Fehleranalyse bei der CSU Ramsauer nennt Stoiber-Schelte Unfug

Und sie zerfleischen sich weiter: Die geschassten CSU-Spitzen Huber und Beckstein halten Ex-Ministerpräsident Stoiber für den Schuldigen am Wahldebakel - und prompt kommt der Rüffel aus Berlin: Landesgruppenchef Ramsauer bezeichnete die Schelte als vollkommen unsinnig.


München - Wer nur ist schuld am Wahlfiasko der CSU in Bayern? Parteichef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein haben die Konsequenzen bereits gezogen und treten ab. Als alleiniges Schuldeingeständnis allerdings wollen die beiden das nicht verstanden haben und reichen nach: Amtsvorgänger Edmund Stoiber ist zumindest auch schuld.

CSU-Politiker Ramsauer, Huber: "Schuldzuweisungen haben keinen Sinn"
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CSU-Politiker Ramsauer, Huber: "Schuldzuweisungen haben keinen Sinn"

Solcherlei Schuldzuweisungen kommen nicht überall gut an - im Gegenteil. Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, reagierte säuerlich. "Ich bin etwas überrascht, dass jetzt diese Art von Analyse abgegeben wird", sagte er. "Irgendwelche Schuldzuweisungen haben jetzt überhaupt keinen Sinn." Zurückzublicken sei "Unfug in einer solchen Situation", sagte er. "Natürlich müssen wir eine vernünftige Wahlanalyse machen. Nur eines bringt uns wirklich nach vorne: der Blick nach vorne", betonte Ramsauer.

Zudem sprach sich Ramsauer für den Verbleib von Horst Seehofer in Berlin aus. "Es gibt eine uralte Regel in der CSU, dass der Parteivorsitzende in der Hauptstadt ist", sagte Ramsauer am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin". Das wäre die Konstellation, die sich aus der Geschichte und den Grundregeln der Partei ergebe, erklärte er. Selbstverständlich könne es Abweichungen geben, aber ihm sei wichtig, "dass wir als Landesgruppe in Berlin ein Hort der Stabilität sind, kalkulierbar mit klarem Kurs". Der letzte CSU-Chef in der Hauptstadt war bis Ende der neunziger Jahre der damalige Bundesfinanzminister Theo Waigel. Seine Nachfolger als Parteivorsitzende, Edmund Stoiber und Erwin Huber, blieben in München.

Ähnlich äußerte sich Landesgruppen-Geschäftsführer Hartmut Koschyk im Deutschlandfunk. "Keiner verkörpert gerade den bundespolitischen Anspruch der CSU besser als Horst Seehofer", sagte Koschyk. "Er könnte von Berlin aus als Bundesminister zur Profilschärfung der CSU hervorragend beitragen." Die Entscheidung darüber, wer für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten aufgestellt werden solle, liege aber bei der Münchner Landtagsfraktion.

Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Ingo Friedrich vermied dagegen eine Festlegung, ob Ministerpräsident und Parteivorsitz von einer einzigen Person ausgeübt werden sollten. "Es kommt auch auf die personelle Konstellation an, wie sich die betroffenen Persönlichkeiten verstehen", sagte Friedrich dem Bayerischen Rundfunk. "Wir haben in der Geschichte der CSU Beispiele für den Erfolg beider Konstellationen."

Außer Seehofer bewerben sich um die Kandidatur als bayerischer Ministerpräsident auch Landesinnenminister Joachim Herrmann, der bisherige Landtagsfraktionschef Georg Schmid und Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel.

Schmid selbst sieht keinen Machtkampf um das Amt des Ministerpräsidenten. "Das ist ein guter demokratischer Prozess", sagte er am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin". Es gehe in den nächsten Tagen darum, "dass wir gemeinsam die beste Lösung suchen".

ffr/AP/Reuters/dpa

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mbberlin, 30.09.2008
1.
Viel Auswahl bleibt ja sonst nicht und einer muss es ja machen. Immerhin hat Seehofer in Bayern anscheinend keinen besonderen Ruf, den er noch irgendwie großartig verspielen könnte. Das ist doch ein klarer USP! :-)
Balu2 30.09.2008
2. Ist Seehofer der richtige Mann für die CSU
Zitat von sysop13 Monate war er im Amt - jetzt tritt Erwin Huber als CSU-Chef zurück. Er werde auf dem Sonderparteitag Ende Oktober sein Amt zur Verfügung stellen, sagte Huber auf einer Pressekonferenz. Bundesminister Horst Seehofer ist bereit, sein Nachfolger zu werden. Ist Seehofer der richtige Mann für die CSU-Spitze?
Die Südzucker wird schon genug Öffentlichkeitsarbeit leisten um Seehofer zu stärken.
Heidelerche, 30.09.2008
3.
Wozu braucht man eine CSU-Spitze? Soll die CDU die aufmüpfige "Schwsterpartei" doch integrieren. Hier in S-H oder in NRW gibt es ja auch keine Extrawürste!
Wabalu, 30.09.2008
4. Seehofer hätte gleich Parteichef werden sollen!
Das Schwergewicht im physischen und psychischen Sinne wird trotz seiner Einzelgängerattitüten zunächst einmal Ruhe in die CSU tragen. Er sitzt in Berlin am Kabinettstisch. Er steht für das S in der CSU. Viele sagen ja, Seehofer könnte auch in der SPD reüsieren. In der Bundespolitik mischt er seit 92 mit. Trotz Herzinfarkt und Schlammschlacht gegen ihn glaube ich, dass er jetzt der richtige Mann ist. Allerdings ist es immer wieder traurig ansehen zu müssen, dass die Personaldecke hinsichtlich jüngerer Kräfte für Spitzenpositionen in den Parteien so dünn ist.
Balu2 30.09.2008
5. Er steht für das S in der CSU
Zitat von WabaluDas Schwergewicht im physischen und psychischen Sinne wird trotz seiner Einzelgängerattitüten zunächst einmal Ruhe in die CSU tragen. Er sitzt in Berlin am Kabinettstisch. Er steht für das S in der CSU. Viele sagen ja, Seehofer könnte auch in der SPD reüsieren. In der Bundespolitik mischt er seit 92 mit. Trotz Herzinfarkt und Schlammschlacht gegen ihn glaube ich, dass er jetzt der richtige Mann ist. Allerdings ist es immer wieder traurig ansehen zu müssen, dass die Personaldecke hinsichtlich jüngerer Kräfte für Spitzenpositionen in den Parteien so dünn ist.
Wenn sie das .S. meinen wofür er steht können sie es auch ausschreiben.SÜDZUCKER
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