Umbau bei den Liberalen Ex-SPD-Politiker Christ soll neuer FDP-Schatzmeister werden

Der Unternehmer Harald Christ war lange in der SPD, im Frühjahr trat er in die FDP ein. Nun dürfte Parteichef Lindner ihn zum neuen Schatzmeister machen.
FDP-Politiker Christian Lindner mit Neumitglied Harald Christ im März 2020 in der FDP-Zentrale: Fast 30 Jahre in der SPD gewesen

FDP-Politiker Christian Lindner mit Neumitglied Harald Christ im März 2020 in der FDP-Zentrale: Fast 30 Jahre in der SPD gewesen

Foto: Ulrich Steinkohl / DPA

Sieben Jahre lang wachte Hermann Otto Solms zuletzt über die Finanzen der FDP, insgesamt hatte er das Amt dreimal in den vergangenen Jahrzehnten inne. Auf dem Parteitag im September will der 79-Jährige nun seinen Posten als Schatzmeister zur Verfügung stellen. Darüber hatte er den Vorstand am Donnerstag informiert.

Mit seinem Rückzug ermöglicht Solms Parteichef Christian Lindner knapp ein Jahr vor Beginn des Bundestagswahlkampfes einen personellen Umbau im Präsidium - zu einem Zeitpunkt, da sich die Anzeichen verdichten, dass Lindner seine Generalsekretärin Linda Teuteberg vorzeitig ablösen will.

Für den Posten des Schatzmeisters hat Lindner nach SPIEGEL-Informationen den früheren SPD-Politiker und Unternehmer Harald Christ vorgesehen. Der 48-Jährige war erst im März dieses Jahres nach fast 30 Jahren Mitgliedschaft in der SPD zu den Liberalen gestoßen. Christ gelte als "die wahrscheinlichste Variante" hieß es am Freitag aus FDP-Führungskreisen gegenüber dem SPIEGEL.

Christ solle das FDP-Team in der anstehenden Bundestagswahl stärken, er passe zudem in das von Lindner anvisierte wirtschaftspolitische Profil, das angesichts der zu erwartenden Auswirkungen der Coronakrise eine wichtige Rolle spielen solle. Auch verkörpere Christ mit seinem Lebensweg "eine klassische Aufstiegsgeschichte" und passe damit zur FDP-Botschaft, die sich an "die Fleißigen und Tüchtigen" wende und nicht an die "Vertreter der Champagner-Etage", hieß es weiter.

Seinen Austritt aus der SPD hatte Christ im Frühjahr damit begründet, dass er "den zunehmenden Linkskurs der Parteispitze nicht mitgehen" wolle. Auch habe er für seine Position "immer weniger Unterstützung" gefunden und schon in seiner Jugend mit der FDP geliebäugelt. Für ihn sei es deshalb "naheliegend und konsequent, die Entscheidung aus meiner Jugend zu revidieren und mich jetzt als Sozialliberaler mit meiner Expertise in die FDP einzubringen" (Lesen Sie hier das SPIEGEL-Interview mit Christ).

Christ, der 2007 unter dem SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier in dessen Schattenkabinett für das Wirtschaftsministerium vorgesehen war, bringt zudem Erfahrungen als früherer SPD-Landesschatzmeister ein. Darauf wurde in FDP-Führungskreisen ebenfalls hingewiesen. Christ führte dieses Amt zeitweise in der Hamburger und später in der Berliner SPD.

Spekulationen, auch FDP-Fraktionsvize Christian Dürr könnte als Schatzmeister in Frage kommen, wurden als unwahrscheinlich zurückgewiesen. Dürr, so hieß es am Freitag aus der FDP-Spitze, sei als Finanzexperte angesichts der Auswirkungen der Coronakrise und der Affäre um den früheren deutschen Dax-Konzern Wirecard "im Fraktionsvorstand unabkömmlich".

Baldige Entscheidung zu Teuteberg?

Indes halten in der FDP die Spekulationen an, dass bereits bis zur Bundesvorstandssitzung am Montag eine Entscheidung über die Zukunft von Generalsekretärin Teuteberg fallen könnte. Berichte über eine angeblich geplante Zusammenkunft Lindners mit den FDP-Landesvorsitzenden an diesem Wochenende wurden in Parteikreisen allerdings dementiert.

Aus FDP-Führungskreisen erfuhr der SPIEGEL jedoch, die Zukunft Teutebergs werde am kommenden Montag "in irgendeiner Weise" im Bundesvorstand zur Sprache kommen. Dies gelte "als sicher".

Für den Posten des Generalsekretärs hat laut Satzung der Vorsitzende das Vorschlagsrecht. In jüngster Zeit hatte Lindner sich nicht darauf festlegen lassen, ob Teuteberg bis zu den regulären Vorstandswahlen im Mai 2021 im Amt bleibt. Intern hieß es, er sei seit Längerem unzufrieden mit ihrer Arbeit und wolle mit ihr nicht in den Bundestagswahlkampf ziehen.

Auf Nachfragen zu ihrer Zukunft weicht Lindner seit einiger Zeit mit einer Standardformel aus: Sie sei, sagte er jüngst dem SPIEGEL, ein "starker Teil unseres Teams". Er fügte aber auch vielsagend hinzu: "Alle Parteien sprechen derzeit über ihre Aufstellung zur Bundestagswahl."

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