Fest für Altkanzler Der Wohlfühl-Schröder

50 Jahre ist Gerhard Schröder SPD-Mitglied, dafür ehrten ihn am Samstag die Genossen. Bei der Gelegenheit hätte vom "Basta"-Altkanzler ein letztes Einpeitschen für den Wahlkampf-Endspurt ausgehen können. Fehlanzeige: Es blieb ein Wohlfühl-Fest.

Altkanzler Gerhard Schröder und Parteichef Sigmar Gabriel: "leidenschaftlicher Kämpfer"
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Altkanzler Gerhard Schröder und Parteichef Sigmar Gabriel: "leidenschaftlicher Kämpfer"


Am Ende kam Sigmar Gabriel noch mit einer Geschichte, die den Abend auf den Punkt brachte. Die Genossen in Wennigsen in Niedersachsen hatten da schon den Sektempfang, den Auftritt des Mädchenchors und mehrere Reden hinter sich. Und dann noch eine Anekdote, also los: Als Gerhard Schröder 1999 zum Vorsitzenden der SPD gewählt worden war, erzählte Gabriel, sei der Kanzler einen Gang im Willy-Brandt-Haus herunter marschiert. Links und rechts die Ahnengalerie der Partei, August Bebel, Otto Wels. "Irgendwann", soll Schröder gesagt haben, "hänge ich da auch." Gelächter, Applaus.

Wenn man so will, hängt er da jetzt schon. Die SPD hat Schröder am Samstag einen Rahmen verpasst. Da feierten rund 300 Genossen 50 Jahre Gerhard Schröder in der SPD. Um "den Gerd" hochleben zulassen, waren sie gekommen, unter anderem Parteichef Sigmar Gabriel, Ministerpräsident Stephan Weil und Brigitte Zypries aus Steinbrücks Kompetenzteam.

Eine Woche vor der Bundestagswahl hätte da vom "Basta-Schröder" ein Signal ausgehen können für den Wahlkampf-Endspurt. Ein letztes Einpeitschen. Stattdessen: Ein Wohlfühl-Fest unter Sozis.

Dabei lag die Kampfansage so nah. "Niemand", sagte Stephan Weil in seiner Rede auf Schröder, "war ein so leidenschaftlicher Kämpfer wie der Gerd, gerade im Wahlkampf, ich erinnere an 2005". Und Schröder erinnerte sich in seiner Dankesrede gern: Wie er da, als der Wahlkampf schon verloren schien, zu Hause auf der Couch lag. Fast so mies wie Peer Steinbrück habe er sich behandelt gefühlt - die Medien unfair, die eigene Partei illoyal. "Dann kam Doris, meine Frau: Hör auf zu jammern. Wenn du den Arsch nicht hochkriegst, wie willst du die anderen mitreißen?" Also legte er eine fulminante Aufholjagd hin, so sehen sie es hier. Dass es am Ende nur für die Große Koalition reichte? Naja, geschenkt.

Kuschelkurs aus weiser Voraussicht?

Peer Steinbrück zu Hause wie Schröder jammernd auf der Couch, es ist leicht vorstellbar. Aber statt Steinbrück und den Genossen Mut zuzusprechen, erzählte Schröder in Wennigsen lieber aus der guten alten Zeit. Sein Redemanuskript ließ er stecken: "So schön habe ich mir diese Ehrung gar nicht vorgestellt." Die vorbereitete Rede wäre nicht gerade kämpferisch gewesen. Aber immerhin, einige Angriffe auf Merkel hatte er reingeschrieben.

Stattdessen eine Musterpackung guter Laune. Vielleicht aus weiser Voraussicht: Schon am Sonntag könnte es mit der fröhlichen Stimmung vorbei sein. Da ist Landtagswahl in Bayern. Eine Woche später kommen Hessen und die Bundestagswahl, keine rosigen Aussichten für Sozialdemokraten in diesen Zeiten.

"Brandstifter und Feuerlöscher zugleich"

Warum also nach vorn schauen, wenn es zusammen mit Schröders SPD-Geburtstag auch noch 150 Jahre Sozialdemokratie zu feiern gibt? Selbst Gabriel lobte Schröder überschwänglich. Und das, obwohl die beiden nicht immer die engsten Parteifreunde waren. Die Wege Schröders und Gabriels hatten sich im Laufe ihrer politischen Karrieren immer wieder gekreuzt. Und sie waren dabei oft genug frontal gegeneinander gekracht.

Der 15 Jahre jüngere Gabriel bekam sein erstes Landtagsmandat 1990, sein Chef damals: Schröder. Als Schröder dann 1998 Kanzler wurde, übernahm Gabriel mit kurzer Verzögerung dessen Ministerpräsidentenamt. Schnell gerieten die beiden aneinander. Gabriel sei ein "Brandstifter und Feuerlöscher zugleich", sagte Schröder damals. Und Gabriel reagierte: "Man muss nicht zwangsläufig zum Schweinehund mutieren, wenn man nur lange genug in der Politik ist."

Auch zuletzt hatte Gabriel den Altkanzler im SPIEGEL für seine Euro-Politik kritisiert. Dafür, dass er Griechenland in die Währungsunion eingegliedert hatte. Das Land, sagte Gabriel, hätte nie in die aufgenommen werden dürfen, das sei "sicher falsch gewesen".

Nach Wennigsen gehörte das nicht. Vor allem im Wahlkampf, sagte Gabriel, habe sich die Sozialdemokratie immer auf Schröder verlassen können. Kein Querschuss sei je von ihm gekommen, keine Kritik gegen einen SPD-Kandidaten. Dass Gabriel das über sich selbst kaum hätte sagen können, dass er seinem Genossen Steinbrück im Wahlkampf oft genug in die Parade gefahren ist, blieb natürlich unerwähnt. Und dass ein Klartext-Schröder den Sozialdemokraten im Wahlkampf mehr helfen würde als ein Wohlfühl-Schröder.

insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
balticskipper 14.09.2013
1. irgendwann häng ich da auch
gute Idee, angesichts seiner Taten....
kas075 14.09.2013
2. Schande
.Schröder ist Freund eines Massenmörders und im Aufsichtsrat eines Konzerns der einer Diktatur gehört und somit eine Schande für jede! demokratische Partei. Ehrt doch gleich Putin und Assad!
jenstw 14.09.2013
3. optional
Das Ziel heißt "Große Koalition".
timepiece123 15.09.2013
4. Über Gerhard Schröder schreibt man:
Nichts.
Dengar 15.09.2013
5. Ächz, kotz, würg...halt, halt...
Das ist Erikativ! Erlaubt, Nettikettengerecht und durchaus angebracht. Ihr Schreiberling ist wohl zu einer Zeit zur Welt gekommen, als Schröder noch dementieren musste, seine Haare zu färben. Spricht nicht für Sie.
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