Finanzprobleme Merkel sieht keinen Grund zur Sorge

Unruhe ja, Sorge nein: Bundeskanzlerin Merkel gibt sich trotz der Kurseinbrüche an den Börsen optimistisch. In Deutschland seien auch in diesem Jahr alle Voraussetzungen für ein robustes Wachstum gegeben, sagte sie in ihrem Video-Podcast.


Hamburg - Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht keinen Grund zur Sorge - obwohl die Kurse an den Börsen zuletzt purzeln. "Die Turbulenzen an den internationalen Börsen haben viele Menschen in den letzten Tagen in Unruhe versetzt. Ich kann das gut verstehen, sage aber dennoch, dass für Pessimismus kein Anlass besteht", sagte die CDU-Politikerin in ihrem neuen Video-Podcast.

Das internationale Wirtschaftsumfeld habe sich eingetrübt, räumte Merkel ein. Aber in Deutschland seien auch in diesem Jahr alle Voraussetzungen für ein robustes Wachstum gegeben, auch wenn dieses geringer ausfalle als zuletzt. Viele Firmen hätten volle Auftragsbücher und die Arbeitslosigkeit werde weiter sinken.

Es gebe eine gute Chance, dass "die Realentwicklung der Löhne positiv sein wird", sagte die Kanzlerin. Sie fügte aber hinzu, dass "Augenmaß" bei den Tarifverhandlungen gefordert sei. Es gehe jetzt darum, Kurs zu halten bei den Bemühungen um einen stabilen Haushalt und um mehr Arbeitsplätze. Die CDU-Chefin warnte vor Experimenten, "die Arbeitsplätze in Gefahr bringen könnten".

"Die Lehre aus den Turbulenzen muss sein: Mehr Transparenz bei neuen Finanzinstrumenten." Dies sei auch einer der Gründe für das Treffen mit ihren den Regierungschefs aus Italien und Großbritannien sowie dem französischen Präsidenten am Dienstag in London.

DIHK fordert Konjunkturprogramm

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, forderte von der Bundesregierung unterdessen die Auflage eines Konjunkturprogramms. Braun plädierte in der "Wirtschaftswoche" für Erleichterungen bei der Einkommensteuer in Höhe von zwölf Milliarden Euro durch höhere Freibeträge und niedrigere Steuersätze. Eine solche Entlastung von Konsumenten und Unternehmen dürfte nach Brauns Ansicht zusätzlich mindestens ein halbes Prozent Wachstum bringen. Zugleich warnte er vor kräftigen Lohnsteigerungen bei den anstehenden Tarifverhandlungen, etwa in der Stahl- und Chemieindustrie.

FDP-Partei- und Fraktionschef Guido Westerwelle erklärte zu den Ausführungen Merkels: "Die Kanzlerin hat Recht: Pessimismus wäre falsch." Er warf der schwarz-roten Regierung aber Passivität vor. "Gerade jetzt muss Vorsorge gegen einen drohenden Abschwung getroffen werden." Westerwelle begrüßte die Pläne der CSU, "eine einfachere, niedrigere und gerechtere Besteuerung der Einkommen auszuarbeiten".

flo/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.