Liberale in der Krise FDP-Chef Rösler bietet Rücktritt an - Brüderle soll übernehmen

Kommt es zu einem Machtwechsel an der Spitze der FDP? Liberalen-Chef Philipp Rösler zieht den Bundesparteitag vor, dort wird ein neuer Vorstand gewählt. Er selbst hat seinen Rücktritt bereits angeboten, Fraktionschef Brüderle soll übernehmen.
FDP-Politiker Rösler (r.), Brüderle: Ende der Personalstreitigkeiten in Sicht?

FDP-Politiker Rösler (r.), Brüderle: Ende der Personalstreitigkeiten in Sicht?

Foto: Tobias Kleinschmidt/ picture alliance / dpa

Berlin - In der FDP-Zentrale entscheidet sich offenbar derzeit die Personalpolitik der Partei für die kommenden Monate auf dem Weg zur Bundestagswahl. Philipp Rösler hat seinen Rücktritt als FDP-Vorsitzender angeboten. Zugleich schlug er im Präsidium vor, Fraktionschef Rainer Brüderle könne den Vorsitz übernehmen, falls er das wünsche. "Ich bin bereit, zur Seite zu treten, wenn Rainer Brüderle auch Bundesvorsitzender werden will", sagte Rösler dem Vernehmen nach. Brüderle soll auch Spitzenkandidat im Wahlkampf werden.

Ob Rösler den Posten damit allerdings tatsächlich räumt, ist noch keineswegs entschieden. Parteiintern laufen die Personalverhandlungen derzeit weiter. Ab 11.30 Uhr sollte eigentlich der Bundesvorstand zusammenkommen, auch hier wird die Personalie Rösler intensiv diskutiert werden. Die Sitzung verzögert sich jedoch um rund 45 Minuten, weil das Präsidium immer noch tagte. Die Mitglieder des Bundesvorstands mussten in einem Vorraum, darauf warten, endlich in den Saal zu dürfen.

In Parteikreisen wird debattiert, ob Röslers Ankündigung nicht auch als klare Herausforderung an seine Gegner - und vor allem an Brüderle - zu werten ist. Wagen sie tatsächlich den Sturz eines Vorsitzenden, der gerade einen überraschenden Wahlerfolg geholt hat?

Vor der Sitzung des Bundesvorstandes sagte der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil: "Das ist ein Angebot an die Partei und an Rainer Brüderle, das man nicht ablehnen kann." Zeil hatte sich schon am Sonntag klar für Brüderle ausgesprochen - da ging es allerdings nur um die Spitzenkandidatur. Doch auch den Vorschlag, Brüderle dazu noch an die Parteispitze zu heben, müsse man annehmen.

Zunächst war nur bekannt geworden, dass Rösler den Bundesparteitag der Liberalen vorziehen will. Dies schlug er am Montag im Präsidium vor, der Vorstoß wurde umgehend und einstimmig angenommen. Auf dem Parteitag soll auch der Bundesvorstand neu gewählt werden.

Ursprünglich war das Treffen erst im Mai vorgesehen. Der neue Termin steht bisher noch nicht fest, wahrscheinlich scheint aber ein Datum im März.

Am Sonntag hatte die Partei bei der Landtagswahl in Niedersachsen noch feiern dürfen. Dabei holten die Liberalen mit Schützenhilfe der Union 9,9 Prozent. Das Ergebnis wurde auch als großer Erfolg für den angeschlagenen Rösler gewertet. Im Bund lagen die Liberalen bei Umfragen zuletzt aber unter fünf Prozent und würden damit einen Wiedereinzug in den bei der Wahl im September verpassen.

jok/sev/dpa/dapd/Reuters