"Tolles Votum" FDP wählt Christian Lindner zum neuen Parteichef

Christian Lindner ist der neue Chef der FDP. Er erhielt auf dem Sonderparteitag in Berlin knapp 80 Prozent der Stimmen - "ein tolles Votum", wie er kommentierte. Der 34-Jährige gab sich kämpferisch: "Die Zeit der Trauerarbeit in der FDP ist zu Ende."
Neuer FDP-Chef Christian Lindner: "Die Zeit der Trauerarbeit ist zu Ende"

Neuer FDP-Chef Christian Lindner: "Die Zeit der Trauerarbeit ist zu Ende"

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Berlin - Die FDP hat einen neuen Spitzenmann. Christian Lindner wurde beim Sonderparteitag in Berlin zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Er erhielt 513 Stimmen von 662 Delegierten, also 79,04 Prozent, und setzte sich damit klar gegen seine weitgehend unbekannten Konkurrenten durch. Christian Lindner nahm die Wahl an und bedankte sich "für dieses tolle Votum".

Um sich für das Amt des Parteichefs zu empfehlen, hatte Lindner zuvor in seiner Rede für Geschlossenheit und für die Rückbesinnung auf liberale Kernforderungen geworben: "Alte Rechnungen, taktische Stellungsdebatten und Eitelkeiten - sie bedeuten nichts mehr angesichts der Größe der Herausforderungen, vor denen wir stehen." Ab sofort müsse gelten: "Greift der politische Gegner einen von uns an, dann bekommt er es mit der gesamten FDP zu tun."

Nach der Abwahl aus dem Bundestag müsse die FDP schnell wieder in die Offensive kommen: "Die Zeit der Trauerarbeit in der FDP ist zu Ende", sagte Lindner. "Ab heute bauen wir vom Fundament auf neu auf." Lindner definierte die FDP als Partei der Marktwirtschaft, der Leistungsgerechtigkeit, der Bürgerrechte und der europapolitischen Vernunft. "Die FDP muss nicht fürchten, bekämpft zu werden, für was wir stehen", sagte Lindner. "Die FDP muss nur fürchten, für nichts zu stehen."

Der neue FDP-Chef war Ende 2011 aus Frust über Röslers mangelnde Führung und Strategie als Generalsekretär der Bundespartei zurückgetreten, holte ein halbes Jahr später für die NRW-Liberalen bei der Landtagswahl aber starke 8,6 Prozent. Der 34-Jährige ist in den eigenen Reihen nicht unumstritten. Gegen Lindner traten zwei wenig bekannte Kandidaten an: Jörg Behlen und Götz Galuba.

Rösler und Brüderle selbstkritisch

In seiner letzten Rede als FDP-Chef hat Philipp Rösler die Verantwortung für das Scheitern der Liberalen bei der Bundestagswahl übernommen. "Mir ist es nicht gelungen, ein starkes Team zu bilden und unsere Partei zu motivieren", sagte Rösler auf dem Sonderparteitag in Berlin. "Das tut mir am meisten weh."

Der FDP-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl, Rainer Brüderle, äußerte sich ähnlich selbstkritisch. "Ich konnte meinen Auftrag bei der Bundestagswahl nicht erfüllen", sagte der ehemalige Fraktionschef. Während der schwarz-gelben Koalition habe seine Partei viele Fehler gemacht.

Die 600 Delegierten treffen sich in Berlin, um die verheerende Niederlage der FDP bei der Bundestagswahl aufzuarbeiten. Mit 4,8 Prozent hatten die Liberalen erstmals in ihrer Geschichte den Einzug ins Parlament verpasst.

vek/dpa
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