FDP-General zur Unions-Taktik "Mit beiden Stimmen schwarz-gelb wählen"

Letzte Umfragen zeigen nur eine knappe Mehrheit für Schwarz-Gelb. In Hessen ruft die CDU offen die FDP-Wähler auf, mit der Erststimme ihre Direktkandidaten zu wählen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE sagt FDP-Generalsekretär Dirk Niebel, was er von der Unions-Kampagne hält.

FDP-Generalsekretär Niebel: "Wir liegen gut im Rennen und ziehen jetzt den Spurt an"
dpa

FDP-Generalsekretär Niebel: "Wir liegen gut im Rennen und ziehen jetzt den Spurt an"


SPIEGEL ONLINE: Herr Niebel, der hessische CDU-Generalsekretär Peter Beuth hat auf SPIEGEL ONLINE die FDP-Wähler in seinem Land dazu aufgerufen, am Sonntag klug zu entscheiden und ihre Erststimme CDU-Direktkandidaten zu geben. Findet das Ihre Unterstützung?

Niebel: Da hätte aber noch dazugehört, dass er dazu aufruft, mit der Zweitstimme die FDP zu wählen, damit Schwarz-Gelb sicher kommt.

SPIEGEL ONLINE: Wie halten Sie es selbst in Ihrem Wahlkreis Heidelberg-Weinheim?

Niebel: Ich fordere dazu auf, die FDP stark zu machen, weil nur mit einer starken FDP gewährleistet ist, dass tatsächlich jede Stimme für eine gelb-schwarze Regierungsbildung genutzt wird.

SPIEGEL ONLINE: Warum ruft die FDP nicht offiziell zu einer Erststimmen-Kampagne für aussichtsreiche Unions-Kandidaten auf, um damit Schwarz-Gelb insgesamt zu stärken?

Niebel: Wir verschicken gerade mehrere Millionen E-Mails und SMS mit der Bitte um die Zweitstimme für die FDP. Also bauen wir auf kluge Wähler im ganzen Land, die sich vorstellen können, wie man mit beiden Stimmen Schwarz-Gelb wählt.

SPIEGEL ONLINE: In Bayern hat die CSU wiederholt den liberalen Koalitionspartner heftig angegriffen. Die dortige FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat sehr direkt in einem Interview für die Wahl des SPD-Direktkandidaten Axel Berg plädiert. Es müsse dort ja nicht alles schwarz sein, so ihre Begründung. Würde in Bayern ein offener Aufruf der FDP für CSU-Kandidaten Ihrer Partei schwerfallen?

Niebel: Klar, nach diesen miesen Griffen unter die Gürtellinie. Ich kann nur sagen: Der Klügere denkt nach vorn.

SPIEGEL ONLINE: Schwarz-Gelb schwindet in den letzten Umfragen. Macht Sie das nervös?

Niebel: Wir liegen gut im Rennen und ziehen jetzt den Spurt an. Ich will das von der Union auch hoffen. Am Ende wird jede Stimme zählen. Unser Trumpf ist die absolute Klarheit in den Themen für die Mitte der Gesellschaft und in der Koalitionsfrage.

SPIEGEL ONLINE: Die Union kommt in den letzten Umfragen vor der Wahl nicht wirklich vom Fleck. Hessens Ministerpräsident und CDU-Bundesvize Roland Koch hat seine Partei zum Kämpfen aufgerufen. Ein notwendiger Appell in letzter Minute?

Niebel: Er wird das selbst am besten einschätzen können, warum er sich so dramatisch zu Wort melden musste. Hauptsache, es hilft.

SPIEGEL ONLINE: Die Kanzlerin und ihr SPD-Finanzminister Peer Steinbrück fliegen heute nach Pittsburgh auf den G-20-Gipfel. Wäre es besser, die CDU-Politikerin Angela Merkel würde auf den letzten Metern des Wahlkampfs in Deutschland sein?

Niebel: Sicher wird der Wahlkampf hier bei uns entschieden. Pittsburgh ist so wichtig, dass ein cleverer Finanzminister Deutschland dort gut vertreten könnte - wenn man ihm das zutraut. Wir erleben einen bezeichnenden Schlussakkord der Großen Koalition.

Das Interview führte Severin Weiland.

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Seite 1
aqualung 18.09.2009
1.
Zitat von sysopWahl-Countdown: Die Parteien ringen um die Gunst der Deutschen. Wie bewerten Sie das Finale des Bundestagswahlkampfs und die Auftritte der Kandidaten?
Denke, dass die FDP z.Zt. noch zu hoch gehandelt wird und im Endeffekt knapp unter 10 % landen wird. Am Ende wird Rot-Rot-Grün rechnerisch möglich sein und die SPD wird sich panisch in die GroKo flüchten - auf die Argumentation bin ich gespannt...
zbigbrz 18.09.2009
2.
Zitat von sysopWahl-Countdown: Die Parteien ringen um die Gunst der Deutschen. Wie bewerten Sie das Finale des Bundestagswahlkampfs und die Auftritte der Kandidaten?
Was gibt's da zu bewerten? Wahlkampf fand doch nicht statt. Das Merkel fährt im Schlafwagen zurück ins Kanzleramt.
Machtbesessen 18.09.2009
3. Gleiche Augenhöhe
Zitat von sysopWahl-Countdown: Die Parteien ringen um die Gunst der Deutschen. Wie bewerten Sie das Finale des Bundestagswahlkampfs und die Auftritte der Kandidaten?
Das Finale ist gut. Die beiden Kanzlerkandidaten sind bald auf Augenhöhe. Beide haben dafür Ihr bestes dafür gegeben.
Brand-Redner 18.09.2009
4. Hamlet 2009
Zitat von aqualungDenke, dass die FDP z.Zt. noch zu hoch gehandelt wird und im Endeffekt knapp unter 10 % landen wird. Am Ende wird Rot-Rot-Grün rechnerisch möglich sein und die SPD wird sich panisch in die GroKo flüchten - auf die Argumentation bin ich gespannt...
Frei nach Shakespeare: Ist es auch Blödsinn, so hat es doch Methode. Ich würde sie "hochschreiben" nennen, denn die gebetsmühlenartige Wiederholung utopischer "Umfragewerte", scheinbar ein Mantra des politischen Mainstreams, soll doch nichts anderes werden als eine selbsterfüllende Prophezeiung nach dem Motto: Es gibt genügend Lemminge, die sich wirklichen und auch erdachten Mehrheiten anschließen. Die wählen schon deshalb den angepriesenen Favoriten, um nachher stolz sagen zu können: "Ich habe es ja richtig gemacht!" Doch die neoliberalen Volksverführer haben - wen wundert's - bis dato nichts aus der Finanzkrise gelernt: Die maßlose Überbewertung eines dubiosen "Produktes" führt früher oder später zum totalen Wertverlust. Der könnte in diesem Falle am 27. September erfolgen - mein Mitleid hält sich aber schon heute in Grenzen...
pssst... 18.09.2009
5.
Zitat von sysopWahl-Countdown: Die Parteien ringen um die Gunst der Deutschen. Wie bewerten Sie das Finale des Bundestagswahlkampfs und die Auftritte der Kandidaten?
Schlaftabeltten sind dagegen reine Aufputschmittel.
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