Sturz aus russischem Botschaftskomplex in Berlin Behörden halten Mord im Geheimdienstmilieu für unwahrscheinlich

Im Oktober starb ein mutmaßlicher russischer Geheimdienstmitarbeiter bei einem Sturz aus einem Wohngebäude der Botschaft. Nach SPIEGEL-Informationen gehen die deutschen Ermittler nicht von einem Tötungsdelikt aus.
Russische Botschaft in Berlin (Archivfoto)

Russische Botschaft in Berlin (Archivfoto)

Foto: Bernd von Jutrczenka / picture alliance/dpa

Im ungeklärten Todesfall eines mutmaßlichen russischen Agenten, der nach einem Sturz aus einem Botschaftsgebäude in Berlin gestorben war, gehen die deutschen Behörden nach SPIEGEL-Informationen nicht von einem Mord im Geheimdienstmilieu aus. Laut Sicherheitskreisen deuteten die bekannten Indizien vielmehr auf einen Suizid hin.

Der 35-jährige Russe, offiziell als Botschaftssekretär der russischen Vertretung akkreditiert, war am frühen Morgen des 19. Oktober von einer Polizeistreife schwer verletzt auf einem Gehweg in Berlin-Mitte entdeckt worden. Nach intensiven Reanimationsversuchen wurde er um 8.10 Uhr für tot erklärt. Seine Ehefrau soll den Polizisten berichtet haben, sie habe ihren Mann zuvor in ihrer zum Botschaftskomplex gehörenden Wohnung gebeten, wegen des Straßenlärms ein Fenster zu schließen. Als sie kurz darauf zurück ins Zimmer gekommen sei, habe er auf dem Gehweg gelegen.

Bei den Rettungsversuchen konnten nach SPIEGEL-Informationen keine sichtbaren Anzeichen festgestellt werden, die auf eine Fremdeinwirkung hindeuten würden. Ein reguläres Todesermittlungsverfahren gab es allerdings nicht, da die russische Botschaft eine Obduktion ablehnte und auf eine rasche Überführung des Toten nach Russland bestand. Folglich blieben auch eine Untersuchung der Wohnung oder Tests auf Gift oder Drogen aus.

Deutsche Sicherheitsbehörden rechnen den Verstorbenen dem russischen Geheimdienst SWR zu. In einem Statement hatte die russische Botschaft den Tod als »tragischen Unfall« bezeichnet. Spekulationen, er sei ein russischer Spion gewesen, seien »absolut falsch«.

fis/mgb/srö/wow
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