Filbinger-Eklat Zentralrat akzeptiert Oettingers Entschuldigung

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2. Teil: Die CDU windet sich zwischen Vergangenheit und Zukunft - zwischen Filbinger und Schwarz-Grün


Der 66-jährige Herrmann Vollmer sagt, Filbinger habe "für seine Sachen gebüßt". Er meint dessen Taten und Todesurteile als NS-Marinerichter. Heutige Kritik daran sei "unfair", denn Filbinger sei ja 1978 als Ministerpräsident zurückgetreten. Es sei deshalb ein Fehler Oettingers, Filbingers Vorgeschichte heraufbeschworen zu haben: "Er hätte das Thema ruhen lassen", in der Trauerrede die Zeit vor 1945 gar nicht erst ansprechen sollen.

Günther Oettinger hat, so glauben viele CDU-Mitglieder in Tübingen, vor allem deshalb einen Fehler gemacht, weil er Filbingers NS-Zeit wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit geholt hat – und nicht so sehr, weil er den Verstorbenen geschichtsklitternd geehrt hat. Filbingers Täterschaft erscheint gesühnt, die Verdienste als Ministerpräsident bleiben. Man hat das Denkmal Filbinger in Baden-Württemberg quasi luftdicht verpackt und isoliert gegen Debatten von außen. Schön zum Anschauen. Aber Oettinger hat es in die Gegenwart gezerrt und damit dem Verfall ausgesetzt. Dem wollen sich die Älteren hier verweigern: "Irgendwann hab' ich das Radio ausgemacht. Als ob es in der Republik kein wichtigeres Thema gäbe", sagt einer. Ein anderer zum Reporter: "Die Diskussion haben wir, die hat Oettinger beendet. Da ist Schluss. Sie können jetzt gehen."

Ohne die Filbinger-Hypothek vorwärts zu Schwarz-Grün

"Man sollte den Filbinger in Ruhe lassen", ist immer wieder zu hören. Und Oettinger? Dem habe die Kanzlerin "ja nun die Leviten gelesen, der hat eine mitbekommen, jetzt muss er eben aufpassen". So einfach ist das. Während die Posaunenbläser der Stadtkapelle Rottenburg jetzt den Evergreen "Lollipop" schmettern, windet sich die CDU zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Filbinger und Schwarz-Grün.

Denn die Grünen werden als Koalitionsoption der Zukunft gesehen. Gerade im liberalen Tübinger Universitätsklima ist die Annäherung weit fortgeschritten. Da kann Oettingers Rede mehr Schaden anrichten als etwa auf der konservativen Schwäbischen Alb. Und Tübingen hat in Boris Palmer einen grünen Oberbürgermeister, den die CDU im Wahlkampf unterstützt hat.

Palmer erscheint an diesem Abend auf dem CDU-Empfang. Klar, er ist der Oberbürgermeister. Aber der 34-Jährige ist in Baden-Württemberg auch einer der entschiedensten Vorkämpfer für Schwarz-Grün. Oettingers Rede habe "atmosphärisch tief greifende Irritationen" bei den Grünen verursacht: "Da ist bei Vielen etwas kaputt gegangen", sagt er. Eine CDU mit unklarem Verhältnis zum Nationalsozialismus sei nicht koalitionsfähig für seine Partei.

Dann aber nimmt Palmer Oettinger in Schutz: "Ich weiß, dass er nicht so denkt." Oettinger habe nur das gesagt, "was manche in der CDU denken". Insofern habe "der Falsche den Denkzettel bekommen". Für Palmer ist der als äußerst konservativ bekannte Stuttgarter CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Mappus das Problem: Der habe Oettinger "massiv unter Druck" gesetzt und also eigentlich den Denkzettel verdient.

Dagegen schaut der grüne Oberbürgermeister Palmer zufrieden über seine Tübinger CDU-Bürger: "Wissen Sie, die CDU hier ist kein Haufen Konservativer, das sind andere Debattenlagen bei uns." Es sei "leicht, sich auf diesem Empfang wohlzufühlen".

Und dann überträgt er das schwarz-grüne Szenario vom Kleinen aufs Große, isoliert Mappus und sagt: "Es wäre natürlich leichter, mit der CDU in Baden-Württemberg als mit der in Hessen zu koalieren."

Er meint: Wegen, nicht trotz Oettinger.

Mit Material von dpa und ddp



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