Feuerwehrleute in Ludwigshafen "Wir haben uns nichts vorzuwerfen"

Die Ludwigshafener Feuerwehrleute wurden als Mörder beschimpft, geschlagen und bespuckt. Der Vorwurf: Sie seien zu langsam gewesen - dabei waren die Retter Minuten nach dem Notruf am Brandort. Jetzt kämpfen die Männer um ihren Ruf.

Ludwigshafen - Den verheerenden Großbrand haben sie zwar gelöscht, doch vom Alltag sind die Männer der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen noch immer weit entfernt. Sie leiden unter ihren Erinnerungen, den schrecklichen Bildern, die sie nicht vergessen können. Und als wäre das nicht genug, kämpfen sie nun zudem gegen die Vorwürfe, sie seien nicht schnell genug am Unglücksort gewesen. Auch der Brandoberinspektor Klaus Feuerbach muss um Fassung ringen, wenn er darauf angesprochen wird.

"Das ist ein Schlag ins Gesicht für uns", sagt der 37-Jährige, der am Sonntag als Einsatzleiter mit den ersten Feuerwehrmännern vor Ort war. "Jeder, der so etwas verbreitet, sollte sich schämen. Wir haben uns absolut nichts vorzuwerfen, sondern sehr gute Arbeit geleistet", sagt Feuerbach im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Seit dem Wochenende ist er fast ununterbrochen auf der Wache, unweit des Unglücksorts, und noch immer nicht "runtergekommen", wie er sagt. Das Feuer sei der schlimmste Wohnungsbrand seit 1945 gewesen. So schlimm, dass er bereits wenige Augenblicke vor dem Notruf den Rauch gerochen habe. "Wir waren dann in einer Minute vor Ort", so Feuerbach. Wegen des Faschingsumzuges stand er den ganzen Tag über in der Nähe des Eckhauses am Danziger Platz in Bereitschaft. "Die Menschen, so muss man das leider sagen, haben riesiges Glück gehabt."

Seinen Angaben zufolge ging der erste Notruf genau um "16.21 Uhr und 53 Sekunden" ein. Doch sei der stark betrunkene Anrufer kaum zu verstehen gewesen und habe deshalb sein Handy einem Polizisten übergeben, der die Feuerwehr dann über den Brand informierte. Sechs weitere Anrufe habe die Leitstelle noch erhalten, keiner jedoch sei aus dem brennenden Haus gekommen.

"Die Menschen schrien um ihr Leben"

"Es herrschte Panik, vollkommenes Chaos, die Menschen schrien um ihr Leben", erinnert sich der Brandoberinspektor an den Moment, als er an der Unglücksstelle eintraf. Die rund 30 Feuerwehrleute, die nach fünf Minuten vor Ort gewesen seien, hätten sich zunächst darauf konzentriert, die Menschen von den Balkonen zu evakuieren. Leitern seien angestellt und ein Rettungskorb eingesetzt worden. "Leben zu retten hat für uns immer höchste Priorität."

Die Vorwürfe und Angriffe treffen die ohnehin durch den schweren Einsatz belasteten Feuerwehrmänner auch deshalb so hart, weil sie um ihren "guten Ruf" fürchten, wie Feuerbach sagt. Jahrelang hätten sie auch in ihrer Freizeit humanitäre Hilfe bei Katastrophen überall in der Welt geleistet, "jetzt kommt einer daher, erzählt im Fernsehen diesen Unsinn, wir hätten uns Zeit gelassen, und alles ist kaputt". Feuerbachs Stimme zittert. Seine Kollegen seien als "Mörder" beschimpft, bespuckt und geschlagen worden. "Es ist unfassbar."

Nur eines macht ihm Mut: Viele Türken aus der Nachbarschaft hätten die Feuerwehrmänner mit Tee und Essen versorgt. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, verurteilte Übergriffe auf die Feuerwehr nach dem Brand. Auch der gerettete Kamil K., 28, dessen Frau und Kinder im Feuerhaus starben, bedankte sich gestern auf einer Pressekonferenz ausdrücklich bei den Einsatzkräften. Feuerbach hat das im Fernsehen verfolgt. "Solche Gesten gab es eben auch", sagt Feuerbach und lächelt. Er sieht erschöpft aus.

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