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28. August 2009, 14:36 Uhr

Festgenommener Kadir T.

Der Nachtsichtgerät-Lieferant aus der Grillgruppe

Von Yassin Musharbash

Er war ein Freund von Adem Yilmaz, einem der Angeklagten der Sauerland-Gruppe. Er besorgte ein Fernglas und ein Nachtsichtgerät, die später bei der "Islamischen Dschihad-Union" landeten. Nun wollte der Deutsch-Türke Kadir T. anscheinend selbst ins Terrorcamp - und wurde festgenommen.

Berlin - Grillen, Reden, Beten: In der Gartenlaube der Familie Yilmaz im hessischen Langen versammelte sich an den Wochenenden des Frühsommers 2007 immer wieder eine Gruppe von Freunden und Bekannten der Yilmaz-Söhne Adem und Burhan.

Doch was nach Idylle und Frömmigkeit aussah, war für einige Mitglieder der Runde wohl der Anfang vom Abschied in den Extremismus. Betrachtet man die Liste der regelmäßigen Gäste heute, erscheint sie wie ein Who-is-Who der deutschen Terrorszene: Sadullah Kaplan starb im Herbst 2007 in Afghanistan im Gefecht in den Reihen der Terrororganisation "Islamische Dschihad-Union" (IJU). Adem Yilmaz steht seit April dieses Jahres in Düsseldorf vor Gericht, weil er sich, wie er mittlerweile gestanden hat, der IJU in Waziristan angeschlossen hatte und dann mit seinen Mitstreitern von der "Sauerland-Gruppe" in ihrem Namen Anschläge in Deutschland plante. Die Brüder Hüseyin und Bekir Ö. wurden später mutmaßlich auf dem Weg ins Ausbildungslager der IJU festgenommen.

Und nun sitzt ein weiterer Griller im Gefängnis: Der 24-jährige Deutsch-Türke Kadir T. wurde am Mittwoch in Langen von Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) festgenommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, "eine ausländische terroristische Vereinigung unterstützt und dabei gegen das Außenwirtschaftsgesetz verstoßen zu haben".

Yilmaz beteuert T.s Unkenntnis

Wieder geht es dabei um die IJU. Denn T. wird zur Last gelegt, im Juni 2007 per Ebay eine Digitalkamera und ein Nachtsichtgerät erstanden zu haben. Er soll dies auf Wunsch von Adem Yilmaz getan haben, der dann, über seinen Bruder Burhan, die Gerätschaften Sadullah Kaplan zukommen ließ, der sie wiederum im Spätsommer 2007 an die IJU übergeben haben soll.

Der grundsätzliche Vorgang kann dabei als bereits bestätigt gelten. T. selbst gab den Kauf zu, als er im September 2007 vernommen wurde - noch am selben Tag, an dem Yilmaz und seine Mitverschwörer Fritz Gelowicz und Daniel Schneider im sauerländischen Medebach-Oberschledorn festgenommen wurden. Mittlerweile hat auch Yilmaz in seinen Aussagen gegenüber dem BKA bestätigt, dass er T. darum bat, die Sachen zu ersteigern. Er habe damals keinen Internetanschluss in der Wohnung gehabt, und wollte nicht immer ins Internetcafé laufen. 70 Euro habe das Fernglas gekostet, 130 das Nachtsichtgerät.

Auf dem Weg nach Waziristan gestoppt

Allerdings stritt T. bislang ab, gewusst zu haben, wofür die Technik gedacht war. Yilmaz interessiere sich eben für Militärisches, deshalb habe er nicht nachgefragt, gab er 2007 zu Protokoll.

Yilmaz stützt diese Version: Nie habe er T. eingeweiht, dass er damals bereits eine Terrorausbildung durchlaufen hatte, über Kontakte zur IJU verfügte und gemeinsame Bekannte von ihm selbst und T. ins IJU-Camp in Pakistan vermittelte. Yilmaz sagte dem BKA, er habe nie versucht, T. zu rekrutieren, schließlich sei der verheiratet und habe vor, nach seiner Ausbildung in einem Supermarkt dort anzufangen.

Die Behörden fanden 2007 keinen Beweis für eine Einbeziehung T.s in Rekrutierungen oder Anschlagsplanungen. Nun aber gab es doch einen Haftbefehl. Ein möglicher Grund, der sich aufdrängt: Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" war T. gerade dabei , sich selbst ins Ausland abzusetzen, mutmaßlich wohl ebenfalls zur IJU.

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