Parteitag der FDP Nicola Beer zur Spitzenkandidatin für die Europawahl gekürt

Nicola Beer wird den Europawahlkampf der FDP anführen. Auf dem Parteitag der Liberalen in Berlin wurde sie mit 86 Prozent zur Spitzenkandidatin gewählt. Zuvor musste sie ihre Haltung zu Viktor Orbán erklären.

Nicola Beer
DPA

Nicola Beer


Die FDP hat Nicola Beer zu ihrer Spitzenkandidatin für die Ende Mai stattfindende Europawahl gekürt. Bei einer Abstimmung am Sonntagmittag kam Beer auf dem Europaparteitag der Liberalen in Berlin auf ein Ergebnis von knapp 86 Prozent zu ihren Gunsten. Beers Vorgänger, Alexander Graf Lambsdorff, hatte beim Parteitag vor den Europawahlen 2014 ebenfalls gut 86 Prozent der Stimmen bekommen.

Von 592 abgegebenen Stimmen entfielen demnach 509 auf Beer, dazu gab es 67 Nein-Stimmen sowie 16 Enthaltungen. Man werde "das Ding rocken", sagte Nicola Beer nach Bekanntgabe des Ergebnisses mit Blick auf die Europawahl.

Vor der Abstimmung hatte sich Beer auf dem Parteitag gegen Vorwürfe einer politischen Nähe zum ungarischen Regierungschef Viktor Orbán zur Wehr gesetzt, die auf SPIEGEL-Recherchen basieren. Beer und ihr Ehemann haben demnach in der Vergangenheit versucht, zugunsten von Ungarn Einfluss zu nehmen. Die Regierung Orbans steht europaweit in der Kritik, ihr wird die Verletzung von EU-Grundwerten vorgeworfen.

Sie habe "keinerlei Sympathien" für Orbán und seine Ideen einer "illiberalen Demokratie", sagte die FDP-Generalsekretärin nun auf dem Delegiertentreffen in Berlin, "ganz im Gegenteil". Auch habe sie keinerlei Verbindungen oder Beziehungen zu Orbans Partei.

"Gleichzeitig mehr und weniger Europa"

"Meine Sympathie gilt dem Land, gilt den Menschen in Ungarn, die ich in den letzten 20 Jahren kennengelernt habe", fügte Beer unter dem Beifall der Delegierten hinzu. Sie verwies dabei auf den Beitrag Ungarns zum Fall des Eisernen Vorhangs 1989.

Beer sprach sich vor den Delegierten für eine gründliche Erneuerung der EU aus. "Wir müssen Europa dabei nicht neu gründen, aber wir müssen es dringend neu ausbalancieren." Man brauche deswegen "gleichzeitig mehr und weniger Europa".

Mehr Europa müsse es dort geben, wo die Mitgliedstaaten gemeinsam stärker würden. Weniger Europa sei dort angebracht, wo Angelegenheiten vor Ort besser geregelt würden. Beer fügte hinzu, es dürfe nicht tatenlos zugeschaut werden, wenn in Mitgliedstaaten die Pressefreiheit bedroht werde oder die Korruption um sich greife.

mbö/AFP/dpa



insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
thor.z1367 27.01.2019
1. Eine Orbananhängerin mehr im EU Parlament mehr
Eine Frau die ihre privaten Interessen vor den Interessen Deutschlands setzt.Wer mit Orban (ihr Mann) gute Geschäfte macht .Stellt dich doch nicht vor ihre beste Einnahmequelle.Aber das ist typisch FDP...
heinrich-wilhelm 27.01.2019
2. Skepsis
Die FDP tut gut daran ,diese Dame im Auge zubehalten. Beteurungen sind eine Sache,wenn es um Posten geht. Aber an ihrem politischen Kompass bleiben Zweifel. Ihre Äusserungen zur Klimapolitik und der schwelende Verdacht auf Orbannähe outen die zumindest als sehr weit rechts im konservativen Lager stehend. Ob die FDP diese Leute braucht?
achterhoeker 27.01.2019
3. Erstaunlich
Ausgerechnet die wollen Europa ändern die Jahrzehnte dazu beigetragen haben das sich Europa in diesem Zustand befindet. Das wird alles so bleiben wie ist. Neues Mäntelchen drüber und weiter so.
bauklotzstauner 27.01.2019
4.
Die gute Nachricht: Man hat offenbar in der FDP erkannt, daß diese Dame nach "Europa" weggelobt werden muß, wo sie weniger Schaden anrichten kann. Die schlechte lautet - das übrige FDP-Spitzenpersonal ist nicht wirklich besser. Nicht der "gut vernetzte" transatlantische Kriegshetzer Lambsdorf, und schon gar nicht der schwarz-weiße Heißluftballon Lindner...
m.klagge 27.01.2019
5. Rechter Populismus und Neoliberalismus
sind nur die beiden Seiten ein und der selben Madallie. Was in diesem Fall ganz leicht zu erkennen ist. Diese Frau Beer kann man sich ganz problemlos auch in einer Führungsposition bei der AfD vorstellen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.