FDP-Außenpolitiker Lambsdorff Der Graf greift ein

Er ist der Neffe des bekannten Altliberalen - und jetzt das neue Gesicht der FDP im Europaparlament: Alexander Graf Lambsdorff ist außenpolitisch erfahren, er gilt als streitbar und mutig. Manche handeln ihn bereits als möglichen Nachfolger von Guido Westerwelle.

FDP-Europapolitiker Lambsdorff: Mit Westerwelle nicht immer auf einer Linie
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FDP-Europapolitiker Lambsdorff: Mit Westerwelle nicht immer auf einer Linie

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Berlin - Am Ende reichte es bei der Entscheidung um eine Nachfolge der zurückgetretenen Silvana Koch-Mehrin nur für eine Teamlösung: Künftig wird der 44-jährige Alexander Graf Lambsdorff die FDP in Europa zusammen mit dem 35-jährigen Haushaltsexperten Alexander Alvaro führen.

Für Lambsdorff bedeutet die neue Aufgabe dennoch einen wichtigen Schritt auf der Karriereleiter. Als Vorsitzender der FDP im Europaparlament ist er das neue Gesicht der Liberalen in Straßburg. Intern wird der 44-Jährige bei den Liberalen bereits für Höheres gehandelt. Wenn in der FDP der Name Lambsdorff fällt, dann ist schnell vom Außenministerium die Rede. In der FDP halten ihn manche für einen möglichen Nachfolger Westerwelles, sollte diese Frage eines Tages doch noch anstehen. Sein einziges Problem sei, sagt ein Liberaler, dass er nicht ausreichend vernetzt sei in der Partei.

Lambsdorff gilt als Vorzeigetyp: seriös, eloquent. In der "Allianz der Liberalen und Demokraten", der Fraktion im Europaparlament, bekleidete er seit 2009 den Posten des Vize. Dort hat er sich einen guten Ruf erarbeitet. Für das Außenamt prädestiniert ihn seine Vita: Lambsdorff ist mit der Diplomatenwelt bestens vertraut. Der Sohn eines Botschafters und Neffe des verstorbenen Altliberalen Otto Graf Lambsdorff hat selbst jahrelang im Auswärtigen Amt gearbeitet, bevor er vor sieben Jahren als Abgeordneter ins Europaparlament wechselte. Er war einst zeitweise Büroleiter des Außenministers Klaus Kinkel, er kennt das Haus und seine Gepflogenheiten. Nach dem Studium der Europäischen Geschichte ging er auf die Diplomatenschule, arbeitete im Planungsstab des Auswärtigen Amtes, in Washington in der deutschen Botschaft, er war auch Länderbeauftragter für Russland. Viele trauen ihm den Job zu, sollte Guido Westerwelle straucheln.

Nicht immer auf Parteilinie

Vorerst hat sich die FDP eine Ruhepause gegönnt, auf dem letzten Bundesparteitag in Rostock gab Westerwelle sein Amt als Parteichef ab, sein Verbleib im Außenamt stand nicht zur Diskussion. Doch das kann sich schnell ändern, wenn Westerwelle wieder einen Fehler machen sollte. Lambsdorff schmeichelt es, wenn er auf die Frage nach der Aussicht auf das Außenamt angesprochen wird. Befeuern will er aber diese Debatte auf keinen Fall. Er verweist auf den neuen Mann an der Spitze, Philipp Rösler. "Unser neuer Parteivorsitzender hat klar gesagt, dass Guido Westerwelle Außenminister bleiben soll. Das ist kein Thema", wehrt er heikle Fragen nach seiner weiteren Zukunft ab.

Alexander Graf Lambsdorff ist keiner, der immer und stets mit seiner Partei konform geht. Kürzlich, als es um die Nachfolge Dominique Strauss-Kahns an der Spitze des Internationalen Währungsfonds ging, schlug der Liberale einen Mann vor, an dem sich seine eigene Partei zur Oppositionszeit ordentlich abgearbeitet hatte: Peer Steinbrück. Der Sozialdemokrat, befand Lambsdorff, "wäre ein geeigneter Kandidat, er hat jahrelange Erfahrungen als Finanzminister und genießt Anerkennung über Parteigrenzen hinweg".

Kein Wackeln in Europafragen

Manche in der FDP waren darüber gar nicht amüsiert. Nicht alle sehen Steinbrück als hehre Lichtgestalt, manche halten den SPD-Mann schlichtweg für einen Dampfplauderer. Lambsdorff ist auch sonst nicht immer auf einer Linie mit dem, was gerade in der FDP gesagt wird oder scheinbar mehrheitsfähig ist. Dass Deutschland sich im Uno-Sicherheitsrat bei der Abstimmung über die Flugverbotszone in Libyen enthielt, hat er offen als einer der wenigen in der Partei kritisiert. Man hätte zustimmen sollen, erklärte er und präzisierte, er sei gegen ein militärisches Engagement der Bundeswehr, aber für ein Waffenembargo. Damit rückte er von Guido Westerwelle ab, war doch der Außenminister für die Enthaltung und gegen jedes militärische Eingreifen - auch gegen einen Waffen-Kontrolleinsatz der Marine vor Libyens Küste.

Dass er für seine Überzeugungen zu kämpfen weiß, hat Lambsdorff zuletzt auf dem Bundesparteitag in Rostock bewiesen. Da stritt er - zusammen mit Westerwelle und anderen Parteifreunden - gegen den Versuch des FDP-Finanzexperten Frank Schäffler, den Euro-Kurs der schwarz-gelben Bundesregierung zu verlassen. Am Ende wurde der Antrag Schäfflers mit großer Mehrheit von den Delegierten abgeschmettert. "Es gibt die Vermutung in anderen europäischen Ländern, die FDP könnte europapolitisch nach rechts rücken. Dem werde ich mit anderen entgegentreten", begründet er seinen Einsatz gegen den Schäffler-Kurs.

Die FDP will er in Europafragen nicht wackeln sehen. "Wer im Bund regierungsfähig sein will, muss auch europafähig sein", fasst er seine Überzeugung zusammen. Den offenen Streit mit Schäffler hat er leidenschaftlich ausgetragen. Wenn dieser sich durchgesetzt hätte, sagt er, "dann hätten wir als FDP die Bundesregierung auch konsequenterweise verlassen müssen".

insgesamt 47 Beiträge
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thrasybulos 25.05.2011
1. Nachtrag
"Wer im Bund regierungsfähig sein will, muss auch europafähig sein." Europafähigkeit bedeutet also, für die sinnlose Rettung hoffnungsloser Pleitestaaten die Staatsfinanzen zu runinieren, den Staat in den Bankrott zu treiben und den kommenden Generationen unendliche Bürden aufzulasten?!
Baikal 25.05.2011
2. Allgemeinplätze kann er..
Zitat von thrasybulos"Wer im Bund regierungsfähig sein will, muss auch europafähig sein." Europafähigkeit bedeutet also, für die sinnlose Rettung hoffnungsloser Pleitestaaten die Staatsfinanzen zu runinieren, den Staat in den Bankrott zu treiben und den kommenden Generationen unendliche Bürden aufzulasten?!
.. schon genauso gut betanzen wie der Ex-Vorsitzende. Nur eins hat er vergessen: die Möwenpigs selbst sind nicht "zukunftsfähig".
kuriosos 25.05.2011
3. wow
nährwert von pappe. die reflexhafte kritik an unbeleckten finde ich hier immer sehr schön. während dieses verhalten für nazis oder kommunisten ja bedingt angebracht sein mag muss ich mich doch sehr wundern warum derartiges gesülze unter so einem text stehen muss. plakatives stammtischgeholze. kein inhalt, keine fakten bloss meinung und die am besten so zugespitzt das sie schön markig ist. nur wenig gehalt hat sie halt.
plenum 25.05.2011
4. wow
Zitat von kuriososnährwert von pappe. die reflexhafte kritik an unbeleckten finde ich hier immer sehr schön. während dieses verhalten für nazis oder kommunisten ja bedingt angebracht sein mag muss ich mich doch sehr wundern warum derartiges gesülze unter so einem text stehen muss. plakatives stammtischgeholze. kein inhalt, keine fakten bloss meinung und die am besten so zugespitzt das sie schön markig ist. nur wenig gehalt hat sie halt.
da haben Sie Ihren Beitrag aber sehr gut beschrieben :-)) im übrigen, was für ein Poporz hier täglich für eine unter 5% Partei betrieben wird ist schon erstaunlich...
Andreas Rolfes 25.05.2011
5. Disqualifiziert
---Zitat--- "Es gibt die Vermutung in anderen europäischen Ländern, die FDP könnte europapolitisch nach rechts rücken. Dem werde ich mit anderen entgegentreten", begründet er seinen Einsatz gegen den Schäffler-Kurs. ---Zitatende--- Disqualifiziert.
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