Thüringen-Debakel FDP-Parteivorstand spricht Lindner das Vertrauen aus

Christian Lindner bleibt FDP-Chef. Der Bundesvorstand der Liberalen sprach dem Parteichef das Vertrauen aus. Der Wahleklat in Thüringer Landtag sei ein "Fehler" gewesen, den bedauere die Partei "zutiefst".
Christian Lindner, FDP-Chef: Thomas Kemmerich habe "seine Integrität verteidigt"

Christian Lindner, FDP-Chef: Thomas Kemmerich habe "seine Integrität verteidigt"

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HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Der Bundesvorstand der Freien Demokraten (FDP) hat dem Parteivorsitzenden Christian Lindner mit großer Mehrheit das Vertrauen ausgesprochen.

Nach SPIEGEL-Informationen stimmten 33 Vorstandsmitglieder für Lindner, eines gegen ihn. Zwei enthielten sich.

Lindner räumte eine "Fehleinschätzung" seiner Partei ein, durch die eine Wahl des Thüringer Landeschefs Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten mithilfe der AfD zustande gekommen sei. Das sei "unfallweise" geschehen.

"Zweifel an der Grundhaltung der FDP"

Dadurch seien "Zweifel bei vielen an der Grundhaltung der FDP" aufgekommen. Das bedauere der Vorstand "zutiefst".

Lindner räumte auf Nachfrage ein, dass es in der vergangenen Woche in der FDP-Bundestagsfraktion ein Gespräch über die Möglichkeit einer Kandidatur Kemmerichs im dritten Wahlgang im thüringischen Landtag gegeben habe.

Lindner sagte weiter, er habe dort seine Bedenken geäußert, und es sei vereinbart worden, dass es eine erfolgreiche Wahl Kemmerichs unter der Beteiligung der AfD nicht geben solle. Es sei ein "Fehler" geschehen, "den wir aber gestern korrigiert haben".

Der thüringische Generalsekretär der FDP, Robert-Martin Montag, habe sich für den Fehler "in der Sitzung entschuldigt". Lindner sagte dazu, es wäre gut, wenn sich auch andere in dieser Weise äußern würden.

Lindner: AfD will politische Kultur zerstören

Zu Ministerpräsident Kemmerich sagte Lindner, der habe durch seine schnelle Reaktion "in weniger als 24 Stunden seine Integrität verteidigt". Die Korrektur eines Fehlers sichere diese Integrität.

Ziel der FDP seien weiterhin Neuwahlen des thüringischen Landtag, so Lindner. Der Antrag für eine Selbstauflösung des Parlaments werde von der FDP-Landtagsfraktion eingebracht.

Die AfD habe "konstruktiv-destruktiv" agiert. Man könne sich bei der Partei auf "gar nichts mehr verlassen". Es sei Ziel der AfD, die politische Kultur in Deutschland zu zerstören, sie sei eben "keine CDU von 1980".

cht/dpa
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