FDP-Maulwurf Westerwelle lässt Büroleiter länger im Urlaub

Er plauderte FDP-Interna seit 2007 bei den Amerikanern aus: Die Zukunft von Guido Westerwelles Büroleiter Metzner bleibt weiter offen. Vorerst soll der Mitarbeiter länger im Urlaub bleiben, um Ruhe in die Affäre zu bringen.

Außenminister Westerwelle: Ärger um Maulwurfaffäre
dapd

Außenminister Westerwelle: Ärger um Maulwurfaffäre


Berlin - Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle will auf die Dienste seines bisherigen Büroleiters Helmut Metzner nach den WikiLeaks-Enthüllungen für längere Zeit verzichten. FDP-Generalsekretär Christian Lindner ließ am Montag offen, wann der beurlaubte Mitarbeiter wieder in die Parteizentrale nach Berlin zurückkehrt. Forderungen nach einer Entlassung des 41-Jährigen wies er jedoch zurück. Auf die Frage, wann der bisherige Büroleiter ins Thomas-Dehler-Haus zurückkehren werde, sagte Lindner: "Was den Urlaub angeht, wollen wir in diesem speziellen Fall großzügig sein." Metzner soll weiterhin in der FDP-Zentrale beschäftigt bleiben.

Metzner hatte der US-Botschaft Interna aus der FDP und den Koalitionsverhandlungen mit der Union verraten. Nach den ersten Veröffentlichungen durch die Internetplattform WikiLeaks ließ der FDP-Mann mehrere Tage verstrichen, bis er dies zugab. Daraufhin musste Metzner seinen Posten als Westerwelles Büroleiter im Thomas-Dehler-Haus aufgeben.

Lindner nahm den Außenminister jetzt gegen Vorwürfe in Schutz, Amts- und Parteiinteressen miteinander verquickt zu haben. Dabei geht es um die Tatsache, dass Westerwelle seinen heutigen Staatssekretär Martin Biesel vergangene Woche die Gespräche zur Enttarnung des Botschaftsinformanten führen ließ. Lindner sagte, Biesel habe dies auf "persönliche Bitte" Westerwelles getan. Metzner hatte dann erst zugegeben, der Informant gewesen zu sein.

FDP-Bundesvorstandsmitglied Wolfgang Kubicki verlangte am Wochenende ein härteres Durchgreifen von Westerwelle. Metzner müsse fristlos entlassen werden, forderte er. Lindner erwiderte am Montag, Kubicki sei mit den operativen Fragen in der FDP-Parteizentrale nicht vertraut. Der Generalsekretär bekräftigte zugleich, dass der Mitarbeiter lediglich "verdichtetes Zeitungswissen" weitergegeben habe. Bedauerlich sei aber, dass er sich nicht früher offenbart und dadurch eine größere Dramatik in die Sache gebracht habe. Kubicki wertete die Indiskretion dagegen als schwerwiegendes Vergehen, das zum Rauswurf führen müsse.

Bereits seit 2007 soll Metzner die US-Botschaft mit Informationen versorgt haben. Das geht aus den US-Depeschen hervor, die dem SPIEGEL vorliegen. Am 22. Juni 2007 kabelte die Berliner Botschaft einen Bericht nach Washington, in dem es unter anderem hieß: "Westerwelle positioniert sich als Außenminister der nächsten Bundesregierung." Als Quelle wird angegeben: Helmut Metzner, "Chef-Wahlkampfstratege" der Partei.

anr/dpa/dapd

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Waiguoren 28.11.2010
1.
"Merkel ist methodisch, rational und pragmatisch." Angie kommt doch gar nicht so schlecht weg.
Liberalitärer, 28.11.2010
2. Einstein
Zitat von sysopWie Amerika die Welt sieht - 251.287 geheime Dokumente aus dem Washingtoner Außenministerium enthüllen die Sicht der US-Diplomatie auf Freund und Feind.
Nein, das sind Einschätzungen und Kritik im Falle D schadet nicht. Niemand hier wird wohl G.W. Bush (den ich für ehrenwert halte) mit Einstein verwechseln.
werner thurner, 28.11.2010
3.
Zitat von sysopWie Amerika die Welt sieht - 251.287 geheime Dokumente aus dem Washingtoner Außenministerium enthüllen die Sicht der US-Diplomatie auf Freund und Feind.
Dann erfahren wir endlich mal die Wahrheit über die offizielle Denke in den USA. Die Wahrheit , oder annähernd die Wahrheit kann niemals irgendwas beschädigen. Das Verhätnis der USA zu den Verbündeten ist ja bereits durch die Bush Kriegspolitik und das Mitläufertum beschädigt, genauso wie die hierzu mißbrauchte NATO (Bündnsifall bis heute).
Smartpatrol 28.11.2010
4. Nicht schlecht
"Amerikas Botschafter können gnadenlos in der Beurteilung der Länder sein, in denen sie akkreditiert sind." Was man ihnen kaum vorhalten kann. Die Bewertung Westerwelles ist beispielsweise nichts als eine realistische, nüchterne Einschätzung. Keine der genannten Veröffentlichungen macht mir die USA unsympathischer, ganz im Gegenteil.
ramuz 28.11.2010
5. Nein.
Geht man von dem momentanen Level an Vertrauen, Ansehen, Kooperationswillen aus, das/den Akteure anderer Staaten den US entgegenbringen, kann es nicht beschädigt werden aus Sicht der anderen. Wenn die Akteure der US halbwegs intelligent sind, so wissen sie das auch. Theaterdonner halt...
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