SPON-Wahltrend FDP legt zu - Union unter 30 Prozent

Die FDP wird wegen des Abbruchs der Jamaika-Verhandlungen scharf angegriffen. Geschadet hat die Entscheidung der Partei bisher aber offenbar nicht - im SPON-Wahltrend sind die Liberalen die Gewinner.
Christian Lindner

Christian Lindner

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

In den Sondierungsverhandlungen mit CDU, CSU und Grünen zog die FDP die Notbremse und ließ damit die Träume von einem Jamaika-Bündnis platzen. Für ihren Schritt müssen die Liberalen viel Kritik einstecken. Bei Parteimitgliedern und Wählern wirbt Parteichef Christian Lindner um Verständnis und will den Schaden so begrenzen. Doch das könnte gar nicht nötig sein: Denn im SPON-Wahltrend können die Liberalen zulegen.

Für die jüngste SPON-Umfrage wurden nur die Stimmen seit Abbruch der Sondierungen zugrunde gelegt. Die Abstimmung startete einige Stunden nach dem Ende der Jamaika-Verhandlungen in der Nacht von Sonntag auf Montag. Das Ergebnis beschert den Liberalen dabei den größten Zuwachs aller Parteien. Die FDP liegt nun bei 13,3 Prozent. Damit legte sie seit Verkündung ihrer Entscheidung 1,7 Prozentpunkte zu.

Die Grünen profitieren ähnlich stark und können einen Zugewinn von 1,5 Prozentpunkten verzeichnen. Sie landen damit bei 11,9 Prozent. Die Linke kann ebenfalls leicht zulegen.

SPD auf Allzeittief

Die Union liegt im jüngsten SPON-Wahltrend unter der 30-Prozentmarke. Einen Abwärtstrend für CDU und CSU hatte Civey bereits vor dem Ende der Sondierungsgespräche verzeichnet. Die SPD, die sich weiter gegen eine Neuauflage der Großen Koalition wehrt, liegt bei 19,5 Prozent - die Sozialdemokraten erreichen damit den tiefsten gemessenen Wert seit Beginn des SPON-Wahltrends im Dezember 2016.

In der AfD-Spitze sind die Hoffnungen groß, von möglichen Neuwahlen am meisten profitieren zu können. Das Umfrageergebnis lässt darauf aber nicht schließen. Im Gegenteil: Die AfD verliert seit den gescheiterten Sondierungsverhandlungen 1,5 Prozentpunkte.

An den aktuellen Kräfteverhältnissen im Bundestag würden die aktuellen Umfrageergebnisse nicht viel ändern - am Ende kämen erneut nur ein Jamaika-Bündnis oder eine Große Koalition als Regierungsbündnis in Frage.

Die Veränderungen bei den jeweiligen Parteien liegen allerdings alle noch im Bereich der Fehlertoleranz der Umfrage.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 20.November bis 21. November 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 5000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent. Der SPON-Wahltrend vor dem Ende der Sondierungsverhandlungen erfolgte im Zeitraum vom 12. November bis 19. November. Die Stichprobe umfasste mehr als 10.000 Befragte, der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mho