Fischer im Klein-Prozess "Kandidat für den Untergrund"

Rund zweieinhalb Stunden hat Außenminister Fischer vor dem Frankfurter Landgericht im Prozess gegen seinen einstigen Weggefährten Hans-Joachim Klein ausgesagt. Dabei beteuerte er, niemals Molotowcocktails geworfen zu haben. Seinen Angriff auf einen Polizisten gab Fischer erneut zu.


Fischer bei seiner Aussage vor dem Frankfurter Landgericht
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Fischer bei seiner Aussage vor dem Frankfurter Landgericht

Frankfurt am Main - Fischer sagte vor dem Frankfurter Landgericht, ihm sei klar gewesen, dass Klein ein "Kandidat für den Untergrund" gewesen sei. Er habe aber erst im Nachhinein erfahren, dass der spätere Terrorist in den Teil der linken Szene gegangen sei, der den falschen Weg gewählt habe. Klein sei mehr emotional und weniger intellektuell gewesen, sagte Fischer. "In der Szene hieß er liebevoll, aber auch ironisch Klein-Klein." Er wisse nicht, ob man rückblickend bei Klein von einer besonderen Gewaltbereitschaft reden könne, sagte Fischer. "Er hat sehr aktionistisch argumentiert, aber da war er nicht der Einzige."

"Das richtige Leben in der falschen Gesellschaft"

Fischer wirkte vor Gericht sehr entspannt. Gut gelaunt beantwortete er dem Richter Fragen nach seiner Person. Fischer erzählte auf Fragen des Richters sehr ausführlich über seine Vergangenheit, schilderte Szenen aus dem damaligen Häuserkampf in Frankfurt. Es sei damals darum gegangen, das "richtige Leben in der falschen Gesellschaft zu führen", sagte Fischer, dessen eigene Vergangenheit bei dem Prozess in Frankfurt keine strafrechtliche Rolle spielt.

Bei seiner Aussage gestand Fischer erneut den Angriff auf einen Frankfurter Polizisten im Jahre 1973 ein. Er sei in dieser Situation erstmals nicht weggelaufen, sondern habe angegriffen, sagte Fischer. Gewalt sei damals in der linken Sponti-Szene bis zu einem gewissen Maß als legitim empfunden worden. "Wir haben uns als Revolutionäre definiert." Fischer schloss gleichzeitig aus, als Straßenkämpfer Brandsätze geworfen zu haben. "Es ist mir nicht eine Situation erinnerlich, dass es im Zusammenhang mit Häuserbesetzungen zum Werfen von Brandsätzen gekommen ist", sagte Fischer. Der Grünen-Politiker distanzierte sich vor Gericht von seiner damaligen Gewaltbereitschaft, die ein "Grundfehler" gewesen sei.

Waffen im Fischer-Haus: "Grotesk!"

Auch die Behauptung des in Frankreich inhaftierten Top-Terroristen "Carlos", in einem von Fischer und dem heutigen Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit im Jahr 1974 bewohnten Haus seien Waffen versteckt worden, wies der Minister als "grotesk" zurück. Die Frage des bewaffneten Kampfes sei in der Szene von Beginn an heftig diskutiert worden. "Meine Haltung dazu war völlig klar: Das konnte nur in die Selbstzerstörung führen und bedeutete mit Mord und Unterdrückung das Gegenteil dessen, was wir wollten."

Zur so genannten "Putzgruppe", die mit Fischer bei Demonstrationen gewalttätig geworden war, sagte er, es sei nötig gewesen, "dass man sich in die Lage versetzen konnte, sich zu verteidigen". Die "Putzgruppe" werde nun aber fälschlicherweise als Ausbildungslager mythologisiert, sagte Fischer. "Wenn ich die Vergleiche mit der Nazizeit höre, dann bekomme ich so einen Hals", sagte der Außenminister wörtlich.

Klein blieb regungslos

Hans-Joachim Klein saß bei der Zeugenaussage von Fischer völlig regungslos auf seinem Platz. Er blickte kaum auf, sondern starrte die meiste Zeit vor sich hin. Fischer hatte Klein beim Betreten des Gerichtssaals mit einem kurzen Nicken begrüßt.

Klein vor Gericht
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Klein vor Gericht

Der 53-jährige Klein muss sich seit Oktober wegen Mordes und Geiselnahme vor Gericht verantworten. Er hatte am 21. Dezember 1975 an dem Überfall auf die Wiener Opec-Konferenz teilgenommen, bei dem drei Menschen getötet worden waren.

Großer Andrang vor dem Gerichtsgebäude

Bereits Stunden vor der rund zweieinhalbstündigen Vernehmung von Fischer hatten Dutzende von Menschen vor dem Eingang des Gerichtsgebäudes gewartet. Für die Zeugenaussage waren 81 Pressekarten vergeben worden. Die restlichen 84 Plätze wurden an Zuschauer vergeben. Vor dem Eingang des Gerichts drängten sich Dutzende von Kamerateams.



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