FDP-Parteitag Lindner mit 86 Prozent wiedergewählt

Die angestrebte 90-Prozent-Marke konnte er nicht knacken: FDP-Chef Christian Lindner ist auf dem Parteitag mit 86,64 Prozent der Delegiertenstimmen wiedergewählt worden.

Christian Lindner
Britta Pedersen/ DPA

Christian Lindner


Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner ist mit großer Mehrheit im Amt bestätigt worden. Für den 40-Jährigen stimmten auf dem Parteitag in Berlin 86,6 Prozent der Delegierten. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Damit schnitt er schlechter ab als vor zwei Jahren, als er 91 Prozent erhielt. Bei seiner Wahl 2013 war er auf etwas mehr als 79 Prozent gekommen. Lindner sagte danach, dies sei ein tolles Ergebnis, das ihn motiviere, weiterzumachen.

Sein Stellvertreter Wolfgang Kubicki erhielt knapp 85 Prozent. Er lag bei der letzten Wahl noch vor Lindner. In der FDP hieß es, es handle sich um eine gewisse Normalisierung der Wahlergebnisse. Nicola Beer holte hingegen ein überraschend schlechtes Ergebnis. Nur 58,55 Prozent gab es für die Spitzenkandidatin für die Europawahl als Parteivize.

Lindner hatte vor der Wahl für seine 90-minütige Rede Applaus von den Delegierten geerntet. Darin kritisierte er die Grünen und die "Fridays for Future"-Bewegung. Diese argumentiere "hypermoralisch", sagte der FDP-Chef. Lindner warnte in seiner Rede auch vor Einschränkungen individueller Freiheiten im Namen des Klima- und Umweltschutzes.

"Wenn Verhältnismäßigkeit keine Rolle mehr spielt, wenn es nicht mehr eine Rolle spielt, auch Ziele wie Wohlstand oder individuelle Lebensführung zu sichern, dann ist das eine Form des ökologischen Autoritarismus", sagte er. "Wir werden alle Vegetarier und Veganer, wenn es nach denen geht", sagte er mit Blick auf die Grünen und insbesondere auf deren Vorsitzenden Robert Habeck.

Die Liberalen stellten die Ziele des Klimaschutzes nicht infrage. Aber um diese umzusetzen, bedürfe es einer starken Wirtschaft, die die Technologie dafür zur Verfügung stelle. Jeder könne natürlich klimapolitische Ziele formulieren, auch Jugendliche, sagte Lindner weiter. Aber zur technischen Umsetzung seien eben Profis nötig.

Für die nächsten Jahre gab Lindner das Ziel aus, dass sich die FDP eine "stabile Anhängerschaft" im zweistelligen Prozentbereich sichert. Außerdem sollten die Liberalen in allen Landtagen vertreten sein und im Bund ebenso wie in den Ländern Regierungsverantwortung übernehmen.

Obwohl Lindner bereits eineinhalb Stunden zu den Anwesenden gesprochen hatte, forderte eine Delegierte vor der Abstimmung über den Bundesvorsitz eine Vorstellung des Kandidaten. Lindner nahm es mit Humor und berichtete, sein erster Berufswunsch sei Bauer gewesen. Er sei aber "jetzt auch sehr zufrieden mit der Alternativverwendung als Bundesvorsitzender dieser Freien Demokratischen Partei". Der 70. Parteitag der Liberalen geht bis Sonntag.



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asc/dpa



insgesamt 46 Beiträge
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susie.soho 26.04.2019
1. Und - was will die FDP?
Nichts Neues unter der Sonne. Wer sich mit Unwahrheiten und Häme über den politischen Gegner Habeck zu profilieren sucht, setzt auf das falsche Pferd. Jedenfalls hoffe ich sehr, dass sich die Grünen nicht auf eine irgendwie geartete Koalition mit der FDP einlassen.
Garda 26.04.2019
2. Völlig egal
wer da der Häuptling ist. FDP und SPD sind Geschichte. Wir brauchen keine Ideologien sondern ein Management. Und das beherrscht Merkel gar nicht so schlecht - Machiavelli ist nicht der einzige Weg zum Erfolg.
purple_haze 26.04.2019
3. Sie kapieren es nicht!
Die lernen auch nichts dazu. Warum wird dieser Mann wiedergewählt? Klar, doof wenn man keinen weiteren Kandidaten hat. Aber mal ehrlich, alle Parteien brauchen dringend frische Gesichter, die vielleicht auch mal wieder frischen Wind in den alten Mief bringen. Der Lindner ist selbstherrlich und dabei so ungeeignet wie kaum einer!
frank.huebner 26.04.2019
4. Erstaunlich
Ich bin verwundert, dass der Chef der Ein-Mann-Show FDP Lindner nicht über 90% gekommen ist. Da sie kein wirklich innovatives Programm haben, das Personal (außer Kubicki vielleicht) eher genauso fähig ist wie unsere Regierungshonks und als Partei in einer Regierung außer als Mehrehitsbeschaffer eher überflüssig ist sind sie auf Lindner recht stark angewiesen. Aber im Moment steht nur die Europawahl an, da sind nicht so viele Politiker in Existenzangst wie dann bei der BT-Wahl.
radbodserbe 26.04.2019
5. Ja hätte er sich mal seinen Jugendberufswunsch erfüllt...
Kann mir Herrn Lindner so richtig gut als Biobauern vorstellen, der erst dann Feierabend macht, wenn auch sein letztes Schwein ohne Importhintergrund genügend zu Futtern und Bewegung erhalten hat. Auffallend bzw. bezeichnend war mal wieder, das er in seiner Rede wohl mehr andere kritisiert als eigene Ideen vorgestellt hat, was man bei einer Bewerbung ja eigentlich eher erwartet. Scheint aber bei einem gewissen Wählerklientel gut anzukommen und wird ja seit ein paar Jahren von einer Partei mit ähnlicher Buchstabenfolge kopiert. Daher auch nicht erstaunlich, das sich die FDP Wähler mit großem Abstand im Vergleich zu den anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit dieser Partei durchaus auf Bundesebene vorstellen können. Die Umwelt- und Wirtschaftsprogramme sind sich ja auch schon mal recht ähnlich. Aber keine 90% Stimmen sollten ihm doch zu denken geben, da muß er noch mal in China nachfragen, wie man macht.
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