FDP-Dreikönigstreffen Friede, Freude, Westerwelle

Gerhardt gegen Westerwelle, Genscher gegen Niebel: Streit hatte die FDP in den vergangenen Tagen auf Trab gehalten. Auf dem Dreikönigstreffen in Stuttgart sorgte der Oberliberale für Ruhe - versöhnlich nach innen, kämpferisch nach außen. Und er weiß genau, wo er hin will: in die Mitte.

Von , Stuttgart


Stuttgart - Plötzlich war alles anders bei der FDP: Die vergangene Woche hat die Partei durchgeschüttelt wie seit sehr langer Zeit nicht mehr. Es gab Streit, richtig Streit - und daran war man überhaupt nicht mehr gewöhnt.

FDP-Chef Guido Westerwelle: "Verhindern Sie, dass Deutschland links der Mitte regiert wird, das geht nur mit uns!"
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FDP-Chef Guido Westerwelle: "Verhindern Sie, dass Deutschland links der Mitte regiert wird, das geht nur mit uns!"

Zuerst veröffentlichte Ex-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt ein Strategiepapier mit dem Namen "Für Freiheit und Fairness" und garnierte seine überraschende Rückkehr auf die politische Bühne mit direkter Kritik am Führungsstil Guido Westerwelles. Mit einer "One Man-Show" könne man nicht kurz vor den Bundestagswahlen Kaninchen aus dem Hut zaubern, monierte Gerhardt.

Tage später sorgte dann FDP-Generalsekretär Dirk Niebel für heftige Aufregung. In einem Aufsatz im Berliner "Tagesspiegel" verglich er die Politik der Großen Koalition mit DDR-Verhältnissen. Daraufhin forderte der liberale Ex-Innenminister Gerhart Baum den Rücktritt Niebels, Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher nannte Niebels Worte inakzeptabel.

Für einen Augenblick sah es so aus, als täte sich etwas in der FDP. Die schon enervierende Geschlossenheit bei den Liberalen schien durchbrochen.

Wie würde FDP-Chef Westerwelle auf die Kritik reagieren beim traditionellen Stuttgarter Dreikönigstreffen der Partei? Stellt er sich öffentlich hinter seinen Generalsekretär Dirk Niebel? Nimmt er die Wirren der vergangenen Woche zum Anlass, die Partei zur Ordnung zu rufen?

Es ist kurz nach 12 Uhr am Mittag, als der Oberliberale als vierter Redner nach Birgit Homburger, Ulrich Goll und Niebel den Saal des Stuttgarter Staatstheaters mit einem beinahe provozierenden Strahlen betritt. Er habe die Ehre hier zu sprechen, "zusammen mit vielen anderen Rednern", sagt Westerwelle und gibt damit gleich den ersten Hinweis darauf, dass er die Kritik Gerhardts an der "One-Man-Show" nicht ernst nehmen will. Zumindest nicht inhaltlich.

Es ist ein geschickter Zug von Westerwelle: In der Sache lässt er sich auf keine Diskussionen ein - prinzipiell aber stellt er sich hinter die Ausreißer aus den eigenen Reihen: Er sei einmal in die FDP eingetreten, weil dort "nicht die Hacken zusammengeschlagen" würden, sondern weil die Liberalen eine kampfeslustige, diskussionsfreudige Partei seien, ruft Westerwelle. Als Parteivorsitzender sei das nicht immer ganz einfach. "Aber ich will es nicht anders, lieber Wolfgang!", ruft er Gerhardt zu.

Und schon hat Westerwelle seinen Kritikern den Wind aus den Segeln genommen, er präsentiert sich als generöser Parteichef. Die Schelte von Gerhardt verpufft unter dem Jubel der Besucher des Stuttgarter Staatstheater.

Es geht um die Mitte

Klar stellt sich Westerwelle hinter Dirk Niebel. "Ein Generalsekretär muss attackieren und auch einmal dafür sorgen, dass sich andere erschrecken. Ich möchte lieber Niebel, als einen Generalsekretär, der schweigt."

Plötzlich wirkt die Aufregung der vergangenen Tage fast wie ein absichtlich inszeniertes Schauspiel, dessen Ende Westerwelle umso genüsslicher für sich nutzen konnte.

Immer wieder brandet lauter Applaus auf, als der FDP-Chef eine auch inhaltlich fulminante Rede vorträgt: Es geht um die Mitte von Gesellschaft und Politik, den Linksruck aller anderen - um Jugendkriminalität und Kindesvernachlässigungen.

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