FDP-Intrigen Möllemann wird Simulantentum vorgeworfen

Die Erkrankung Jürgen W. Möllemanns sorgt innerhalb der FDP für weitere Querelen. Scharfe Kritik gibt es am internen Politikstil der Liberalen - unter anderem an der Streuung des Gerüchts, Möllemann simuliere seine Krankheit nur.




Möllemann: Opfer eines Wildwest-Vereins oder Simulant?
AP

Möllemann: Opfer eines Wildwest-Vereins oder Simulant?

Chemnitz - Von Wildwest-Verein ist die Rede, das Kriegsbeil müsse endlich begraben werden - der nordrhein-westfälische FDP-Landtagsabgeordnete und frühere Landesparteichef Joachim Schultz-Tornau hat scharfe Kritik an der Polarisierung innerhalb der Partei geübt. Der Machtkampf zwischen dem FDP-Landeschef Jürgen Möllemann und dem Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle solle beendet werden, es sei Zeit, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen.

Der Chemnitzer "Freien Presse" sagte Schultz-Tornau, die Erkrankung Möllemanns sei Anlass genug, darüber nachzudenken, ob die FDP noch eine Partei oder schon ein "Wildwest-Verein" sei. zitierte die Zeitung des FDP-Politiker. Er wolle niemandem die Schuld an dem plötzlichen Zusammenbruch Möllemanns geben. Doch wer jetzt seinen Politikstil nicht ändere, "der macht sich schuldig", erklärte Schultz-Tornau ohne Namen zu nennen.

Doch die Friedenspfeife zu rauchen, das scheint ferne. Die "Bild"-Zeitung berichtet über innerparteiliche Gerüchte, Möllemann täusche seine Herzbeschwerden nur vor. Das Blatt zitierte einen nicht genannten, "einflussreichen" nordrhein-westfälischen Bundestagsabgeordneten mit den Worten: "Der simuliert doch nur."

Angeblich vergiftet die Äußerung dieser Vermutung die Stimmung in der FDP weiter. "Bild" schreibt, der Verdacht der Simulation habe in der Partei Empörung ausgelöst. Der Vizepräsident des nordrhein-westfälischen Landtages, Jan Söffing (FDP), sagte nach Angaben des Blattes: "Was hier hinter vorgehaltener Hand unterstellt wird, ist ein nicht mehr hinnehmbarer Politikstil."

Möllemann habe sich nach seinem Schwächeanfall weiter erholt teilte die Münsteraner Raphaelsklinik mit. Der 57-Jährige werde jedoch noch länger in der Klinik bleiben müssen, die Ursache der festgestellten Herz-Rhythmus-Störungen sei noch unklar. Möllemann werde nur von seiner Familie besucht. Rund zwei Dutzend Faxe, Briefe und E-Mails mit Genesungswünschen träfen täglich ein.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.