FDP-Spitzenkandidatin Suding Angriff mit High Heels

Die Hamburger FDP-Spitzenkandidatin Katja Suding präsentiert sich selbst in High Heels und enganliegendem Outfit - als "Engel für Lindner". Eine kämpferische Pose, inspiriert von einem Frauenbild aus den Siebzigerjahren.

Hamburg - Die Fäuste geballt, zum Kick bereit, die abwehrende Hand über dem Kopf - als "Drei Engel für Lindner" posieren die FDP-Politikerinnen vor der Kamera. Wie auf dem Cover des Kinofilms stehen sie - wie Cameron Diaz, Drew Barrymore und Lucy Liu - kampfbereit für die FDP in hautengen Outfits, High Heels und Nagellack. Das soll wohl die Aussage eines Fotoshootings sein, bei dem sich Katja Suding und Lencke Steiner, die liberalen Spitzenkandidatinnen in Hamburg und Bremen, sowie FDP-Generalsekretärin Nicola Beer als "Drei Engel für Lindner" ablichten ließen. In der "Gala". Drei starke Frauen retten eine Partei, die vor dem Wahldebakel-Abgrund steht. So hätten sie es offenbar gern.

In der Frauenzeitschrift "Gala" erklärt Suding, sie sehe sich durch die Fotos nicht aufs Äußere reduziert. "Attraktivität hilft, Aufmerksamkeit zu bekommen", erklärt die FDP-Politikerin, räumt aber ein: "Andererseits ist es schwerer für attraktive Menschen als intelligent wahrgenommen zu werden." Diese Fotos helfen da sicher nicht.

Die Posen sollen wohl kämpferisch wirken, cool und sexy. Doch das Bild ist nicht nur peinlich, sondern auch schief. Die TV-Serie "Drei Engel für Charlie", die lange vor dem gleichnamigen Kinofilm gesendet wurde, passte vielleicht zum Frauenbild der Siebzigerjahre.

Das Bild aus der TV-Serie zu Ende gedacht, hieße auch: Katja Suding und ihre zwei Engel erfüllen die Aufträge, die ihnen von einer knarzigen Stimme des unsichtbaren Lindner zugetragen werden. Sie führen aus, ohne eigene Ideen, ohne politische Konzepte. Solche filmischen Anleihen tragen nicht dazu bei, als intelligent wahrgenommen zu werden.

Mit der "Gala"-Fotoaktion waren Suding die Schlagzeilen sicher: "Die schärfsten Waffen der FDP", titelte die "Hamburger Morgenpost". Die "Bild"-Zeitung machte "Miss Bein und ihre Ladys" zum "Foto des Tages". Um knapp zwei Wochen vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg wahrgenommen zu werden, zieht Suding, von Beruf PR-Beraterin, offenbar alle Register.

Will die FDP als Partei bestehen, muss sie aus dem Umfragetief heraus kommen. Nach der Bundestagswahl 2013 mussten die liberalen Abgeordneten ihre Büros räumen. Auch bei den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen fuhr die Partei eine Pleite nach der anderen ein.

Parteichef Christian Lindner lobte zuletzt in Hamburg, Suding mache eine "exzellente Kampagne" und setze "die richtigen Themen". Und dass sie Erfolge erzielen kann, hatte die Liberale schon 2011 gezeigt: Damals führte sie die in der Hansestadt traditionell schwache FDP mit einem Ergebnis von 6,7 Prozent zurück in die Bürgerschaft.

Auch das Wahlplakat der FDP zeigt Suding, diesmal mit ernstem Blick. Daneben die Zeile "Unser Mann für Hamburg". Eine inhaltliche Aussage sei damit nicht verbunden gewesen, "Unsere Frau für Hamburg" sei schlichtweg zu langweilig gewesen, lautete die Erklärung eines Eingeweihten. Auch habe man mit dem Klischee ironisch spielen wollen, dass die Politik noch immer eine Männerdomäne sei, in der sich Suding durchgesetzt habe.

Die Kritik, das Plakat sei frauenfeindlich, könne sie nicht nachvollziehen, sagt Suding nun im "Gala"-Interview: "Ich müsste ja eigentlich das Vorbild jeder Feministin sein. Ich habe es geschafft, ohne Quote an die Spitze zu kommen und trotzdem Frau zu sein."

Das Konzept, nicht mit politischen Forderungen oder Aussagen sondern mit irritierenden Slogans und Porträts der Spitzenkandidatin zu punkten, ist offenbar aufgegangen: In aktuellen Umfragen liegt die FDP nun bei fünf Prozent, im Dezember waren es noch zwei Prozent. Die Liberalen könnten sich somit in der Bürgerschaft halten. Das wäre der größte Wahlerfolg seit dem Rauswurf aus dem Bundestag.

(mit Material von AFP)
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