Corona-Langzeitfolgen FDP und Linke fordern Ausbau der Forschung zu Long Covid

Bislang ist nur wenig über die Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung bekannt. FDP und Linke wollen das ändern – Letztere drängt sogar auf eine Anerkennung der Langzeitfolgen als Berufskrankheit.
Nach einer Covid-19-Erkrankung wird die Lungenfunktion eines Patienten gemessen

Nach einer Covid-19-Erkrankung wird die Lungenfunktion eines Patienten gemessen

Foto: Uwe Anspach / dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jeder zehnte Patient unter Spät- und Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung leidet – doch die Bundesregierung hat noch kaum einen Überblick, wie viele Menschen in Deutschland davon betroffen sind. Das ergab sich erst kürzlich aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünenfraktion im Bundestag.

Die Bundesregierung ist auf die Spätfolgen der Krankheit offenbar noch nicht vorbereitet – hat sie derzeit noch voll mit der Bekämpfung der Pandemie zu tun. Experten wie SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach warnen allerdings bereits davor, dass Patienten mit Langzeitbeschwerden ein Problem sein werden, das die Gesellschaft noch lange beschäftigen könnte. Die aktuell steigenden Fallzahlen könnten außerdem zu ebenfalls steigenden Zahlen von Long-Covid-Betroffenen führen.

Linke fordert Anerkennung von Long-Covid als Berufskrankheit

Auch die Opposition im Bundestag will nun die Forschung zu der Erkrankung verbessern. So haben Linke und FDP Anträge eingereicht, die am Donnerstag im Bundestag beraten werden sollen. Die Linke fordert mit ihrem Antrag »Long Covid – Forschung ausbauen und Versorgungsangebote verbessern«, der dem SPIEGEL vorliegt, vor allem Long-Covid als Berufskrankheit bestimmter Beschäftigter anzuerkennen und die Versorgung Betroffener sicherzustellen. Gemeint sind damit etwa Busfahrerinnen und Busfahrer sowie Kassiererinnen und Kassierer. Die Belange der Betroffenen sollten zentral auf Bundesebene koordiniert und die Forschungsförderung aufgestockt werden.

Die FDP appelliert in ihrem Antrag an den Bundestag, der dem SPIEGEL vorliegt, spezielle Behandlungszentren für die Symptome einzurichten. Die Fraktion pocht außerdem darauf, »gemeinsam mit den Bundesländern ein Long-Covid-Register zu entwickeln, das die Fälle Long-Covid systematisch erfasst und analysiert.« Die gesundheitlichen Folgen seien derzeit noch nicht umfassend beschrieben. Das liege »einerseits an der Neuartigkeit des Krankheitsbildes und andererseits an fehlenden Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.« Zudem sollten Forschungsstudien dauerhaft mit Geldern gefördert werden.

»Schon jetzt sind Spätfolgen nach einer Corona-Erkrankung ersichtlich und gegenwärtig. Die Bundesregierung muss jetzt vorausschauend handeln und nicht immer erst, wenn es zu spät ist«, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP, Christine Aschenberg-Dugnus dem SPIEGEL. »Wir fordern einen flächendeckenden Aufbau von ambulanten und stationären Long-Covid-Behandlungszentren.« Die Bürgerinnen und Bürger hätten nicht nur während, sondern auch nach einer Covid-19 Erkrankung Anspruch auf eine bestmögliche gesundheitliche Versorgung. »Wir müssen handeln und dürfen nicht zögern«, fordert die FDP.

Die Langzeitfolgen der Erkrankung können sehr verschieden sein: Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schlappheit, Haarausfall, Konzentrationsstörungen, Kurzatmigkeit, neurologische Probleme oder die sogenannte Fatigue (Erschöpfungssyndrom) gehören zu den Merkmalen, die am häufigsten auftreten.

Die meisten Betroffenen berichten davon, unter mehreren dieser Symptome zu leiden. In vielen deutschen Großstädten wurden auf Initiative von Kliniken bereits Long-Covid-Ambulanzen  eingerichtet, an die sich Betroffene richten können. Bislang wird Long Covid allerdings noch nicht vom Robert Koch-Institut (RKI) regulär im Meldesystem erfasst.

mfh