Finsterwalde Erneuter Eierwurf verfehlt den Kanzler

Auf Kanzler Schröder ist zum zweiten Mal in dieser Woche ein Ei geschleudert worden. Auch dieses Mal verfehlte der Wurf sein Ziel. Stattdessen konnte der Kanzler die Brandenburger mit Bier und Gesang gewinnen.


Kanzler Schröder in Finsterwalde: Fassanstich unter Polizeischutz
REUTERS

Kanzler Schröder in Finsterwalde: Fassanstich unter Polizeischutz

Finsterwalde - Es war sein zweiter Besuch in dieser Woche in Brandenburg. Fast trotzig hatte Gerhard Schröder nach dem letzten Eierwurf in Wittenberge an dem Termin festgehalten.

Zu Beginn des Sängerfestes war Schröder überwiegend zurückhaltend von den rund 3000 Besuchern begrüßt worden. "Wir werden gemeinsam daran arbeiten, dass unsere Probleme, die niemand leugnen kann, Schritt für Schritt mit aller Kraft gelöst werden", sagte Schröder. Aus den hinteren Reihen erklangen vereinzelt Pfiffe.

Mehrere Polizisten und ein fast zwei Meter hoher Gitterzaun schützen die Bühne, auf der Schröder ein Bierfass anstach. Zwar waren die Besucher des Sängerfestes auf Wurfgeschosse abgetastet worden - doch mindestens ein Ei war offensichtlich übersehen worden.

Polizeikontrolle für die Besucher: Vereinzelt Pfiffe und ein Ei
DPA

Polizeikontrolle für die Besucher: Vereinzelt Pfiffe und ein Ei

Wie schon zu Wochenbeginn in Wittenberge verfehlte es auch in Finsterwalde am Abend den Kanzler - traf stattdessen andere Besucher des Festes. Die Polizei nahm einen 17-Jährigen fest. Eine Polizeisprecherin sagte, der Jugendliche werde nach Feststellung der Personalien seinen Eltern übergeben.

Schließlich gelang es Schröder doch noch, die durch die Hartz-Reformen aufgebrachten Menschen für sich einzunehmen: Nach erfolgreichem Fassanstich trank der Bundeskanzler sein Glas in einem Zug aus und stimmte mit in die Hymne der Stadt ein: "Wir sind die Sänger von Finsterwalde, wir leben und sterben für den Gesang!" Auf dem Platz sangen junge und alte Menschen laut mit.

Meldungen, wonach wegen des Eiwurfs ein Stadtrundgang des Kanzlers abgesagt wurde, dementierte die Bundesregierung. Ein Rundgang sei gar nicht geplant gewesen, sagte ein Sprecher. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, der Schröder begleitete, erklärte, es dürfe nicht denjenigen das Feld überlassen werden, die die Bürger verunsichern wollten.

Neben der Bühne folgten noch ein paar kurze Stellungnahmen. "Hier ist deutlich geworden, dass wir die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nehmen", sagte Schröder.

Unterdessen verurteilte das Amtsgericht Mannheim den 52-jährigen Jens Ammoser zu fünf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Ammoser hatte Schröder am 18. Mai auf einer SPD-Veranstaltung geohrfeigt. Die Anklage hatte eine sechsmonatige Bewährungsstrafe gefordert. Richter Wolfgang Winkler bezeichnete die Tat als "hinterhältig" und nannte den Angeklagten einen "Wirrkopf". Ammoser wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung verurteilt. Er kündigte an, dass er seine Tat nicht wiederholen werde. Der gelernte Lehrer, der seit 1995 arbeitslos ist, hatte für sich "Freispruch wegen Lächerlichkeit" beantragt.



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