FDP-Parteitag Lindner wirft "Fridays for Future" überzogene Moral vor

Christian Lindner hat auf dem Parteitag scharfe Kritik an Klimaaktivisten und den Grünen geäußert. Er warnte vor einem "ökologischem Autoritarismus". Begonnen hatte der FDP-Chef seine Rede auf Chinesisch.

Christian Lindner: FDP-Chef fordert sachliche Auseinandersetzung mit Klimaaktivisten
HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Christian Lindner: FDP-Chef fordert sachliche Auseinandersetzung mit Klimaaktivisten


Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat auf dem Parteitag der Liberalen eine sachliche Auseinandersetzung mit den Klimaaktivisten von "Fridays for Future" gefordert. Wer junge Menschen in ihrem Protest wirklich ernst nehme, müsse sich mit ihren Anliegen beschäftigen und gegebenenfalls auch fachlichen Widerstand entgegensetzen, sagte Lindner bei seiner Rede auf dem 70. FDP-Parteitag in Berlin.

"Fridays for Future" argumentiere "hypermoralisch". Und diejenigen, denen eigentlich ihr Protest gelte, hofierten das Engagement besonders. Er halte das für "opportunistisch". Die Forderungen der Aktivisten, 180 Euro pro Tonne CO2-Ausstoß zu verlangen, bedeuteten für eine vierköpfige Familie 8000 Euro pro Jahr zusätzlich, argumentierte Lindner. Die anderen Parteien schwiegen dazu, fügte er hinzu. Die FDP sage, dies sei zu hoch und auch unnötig.

Auch die Grünen attackierte Lindner in seiner Rede. Diese wollten "Milliarden" ausgeben für Menschen, die nicht arbeiten wollten, sagte er. Die Grünen plädierten im Sozialsystem für "Absicherung ohne Gegenleistung", dagegen wollten die Liberalen die wirklich Bedürftigen "zielgerichtet" schützen und Leistung belohnen.

In der Klimaschutzdebatte würden die Vorschläge der Grünen dafür sorgen, dass ein Flug nach Mallorca Hunderte Euro koste, warnte Lindner weiter. Der Parteivorsitzende Robert Habeck träume außerdem von einer Gesellschaft ohne Fleischkonsum im Jahr 2050 und wolle somit "uns alle zu Vegetariern und Veganern machen". Solche Vorschläge bedeuteten "tiefe Eingriffe in die individuelle Freiheit", urteilte Lindner.

Begrüßung auf chinesisch

Begonnen hatte Lindner seine 90-minütige Rede auf Chinesisch. Von einem Zettel las er einige Zeilen ab und übersetzte anschließend: "Die Gesellschaft und die Wirtschaft ändern sich beständig. Wir müssen mit den Zeiten Schritt halten."

"Nach Lage der Dinge" würden "unsere Kinder" künftig neben Englisch auch Chinesisch lernen müssen, sagte Lindner mit Blick auf den wachsenden weltweiten Einfluss Chinas. Er habe einen "Selbstversuch gestartet" und könne daher nun sagen: "Diese Sprache ist ein Brocken." Daher solle "alles" dafür getan werden, "dass es sich für die Chinesen auch weiterhin lohnt, Deutsch und Englisch zu sprechen".

Lindner stellt sich am Freitagnachmittag auf dem Parteitag zur Wiederwahl. Seine Rede wurde immer wieder von Applaus unterbrochen. Am Ende erhoben sich viele der rund 660 Delegierten.



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asc/sev/dpa/AFP



insgesamt 228 Beiträge
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shardan 26.04.2019
1. Lindener...
Wenn Lindner, der Papst des Neokapitalismus in Deutschland, die Forderungen überzogen findet, liegen die "Fridays for Future" genau richtig. Mehr habe ich diesem überzeugten Superkapitalisten nicht zu sagen.
wi_hartmann@t-online.de 26.04.2019
2. Lindner
Effekthascher, redet eine Stunde und sagt nichts. Es fehlt nur noch die zweite Auflage von "Guidos Spielmobil" Eine Gruppierung die man endlich begraben sollte.
mborevi 26.04.2019
3. Dieser Lindner ...
... kapiert einfach das Ausmaß der Bedrohung nicht. Kein Wunder, er will Politiker sein. Vielleicht sollte er besser auf die Profis hören. Z.B. die Kinder oder die Wissenschaftler, beide Gruppen wissen seit Langem, wohin wir steuerlos treiben.
nobiskrug 26.04.2019
4. Ja, Herr Lindner
Diese Jugendlichen sollten endlich wieder zur Schule gehen und das Erwachsenwerden lernen und unsere erworbenen Leistungen nicht in den Dreck ziehen - wir sind stolz auf das Erreichte, jawohl! Dieses Besetzen von Häusern, das zum Teil gammelige Aussehen mit Piecing und langen Haaren und das ständige Herumstehen und Nörgeln wegen des Natodoppelbeschusses und nicht zu vergessen: die Kernkraft mit ihrer sauberen Energie und äh,äh...Ja, Herr Lindner gehört zu denselben verspießten Hinterwäldlern, die es während meines Jugendprotestes gab...Liberale eben, sitzen immer zwischen den Stühlen auf einem warmen Sessel
Allesdemokraten 26.04.2019
5. Opportunistisch
Dass die FDP immer noch an ihrem alten Denken festhält, konnte man dieser Rede entnehmen. Sicherlich ist China eine Wirtschaftsmacht geworden. Aber China ist auch ein kommunistisches Regime, das seine Mitbürger in KZ's einsperrt. Dieses Land nun mit diesem Auftritt in die Riege der Länder mit politischer Kultur aufzunehmen, zeigt, dass der FDP Vorsitzende Lindner den Boden der Realität verlassen hat. Dass die FDP wieder im Bundestag sitzt, hat sie sicher nicht Herr Lindner zu vertagen, sondern der Henkel Stiftung, die Millionen dafür ausgibt, dass die FDP wieder gewählt wurde.
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