FDP Gerhardt will im Amt bleiben

In den Führungsstreit der FDP hat sich jetzt Vizechef Walter Döring eingemischt. Auch er attackiert den Parteivorsitzenden Wolfgang Gerhardt. Dieser habe die Personaldebatte selbst verschuldet. Gerhardt will aber auf jeden Fall im Amt bleiben.


Hamburg - Gerhardt sagte zu Beginn einer Präsidiumssitzung in Berlin, die jetzige Parteispitze werde auch die Führungsmannschaft bei der Bundestagswahl sein. Er werde wieder kandidieren. Dabei fühle er sich als "Primus inter Pares" (Erster unter Gleichen). Er kenne seine Kritiker in der Partei, sagte Gerhardt. Er werde das "glatte Gegenteil" von dem machen, was ihm der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki vorschlage. "Damit liege ich richtig." Kubicki hatte Gerhardt nahe gelegt, auf das Amt des Fraktionschefs im Bundestag zu verzichten.

Der baden-württembergische Wirtschaftsminister und FDP-Landesvorsitzende Walter Döring hatte zuvor Klarheit über die künftige Führungsmannschaft der Liberalen verlangt. Gerhardts Vorgehensweise sei "keine Meisterleistung" und stärke den Vorsitzenden nicht, sagte Döring der "Welt". "So beendet man keine Personaldebatte." Er habe "keine Lust auf zwei Jahre Spekulationen darüber, wer denn Mitglied des Teams für die Bundestagswahl sein soll und wer nicht. Einer muss klar die Nummer eins sein. Wenn das nicht Herr Gerhardt ist, wird es ein anderer."

Der Führungsstreit hatte sich am Wochenende zugespitzt. Wie schon der FDP-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Jürgen Möllemann, legte auch der schleswig-holsteinische Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki dem Parteichef nahe, die Leitung der Bundestagsfraktion abzugeben. Es sei sinnvoller, "noch mehr Personen für die liberale Sache kämpfen zu lassen", sagte er dem Radiosender NDR 4 Info.

Wolfgang Gerhardt
DPA

Wolfgang Gerhardt

Gerhardt betonte jedoch, er wolle seine beiden Führungsämter behalten. Zwar hatte er am Donnerstagabend nach einem Bericht der "Passauer Neuen Presse" bei einer Diskussion in Bad Griesbach gesagt, in der Mannschaft der FDP für die Bundestagswahl 2002 müssten die Positionen verteilt werden. Er denke auch darüber nach, ein Amt aufzugeben. Auch der "Rheinischen Post" sagte Gerhardt: "Wenn wir in die Wahl gehen, muss nicht einer alle Ämter ausüben." Zum Partei- und Fraktionsvorsitz sagte er jedoch: "Das ist beides gar nicht berührt." Die Zeitung berichtet, Gerhardt habe die Rolle des Spitzenkandidaten im Jahr 2002 gemeint.

Kubicki sagte, Gerhardt habe sich selbst "bereits zur lahmen Ente erklärt." Es sei geradezu zwanghaft neurotisch, wenn der Parteivorsitzende erkläre, die FDP könne nicht mit der SPD zusammenarbeiten. Kubicki ist wie Möllemann offen für Koalitionen mit den Sozialdemokraten in Bund und Ländern. Möllemanns NRW-FDP hatte ihren Stimmenanteil bei der Wahl mit 9,8 Prozent mehr als verdoppelt.

Kubicki wies darauf hin, dass auch andere FDP-Politiker sich gegen eine zu starke Annäherung an die SPD ausgesprochen hätten. Er sei es leid, dass diese "nun weiterhin glauben, sie könnten die strategische Debatte der FDP maßgeblich bestimmen". Er nannte den früheren FDP-Chef und Ex-Außenminister Klaus Kinkel, Wolfgang Döring und den Europa-Abgeordneten Helmut Haussmann. "Die Geschichte wird völlig bedenkenlos über diese Personen hinweggehen", sagte Kubicki.



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