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First Ladies: Gutes tun als Vollzeit-Job

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

First Lady Bettina Wulff Lächeln für Deutschland

Hände schütteln, Small Talk, Dauerlächeln: Bundespräsidentengattin Bettina Wulff stürzt sich mit Leidenschaft in ihre neue Aufgabe. Als First Lady wird sie sich künftig vor allem wohltätigen Dingen widmen. Nun sucht sie ein konkretes eigenes Projekt - wem darf, wem muss geholfen werden?

Berlin - Es war ein kurzer Abschied: In Burgwedel bei Hannover feierte First Lady Bettina Wulff in der vergangenen Woche ihren letzten Arbeitstag bei der Drogeriemarktkette Rossmann. Etwa zehn Kollegen versammelten sich, um der Redakteurin des Kundenmagazins "Centaur" Lebewohl zu sagen. Als Geschenk überreichten sie ihr einen Gedichtband des Dichters Günter Merkel. Von allen anderen verabschiedete sich Bettina Wulff per Rundmail. Eine Rede hielt sie nicht. Dann gab es noch ein Gruppenfoto. Das war es.

Christian Wulff

Nun muss sie den Umzug der Familie nach Berlin anleiern. Auch wichtige Auslandsreisen mit ihrem Ehemann, dem Bundespräsidenten , stehen auf dem Programm. Ein erster Abstecher ging bereits nach Frankreich . Sie schüttelte Hände, übte Small Talk, zeigte sich von ihrer besten Seite. In dieser Woche ist Wulff in Warschau, Wien und Rom. Nicht bei allen Reisen wird die First Lady dabei sein können. Doch das Staatszeremoniell sieht vor, dass der Präsident zu Top-Ereignissen möglichst mit Gattin erscheint.

Lächeln für Deutschland: Was einfach aussieht, ist in Wahrheit Schwerstarbeit. Ähnlich wie der Präsident muss die First Lady nach den Regeln der Diplomatie immer korrekt auftreten, darf keine Fehler machen, die im Gastland oder daheim für Aufregung sorgen könnten.

Zum perfekten Auftritt gehört auch, dass sich die First Lady rasch für ein soziales Projekt engagiert. Eine Frage, die Bettina Wulff derzeit umtreibt, lautet deshalb: Wem darf, wem muss geholfen werden?

Horst Köhler

Das Gesetz kennt dafür keine Vorschriften. In der Verfassung ist nicht definiert, welche Aufgaben die First Lady hat. Das Grundgesetz beschreibt nur die Rechte und Pflichten des Bundespräsidenten. Da hatte schon so manche Bundespräsidentengattin ihre Schwierigkeit mit der Rollenfindung. Eva Köhler sagte zu Beginn der Amtszeit ihres Mannes : "Eigentlich gibt es mich gar nicht. Jedenfalls nicht amtlich."

Dennoch könnte sich eine Bundespräsidentengattin wohl kaum der öffentlichen Erwartung entziehen, sich hauptamtlich für soziale Projekte zu engagieren. "Es hat sich ein gewisses Verständnis dafür entwickelt, was die Menschen von der Bundespräsidentengattin erwarten", heißt es im Bundespräsidialamt.

Politische Neutralität ist Pflicht

Fest steht: Für den neuen Job braucht man eine Menge Selbstdisziplin. Lockere Sprüche, schlampiges Outfit oder miese Laune sind verboten. Bettina Wulff wird sich als First Lady zurückhalten müssen, darf nicht zu allem ihre Meinung sagen. Zu der Rolle einer Bundespräsidentengattin gehöre eben auch, keine politischen Aussagen zu machen, sagt Gerd Langguth, Politikwissenschaftler an der Universität Bonn. "Jeder Nebensatz wird unter die Lupe genommen werden."

Aussagen, wie jene, die Doris Schröder-Köpf während des Wahlkampfs ihres Mannes Gerhard Schröder machte, seien undenkbar. 2005 hatte sie Angela Merkel vorgeworfen, keine Kompetenz in der Familienpolitik zu haben, weil sie selbst keine Kinder habe. "Frau Wulff würde mit ähnlichen Aussagen einen Skandal auslösen", so Langguth. Es ist, als müsse sie einen unsichtbaren Maulkorb tragen. Als würde Paragraf fünf des Grundgesetzes zur freien Meinungsäußerung nicht für die First Lady gelten.

Die neue Rolle muss nicht unbedingt bedeuten, den eigenen Beruf aufzugeben. Veronica Carstens zum Beispiel, Ehefrau des fünften Bundespräsidenten Karl Carstens, führte ihre Arztpraxis auch als First Lady weiter. Doch Bettina Wulff ist nicht Ärztin, Lehrerin oder reine Hausfrau, wie alle ihre Vorgängerinnen (siehe Fotostrecke). Sie ist die erste First Lady, die bis unmittelbar vor der Bundespräsidentenwahl für ein Wirtschaftsunternehmen gearbeitet hat - Rossmann. "Es wäre undenkbar, dass Frau Wulff ihren Beruf weiterhin ausführt", sagt Heinrich Oberreuter von der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. "Es käme ganz schnell das Gerücht auf, der Bundespräsident könnte mit Rossmann verbandelt sein." Dieser darf laut Grundgesetz keinem erwerbsmäßigen Beruf nachgehen.

Antritt beim Müttergenesungswerk

So wird sich Bettina Wulff in die Riege der Wohltäterinnen einreihen müssen. Bisher kämpften Bundespräsidentengattinnen gegen Krebs, Aids, Mukoviszidose und Multiple Sklerose. Sie setzten sich für Behinderte, benachteiligte Kinder und Homöopathie ein. Und alle waren sie Schirmherrinnen des Deutschen Müttergenesungswerks, das Elly Heuss-Knapp, die Ehefrau des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, 1950 gründete. Noch lächelt von der Homepage der Stiftung Eva Köhler. Doch schon bald wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit von Bettina Wulff abgelöst, denn die Schirmherrschaft beim Müttergenesungswerk hat eben Tradition und ist schon beinahe ein ungeschriebenes Gesetz.

Von ihrer bisherigen Tätigkeit bei Rossmann ist das alles weit entfernt. Da liebte die PR-Journalistin mit dem Tattoo auf der Schulter eher Flippig-Lustiges.

Der aktuellen Ausgabe des Rossmann-Kundenmagazins hat sie noch einmal ihren Stempel aufgedrückt. Sie führte ein Interview mit Klaus Meine und Rudolf Schenker von der Hannoveraner Rockband Scorpions. Auf einem Bild sieht man "Centaur"-Redakteurin Wulff lässig in Jeans und sportlicher Steppweste mit den beiden Musikern plaudern. Sie fragt, wie die beiden es schaffen, so fit zu bleiben, bei welcher Musik sie besonders gut entspannen können und ob sie sich auch mal streiten. Ein paar Seiten weiter steht ein zweiter Artikel von ihr über Bürgerstiftungen - direkt daneben wirbt in einer Anzeige ein riesiger Damenfuß für den neuen Anti-Hühneraugen-Stift.

So schnell wird die First Lady den alten Job sicherlich nicht vergessen. Acht Mal im Jahr bringt der Postbote das Rossmann-Kundenmagazin "Centaur" nach Bellevue. Ihre Kollegen aus Burgwedel haben ihr zum Abschied ein lebenslanges Abo geschenkt.

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