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01. Juni 2002, 05:36 Uhr

FDP

Möllemann schließt Entschuldigung aus

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Jürgen Möllemann hat im Antisemitismus-Streit eine Entschuldigung beim Zentralrat der Juden in Deutschland ausgeschlossen.

Belastung oder Belustigung? FDP-Wahlkämpfer Jürgen Möllemann
DDP

Belastung oder Belustigung? FDP-Wahlkämpfer Jürgen Möllemann

Berlin - Er habe seine Äußerungen gegenüber dem stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats, Michel Friedman, schon vor Tagen bedauert, sagte Möllemann in einem vorab veröffentlichten Interview der Zeitung "Bild am Sonntag". "Was war die Antwort? Führende Mitglieder des Zentralrats der Juden haben mich wieder als Antisemiten beschimpft. Auf die ausgestreckte Hand wird ständig draufgeschlagen." Wenn das die Antwort auf das Einräumen eines Fehlers sei, müsse er sagen: "Für mich war's das jetzt. Ich werde mich bei Herrn Friedman nicht entschuldigen."

Der FDP-Bundesvorstand hatte am Freitag eine Erklärung verabschiedet in der es heißt, der Vorstand missbillige und bedauere, dass durch Möllemanns Äußerungen "Anlass für Missverständnisse entstanden ist." Israels Ministerpräsident Ariel Scharon oder Friedmann könnten nicht für antisemitische Ressentiments verantwortlich gemacht werden. Der Zentralratsvorsitzende Paul Spiegel äußerte sich enttäuscht über die Erklärung. Friedmann beharrte auf einer förmlichen Entschuldigung. Möllemann, der auch Chef der FDP in NRW ist, kündigte außerdem an, dass der aus den Grünen ausgetretene Abgeordnete im nordrhein-westfälischen Landtag, Jamal Karsli, Mitglied der FDP-Fraktion bleiben werde. Karsli hatte der israelischen Armee Nazi-Methoden vorgeworfen und von einer zionistischen Lobby in Deutschland gesprochen. Friedmann hatte wiederholt die FDP-Fraktion aufgefordert, sich von Karsli zu trennen.

Rücktrittsforderung von Hamm-Bücher

Ebenfalls in "Bild am Sonntag" forderte die Alt-Liberale Hildegard Hamm-Brücher Möllemann zum Rücktritt auf: "Um die Partei nicht pausenlos in unwürdige Auseinandersetzungen zu verwickeln, gibt es nur eine Konsequenz: Den Rücktritt Möllemanns von seinem Amt als stellvertretender Bundesvorsitzender." Das Problem dürfe nicht unendlich verschleppt werden. Die Erklärung des Bundesvorstandes nannte Hamm-Brücher "nichts als heiße Luft".

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