FDP-Wahlkampf Das Erbe des "Guidomobils"

Im Wahlkampf setzen die Liberalen auf Seriosität. Ausgeflippte Aktionen sind von gestern, bloß kein Spaß mehr, scheint das neue Motto zu sein. Selbst der Einsatz eines Wahlkampf-Busses wird da zur ernsten Frage.
Von Kerstin Jansen

Hamburg - Die Parteien machen mobil, nur die FDP zögert noch. Der Spitzenkandidat der Grünen, Joschka Fischer, startete am Montag mit einem riesigen, grasgrün lackierten Bus zu einer Wahlkampftour durch Deutschland. CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger fuhr vergangene Woche mit dem CDU-Sommertour-Bus ins Allgäu und auch bei der SPD sind mehrere Wahlkampf-Busse im Einsatz. Nur die FDP hält sich in diesem Punkt bedeckt. Steigt Spitzenkandidat Guido Westerwelle noch einmal in einen Bus? Schließlich hatte er mit seinem "Guidomobil" im Wahlkampf 2002 gleichermaßen für Aufsehen und Kopfschütteln gesorgt.

Ob Westerwelle überhaupt einen Wahlkampfbus benutzen soll, war bis zuletzt umstritten. Nun bestätigte FDP-Sprecher Robert von Rimscha SPIEGEL ONLINE, dass ein Bus zum Einsatz kommen soll. Wie der genau aussehen soll, darauf will von Rimscha sich aber nicht festlegen.

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Guidomobil: Mit dem Guidomobil auf Wahlkampftour

Foto: DDP

Der Spitzenkandidat steckt in einem Dilemma: Die aktuelle Wahl-Kampagne setzt auf Seriosität, aber die Bilder des überzogenen Spaß-Wahlkampfes von 2002 sind noch immer präsent. Damals wollte Westerwelle der FDP neue, junge Wählerschichten erschließen. Er brauste mit dem knall-gelben Gefährt durch Deutschland, einem 11,5 Meter langen, umgebauten Wohnwagen. Zwischendurch machte er Halt im Big-Brother-Container, ein anderes Mal stoppt er für eine Partie Beach-Volleyball am Strand. Jürgen Möllemanns "Projekt 18" wurde zu seinem eigenen, die "18" unter Westerwelle Schuhsohlen legendär. Bei den Wahlen allerdings kam die FDP 2002 dann allerdings nur auf klägliche 7,4 Prozent.

In den aktuellen Meinungsumfragen liegen die Liberalen zurzeit bei sechs bis acht Prozent. Viele FDP-Anhänger lasten diese Zahlen Westerwelle an. Nach einer Umfrage von Infratest dimap für die "Welt" glauben 55 Prozent der FDP-Wähler, dass die Partei mit einem anderen Vorsitzenden höhere Wahlchancen hätte. Außerdem halten die meisten Befragten die Partei noch immer für elitär und zu wenig sozial.

Die Fehler des letzten Wahlkampfs wollen die Liberalen dieses Mal vermeiden. Die aktuellen Wahlplakate zeigen einen ernsten Parteivorsitzenden und den Slogan "Mehr FDP, mehr Mut". Dabei wirkt der 43-Jährige eher eingeschüchtert. Vor drei Jahren hatte er auf den Plakaten noch gelacht. Auch mit Fernseh-Auftritten hielt Westerwelle sich bisher auffallend zurück.

Die heiße Phase des Wahlkampfs beginne erst am 22. August, sagt FDP-Sprecher von Rimscha. Bis zur Wahl werde der Parteivorsitzende noch mehr als 150 Auftritte bestreiten. Unter den Veranstaltungen, die er auflistet, sind keine Besuche bei "Big Brother" - und auch das "Guidomobil" sei mittlerweile verkauft.

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