuft eine vierwöchige Frist, in der Giffey noch Stellung beziehen kann – erst danach will die Universität eine endgültige Entscheidung treffen.

Giffey will Spitzenkandidatin in Berlin bleiben

Für Giffey ist die Debatte über ihren Doktortitel politisch heikel. Sie ist Spitzenkandidatin der Berliner SPD bei der Abgeordnetenhauswahl in diesem Herbst, seit November 2020 ist sie Vorsitzende der Berliner Landespartei.

An ihrer Spitzenkandidatur will Giffey offensichtlich festhalten. »Die Berliner SPD und die Berlinerinnen und Berliner können sich auf mich verlassen. Dazu stehe ich. Mein Wort gilt«, erklärte sie. »Als Berlinerin konzentriere ich mich jetzt mit all meiner Kraft auf meine Herzenssache: Ganz sicher Berlin«, hob sie hervor.

Der Berliner SPD-Landesvorsitzende Raed Saleh bestätigte den Rückhalt der Partei für Giffeys Kandidatur. Giffey habe »gezeigt, wie man Wort hält, und damit höchste Ansprüche an politische Integrität definiert«. Die Berliner SPD gehe nun »mit einer Spitzenkandidatin in den Wahlkampf, die sich mit ganzer Kraft auf ihre Herzenssache Berlin konzentriert«.

Die nächste Wahl zum Abgeordnetenhaus findet parallel zur Bundestagswahl am 26. September statt. Giffey hat dabei gute Chancen, neue Regierende Bürgermeisterin der Hauptstadt zu werden.

akm/ama/ire