Fethullah Gülen Türkei fordert Unterstützung vom BND

Knallhart verfolgt der türkische Präsident Erdogan seit dem Putschversuch Anhänger des Islam-Predigers Fethullah Gülen. Nach SPIEGEL-Informationen will Ankara, dass auch der BND bei der Jagd hilft.
Fethullah Gulen

Fethullah Gulen

Foto: Selahattin Sevi/ dpa

Der türkische Geheimdienst Milli Istihbarat Teskilati (MIT) hat den Bundesnachrichtendienst (BND) aufgefordert, die Türkei im Kampf gegen die Gemeinde des Islam-Predigers Fethullah Gülen zu unterstützen. Das geht aus geheimen Dokumenten hervor, die der SPIEGEL einsehen konnte. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Laut MIT flohen etliche Gülen-Anhänger ins Ausland. Der BND solle auf Entscheidungsträger und Gesetzgeber in Deutschland einwirken, gegen die Anhänger vorzugehen und diese auszuliefern, verlangt der türkische Dienst.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigt Gülen, den Militäraufstand vom 15. Juli orchestriert zu haben. Seine Regierung versucht nun, Deutschland für einen harten Kurs gegen die Gemeinde zu gewinnen. 40 Fahndungs- und drei Auslieferungsersuchen schickten die türkischen Behörden seit dem Putschversuch an die Bundesregierung.

Der Gesandte der türkischen Botschaft in Berlin, Ufuk Gezer, warnte im Auswärtigen Amt zuletzt mehrmals vor Gülen. In elf Bundesländern, darunter Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen traten Diplomaten an die Landesregierungen heran, um für ein gemeinsames Vorgehen zu werben. Alle lehnten jedoch die Forderung ab, die Gülen-Bewegung vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen.

In den vergangenen Wochen waren in mehreren deutschen Städten Anhänger Erdogans und der Gülen-Bewegung aneinandergeraten. Seit Mitte Juli verzeichnete alleine das nordrhein-westfälische Innenministerium 65 Fälle von Drohungen, Boykottaufrufen und Gewalt gegen vermeintliche Gülen-Unterstützer. "Es ist inakzeptabel, wenn die Verwerfungen in der Türkei sich in Gewalt auf unseren Straßen entladen", sagt NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD).

Weiter Ärger um Türkei-Analyse des BND

Der Streit um das Türkei-Papier aus dem Bundesinnenministerium schwelt unterdessen weiter. In der Antwort auf eine Anfrage der Linken zur türkischen Außenpolitik hatte das Ressort von Thomas de Maizière geschrieben: Unter Erdogan habe sich das Land "zur zentralen Aktionsplattform für islamistische Gruppierungen" entwickelt. Vertreter des Auswärtigen Amts kritisierten, von der Antwort aus der Presse erfahren zu haben. De Maizière verteidigte das Schreiben als "pointierte Darstellung" der Realität.

"Das Auswärtige Amt hat in den letzten Monaten kaum Gelegenheiten ausgelassen, im deutsch-türkischen Verhältnis Porzellan zu zerschlagen", heißt es nun in Regierungskreisen. "Dass es nun dem Innenministerium vorwirft, dieses Verhältnis zu beschädigen, ist verwunderlich." Es sei ein Fehler gewesen, kein Drama, findet sein Innenstaatssekretär Ole Schröder. Die BND-Erkenntnisse dürften jedenfalls "nicht einfach unterdrückt werden, wie sich das Auswärtige Amt das vorstellt".

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