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19. Juni 2013, 15:44 Uhr

First Lady in Berlin

Michelle veredelt das Damenprogramm

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Während ihr Ehemann über Weltpolitik verhandelt, absolviert First Lady Michelle Obama das "Damenprogramm". Mit den Töchtern Malia und Sasha ging es auf eine historische Tour der Erinnerung durch Berlin. Sachkundiger Begleiter: Merkels Mann Joachim Sauer.

Berlin - Irgendwann wird es der zwölfjährigen Sasha Obama zu fad. Sie schaut auf den Boden, scharrt mit den Füßen herum und schmiegt sich an die Schulter ihrer Mutter Michelle. Den Anflug von Ermüdung kann man ihr kaum verübeln: Es gibt wohl Agenehmeres als eine Stunde Frontal-Geschichtsunterricht in Affenhitze und glühender Mittagssonne.

Am Mittwoch besuchten die First Lady und Töchter Malia und Sasha die Gedenkstätte Berliner Mauer, ein konservierter Mauerabschnitt entlang des ehemaligen Grenzstreifens zwischen Ost- und Westberlin. Während sich US-Präsident Barack Obama mit Joachim Gauck und Angela Merkel traf, gingen Frau und Kinder, seine Halbschwester Auma Obama und Kanzlerin-Gatte Joachim Sauer auf Sightseeing-Tour in der Stadt.

Es sind keine Termine zum Winken und Scherzen, die auf dem Programm stehen - dem sogenannten "Damenprogramm", das durch die Anwesenheit Sauers zum zeitgemäßeren "Partnerprogramm" wird. Am Morgen besuchte die Gruppe das Holocaust-Mahnmal, dann den früheren Grenzübergang Checkpoint Charlie. Mittags waren sie an der Mauer, später im Reichstag, am Abend sieht man sich zum Dinner im Schloss Charlottenburg wieder.

Der Gedenkstättendirektor hat eine Fotomappe mit historischen Mauerbildern vorbereitet, auf dem Aussichtsturm zeigt er sie der Präsidentenfamilie. Die First Lady nickt und stellt interessierte Nachfragen, heißt es später.

Rosen-Ritual mit Merkels Mann

Ein Pastor führt First Lady und Begleitung ins eigentliche Gelände, 200 Meter Mauer sind hier zu sehen. Herumstromernde Schulklassen wurden weggeschickt, der Bereich um die Gedenkstätte in dieser schmucklosen Gegend Berlins abgesperrt. Ein bisschen Glamour bringt Obamas Familie trotzdem in die Szenerie: Die First Lady ist im eleganten ärmellosen Zweiteiler gekommen, Sasha trägt eine neongelbe Sonnenbrille auf dem Kopf, Malia eine sandfarbene Sommerhose.

Joachim Sauer bleibt nah bei seinen Gästen, er scherzt mit Auma Obama, meist lächelt er höflich, zuweilen wirkt er etwas unsicher. Als die Gruppe gelbe und rote Rosen durch die Spalten der sogenannten Hinterlandmauer stecken soll - ein symbolisches Ritual in Gedenken an die Mauertoten - rutscht ihm heraus: "Hoffentlich mach' ich das richtig." Ein paar Minuten später zeigt der Professor der First Lady lächelnd, wie man die Rosen richtig platziert. Eine in die obere Spalte, eine in die untere.

Als sich der Tross in Bewegung setzt, bleiben Sasha und Malia noch etwas stehen und blicken durch die Mauerspalten auf den führeren Todesstreifen. Auf dem Weg zurLimousine plaudert Sauer mit der ältesten Tochter Malia. Worüber, ist nicht zu verstehen, aber sie nickt und lacht. Die Kommunikation ist anscheinend geglückt.

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