"Faulstes Ei" Dobrindt entschuldigt sich für Kraft-Beschimpfung

Den Zeitpunkt hätte der CSU-Generalsekretär kaum schlechter wählen können. Während Hannelore Kraft ihre Trauerrede für die Toten der Love Parade hielt, attackierte er die SPD-Ministerpräsidentin scharf - und bezeichnete sie als das "faulste Ei" der deutschen Politik. Jetzt tut es ihm Leid.
Seehofer, Dobrindt (2009): Peinlichkeit zeitgleich zur Duisburger Trauerfeier

Seehofer, Dobrindt (2009): Peinlichkeit zeitgleich zur Duisburger Trauerfeier

Foto: dapd

München/Berlin - CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hat am Wochenende wieder einmal eine herbe Attacke auf NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) gestartet - sich aber diesmal dafür entschuldigen müssen.

Auf einer Landesversammlung der bayerischen Jungen Union (JU) nannte er Kraft das "faulste Ei" der deutschen Politik - weil Kraft lediglich dank der Enthaltung der Linken zur Ministerpräsidentin gewählt wurde. Der Zeitpunkt der Attacke war allerdings denkbar schlecht gewählt: Quasi zeitgleich hielt Kraft am Samstag die Trauerrede für die 21 Toten der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles forderte daraufhin umgehend eine Entschuldigung Dobrindts bei Kraft. "Es ist beschämend, dass Alexander Dobrindt Frau Kraft beleidigt, während sie die Trauerrede hält", sagte sie.

Dobrindt versicherte am Sonntag, es sei "in keinem Fall" seine Absicht gewesen, die politische Beurteilung der Regierungsbildung in Nordrhein-Westfalen in irgendeinen Zusammenhang mit der Trauerfeier zu bringen. "Ich bedauere deshalb, wenn sich dennoch dieser Eindruck eingestellt haben sollte", sagte er. Sein tiefes Mitgefühl gehöre den Opfern der Tragödie von Duisburg.

Dobrindt habe mittlerweile bedauert, eine Entschuldigung sei "geschehen", sagte CSU-Chef Horst Seehofer der ARD. "Und damit sollte die Angelegenheit erledigt sein."

Dobrindt hat den Spruch vom faulen Ei bereits verwendet, als Kraft Mitte Juli die rot-grüne Minderheitsregierung in Düsseldorf bildete. Dobrindt sagte damals bei einer gemeinsamen Plakatpräsentation der Generalsekretäre der Regierungskoalition in der CDU-Zentrale mit Blick auf Kraft: "Ein faules Ei bleibt ein faules Ei."

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Love-Parade-Tragödie: Trauer im Ruhrgebiet

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Kraft hatte am Samstag beim Trauergottesdienst in Duisburg sichtlich bewegt über die 21 Opfer der Love Parade gesprochen. Es sei schwer, angesichts des Todes Worte zu finden und Trost zu spenden, sagte die SPD-Politikerin. Das Leben junger Menschen sei grausam und jäh beendet worden, sie seien aus ihren "Hoffnungen und Träumen, aus ihren Zukunftsplänen, Familien und Freundeskreisen" gerissen worden. Mit gebrochener Stimme wandte sich Kraft an die Hinterbliebenen: "Wir können Ihren Schmerz nicht ermessen und nicht lindern. Und doch bitte ich Sie, öffnen Sie Ihre Herzen für alle, die Ihnen Trost spenden wollen und Ihnen über den Verlust eines unersetzlichen, geliebten Menschen hinweghelfen möchten. Sie sind nicht allein." In Deutschland sollten die Menschen "unser Wertesystem überdenken", habe sich der Vater eines Opfers gewünscht. Der Mensch müsse wieder "Leitlinie unseres Handelns sein. Das muss, das wird, unsere gemeinsame Verpflichtung sein".

sto/dpa/ddp
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