FDP-Krisengipfel Die Rückkehr des glücklichen Guido W.

Nach dem Krisengipfel sieht sich Guido Westerwelle bestätigt. Statt zu zanken, ging es ruhig zu bei den Liberalen und am Ende hoben alle die Hand für den FDP-Chef. Zumindest vorübergehend dürften die Rivalitäten und Personalquerelen bei den Freidemokraten beendet sein.

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Guido Westerwelle im Glück: Statt Prügel gab es beim Krisengipfel einstimmige Ergebnisse für ihn und sein Strategiepapier
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Guido Westerwelle im Glück: Statt Prügel gab es beim Krisengipfel einstimmige Ergebnisse für ihn und sein Strategiepapier

Berlin - Trotz einer leichten Erkältung vom vielen Reden am Wochenende war Guido Westerwelle am Montag endlich mal wieder richtig happy. "Es ist mir ein Vergnügen, hier zu stehen", sagte der FDP-Parteichef. Freundlich wie lange nicht mehr lächelte er daraufhin in die Runde der versammelten Reporter. Zwar könne er nicht mit "einem Freudentanz" aufwarten, so Westerwelle. Er gestand aber ein, dass er als letzter mit "einem solchen Ergebnis" des FDP-Krisengipfels gerechnet habe.

Was Westerwelle am Montag nach der Sitzung der Führungsgremien mitteilen konnte, überraschte nach dem lautstarken Zank der vergangenen Wochen. Einstimmig hatten sich die Liberalen am Sonntagabend und am Montag hinter ihren Frontmann gestellt. Sowohl er als auch seine Führungsmannschaft mit der angeschlagenen Generalsekretärin Cornelia Pieper und sein neues Strategiepapier fanden damit die Zustimmung, mit der wohl vor Tagen noch niemand gerechnet hatte.

Statt wie in den letzten Wochen leicht verkrampft und wortkarg vor den Mikrophonen zu lavieren, scherzte Westerwelle folglich und gefiel sich auch mal wieder selbst. "Ich bin froh, dass ich kein Journalist geworden bin", flachste er verschmitzt, "denn dann müsste ich auch an einem solchen Tag wieder ein Haken an der Geschichte finden". Fast konnte der Eindruck entstehen, nach den schmerzhaften Eingeständnissen der letzten Wochen ("Ich muss besser werden") sei nun der alte Westerwelle wieder zurück.

"Nicht eine Nano-Sekunde" an Rücktritt gedacht

Die gute Laune Westerwelles am Tag nach dem Gipfel täuschte allerdings über die Spannungen in den beiden Krisenrunden hinweg. Auch wenn der Parteichef am Montag sagte, er habe "nicht eine Nano-Sekunde" an den Rücktritt gedacht, hören sich die Berichte der Teilnehmer der Treffen anders an. "Sehr emotional und offen" sei es dort zugegangen. Auch an Westerwelle habe es Kritik gegeben. Am Ende allerdings habe niemand seine Hand gehoben, als Westerwelle wissen wollte, ob es Zweifel an seiner Person oder seiner Generalsekretärin Pieper gebe.

Mit dem klaren Ergebnis ging Westerwelles Strategie auf. Der Parteichef kennt seine Liberalen, vor allem seine internen Widersacher wie den baden-württembergischen Landeschef Walter Döring, die Frankfurterin Ruth Wagner oder Wolfgang Kubicki aus Schleswig-Holstein. Diese sind stets von flotter Zunge, wenn sie bei Zeitungen in wolkigen Ankündigungen das Ende der Ära Westerwelle herbei singen. Fast spielend gelang es ihnen so in den vergangenen Wochen, ein Bild der FDP als zerstrittene und mit sich selbst beschäftigte Partei ohne wirkliche Führung zu zeichnen.

Sitzen die Kritiker dem Parteichef allerdings innerhalb der liberalen Runde zusammen, schweigen sie meist und wollen alles nicht so drastisch gemeint haben. Genau so sollen sich die Runden im Thomas-Dehler-Haus dann auch abgespielt haben. Lediglich die Chefin der Hessen-FDP, Ruth Wagner, versuchte am Sonntagabend einmal kurz den Unabhängigkeitskurs Westerwelles für die FDP in Frage zu stellen. Rasch aber merkte auch Wagner, dass niemand sonst dieses Fass jetzt aufmachen wollte. Folglich verstummte sie recht schnell, wie Teilnehmer berichteten.

Döring und Kubicki lenkten ein

Auch Walter Döring verhielt sich gemäß den Erwartungen. Gemeinsam mit Kubicki versuchte der Landeschef aus Stuttgart am Sonntag die Aufregung um seine Aussagen als unverständlich darzustellen. Er habe mit seinen markigen Worten über den "desolaten Zustand" der FDP die Partei schlicht wieder ins Gespräch bringen wollen, so Döring. "Ich will ihm nicht an den Kittel, das muss er langsam einsehen", bestritt er jeden Gedanken an einen Sturz Westerwelles. Als es am Montag im Bundesvorstand noch mal massive Kritik an den öffentlich ausgetragenen Führungsquerelen gab, blieb Dörings Stuhl meist leer.

Einstecken musste statt Westerwelle der schleswig-holsteinische Landeschef Kubicki. Nachdem die von ihm angegriffene Generalsekretärin in einem langen Vortrag den Vorgang um die Haschpflanzen in ihrer Wohnung erläuterte, hagelte es Kritik an Kubicki. Westerwelle sagte im Anschluss lediglich, die Attacken Kubickis seien "unanständig" gewesen. In der internen Runde sollen nach Angaben von Teilnehmern noch wesentlich schärfere Schimpfworte gefallen sein. Statt Kubicki stand am Ende Pieper als Siegerin dar und freute sich über die "Klarstellung" zu ihrer Person.

Westerwelle wollte am Montag nur noch nach vorn blicken. In den kommenden Wochen müsse es bei den Liberalen um die Diskussion seines neuen Strategiepapiers gehen und nicht mehr um Personen. Doch Streit ist programmiert. Themen wie der Meisterzwang beim Handwerk, die von Westerwelle geforderten Studiengebühren oder der ebenfalls proklamierte Internetverkauf von Medikamenten werden innerhalb der FDP noch reichlich Kritiker finden. Endgültig soll die neue Linie der FDP dann Anfang Dezember verabschiedet werden.



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