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24. September 2009, 16:05 Uhr

FDP-General zur Unions-Taktik

"Mit beiden Stimmen schwarz-gelb wählen"

Letzte Umfragen zeigen nur eine knappe Mehrheit für Schwarz-Gelb. In Hessen ruft die CDU offen die FDP-Wähler auf, mit der Erststimme ihre Direktkandidaten zu wählen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE sagt FDP-Generalsekretär Dirk Niebel, was er von der Unions-Kampagne hält.

SPIEGEL ONLINE: Herr Niebel, der hessische CDU-Generalsekretär Peter Beuth hat auf SPIEGEL ONLINE die FDP-Wähler in seinem Land dazu aufgerufen, am Sonntag klug zu entscheiden und ihre Erststimme CDU-Direktkandidaten zu geben. Findet das Ihre Unterstützung?

Niebel: Da hätte aber noch dazugehört, dass er dazu aufruft, mit der Zweitstimme die FDP zu wählen, damit Schwarz-Gelb sicher kommt.

SPIEGEL ONLINE: Wie halten Sie es selbst in Ihrem Wahlkreis Heidelberg-Weinheim?

Niebel: Ich fordere dazu auf, die FDP stark zu machen, weil nur mit einer starken FDP gewährleistet ist, dass tatsächlich jede Stimme für eine gelb-schwarze Regierungsbildung genutzt wird.

SPIEGEL ONLINE: Warum ruft die FDP nicht offiziell zu einer Erststimmen-Kampagne für aussichtsreiche Unions-Kandidaten auf, um damit Schwarz-Gelb insgesamt zu stärken?

Niebel: Wir verschicken gerade mehrere Millionen E-Mails und SMS mit der Bitte um die Zweitstimme für die FDP. Also bauen wir auf kluge Wähler im ganzen Land, die sich vorstellen können, wie man mit beiden Stimmen Schwarz-Gelb wählt.

SPIEGEL ONLINE: In Bayern hat die CSU wiederholt den liberalen Koalitionspartner heftig angegriffen. Die dortige FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat sehr direkt in einem Interview für die Wahl des SPD-Direktkandidaten Axel Berg plädiert. Es müsse dort ja nicht alles schwarz sein, so ihre Begründung. Würde in Bayern ein offener Aufruf der FDP für CSU-Kandidaten Ihrer Partei schwerfallen?

Niebel: Klar, nach diesen miesen Griffen unter die Gürtellinie. Ich kann nur sagen: Der Klügere denkt nach vorn.

SPIEGEL ONLINE: Schwarz-Gelb schwindet in den letzten Umfragen. Macht Sie das nervös?

Niebel: Wir liegen gut im Rennen und ziehen jetzt den Spurt an. Ich will das von der Union auch hoffen. Am Ende wird jede Stimme zählen. Unser Trumpf ist die absolute Klarheit in den Themen für die Mitte der Gesellschaft und in der Koalitionsfrage.

SPIEGEL ONLINE: Die Union kommt in den letzten Umfragen vor der Wahl nicht wirklich vom Fleck. Hessens Ministerpräsident und CDU-Bundesvize Roland Koch hat seine Partei zum Kämpfen aufgerufen. Ein notwendiger Appell in letzter Minute?

Niebel: Er wird das selbst am besten einschätzen können, warum er sich so dramatisch zu Wort melden musste. Hauptsache, es hilft.

SPIEGEL ONLINE: Die Kanzlerin und ihr SPD-Finanzminister Peer Steinbrück fliegen heute nach Pittsburgh auf den G-20-Gipfel. Wäre es besser, die CDU-Politikerin Angela Merkel würde auf den letzten Metern des Wahlkampfs in Deutschland sein?

Niebel: Sicher wird der Wahlkampf hier bei uns entschieden. Pittsburgh ist so wichtig, dass ein cleverer Finanzminister Deutschland dort gut vertreten könnte - wenn man ihm das zutraut. Wir erleben einen bezeichnenden Schlussakkord der Großen Koalition.

Das Interview führte Severin Weiland.

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