Wahlrecht für Minderjährige "Auch eine Elfjährige hat eine Meinung"

15 Kinder und Jugendliche wollen die Altersgrenze bei Wahlen abschaffen - und legen Beschwerde am Bundesverfassungsgericht ein. Der 16-jährige Felix Finkbeiner erklärt, warum Parteien mehr für den Nachwuchs tun sollten.
Polit-Aktivist Finkbeiner (16): "Davon haben alle etwas"

Polit-Aktivist Finkbeiner (16): "Davon haben alle etwas"

Foto: Plant for the Planet
Zur Person
Foto: Plant for the Planet

Felix Finkbeiner, 16, gründete mit neun Jahren die Umweltschutzkampagne Plant for the Planet. Jetzt engagiert er sich als Polit-Aktivist. Zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen will Finkbeiner vor dem Verfassungsgericht durchsetzen, dass das Wahlalter in Deutschland herabgesetzt wird. Karlsruhe prüft die Beschwerde.

SPIEGEL ONLINE: Gemeinsam mit 14 anderen Kindern und Jugendlichen möchtest du das Mindestwahlalter aushebeln. Ihr habt beim Verfassungsgericht in Karlsruhe Beschwerde gegen die letzte Bundestagswahl eingelegt. Warum wartet ihr nicht einfach ein paar Jahre, bis ihr auch wählen dürft?

Finkbeiner: Uns geht es darum, dass viele Kinder und Jugendliche politische Ansichten haben und sich mit ihrer Stimme beteiligen wollen. Für sie wollen wir ein Wahlrecht. Uns schwebt eine niedrige Altersgrenze vor, bei der man offiziell zur Wahl gebeten wird, vielleicht 16 oder 14. Aber auch ein jüngerer Jugendlicher oder ein Kind soll die Möglichkeit bekommen, sich ins Wählerverzeichnis eintragen zu lassen.

SPIEGEL ONLINE: Eine Elfjährige würde also nicht ihre Eltern stellvertretend wählen lassen, sondern selbst in die Wahlkabine gehen?

Finkbeiner: Genau, denn auch eine Elfjährige hat eine Meinung. In unserer Vorstellung kann sie zum Rathaus gehen und sich registrieren lassen. Am Wahltag macht sie dann wie alle anderen ihr Kreuz.

SPIEGEL ONLINE: Beginnt der Ernst des Lebens nicht früh genug?

Finkbeiner: Klimaschutz, Generationengerechtigkeit oder Bildung interessieren auch den Nachwuchs. Wir glauben, dass die Parteien die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mehr berücksichtigen würden, wenn diese Zielgruppe direkten Einfluss auf das Wahlergebnis nimmt. Davon haben am Ende alle etwas.

SPIEGEL ONLINE: Jüngere Menschen gehen viel seltener zur Wahl als die 60-Plus-Generation . Vielleicht will der Nachwuchs noch gar nicht so viel Verantwortung?

Finkbeiner: Es geht uns ja nicht um eine Wahlpflicht, sondern um ein erweitertes Wahlrecht. In Zeiten sinkender Wahlbeteiligung sollte jede Möglichkeit ausgeschöpft werden. Auf kommunaler Ebene ist Wählen ab 16 schon jetzt möglich. Es gibt keinen Grund, warum das auf Bundesebene nicht funktionieren soll.

SPIEGEL ONLINE: Die großen Parteien versuchen eine ganze Menge, um die Jugend zu umwerben. Fühlst du dich davon angesprochen?

Finkbeiner: Nein, nicht wirklich. Ein Milliardengeschenk an die Rentner, das wir Jungen schultern müssen, spricht wohl mehr die älteren Wähler an. Im Moment könnte ich auch nicht sagen, welche Partei mich politisch überzeugt. Aber das könnte sich ändern, wenn die Politik Jugendliche ernster nehmen würde.

SPIEGEL ONLINE: Ihr präsentiert eure Wahlbeschwerde in Berlin - genau dann, wenn nebenan die Nationalmannschaft vor dem Brandenburger Tor gefeiert wird. Wärst du nicht lieber auf der Fanmeile?

Finkbeiner: Als wir die Klage einreichten, war uns nicht klar, dass Deutschland Weltmeister wird. Vielleicht schaue ich später auf der Fanmeile vorbei.

Die Fragen stellte Annett Meiritz
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