Fischer in Russland Gemeinsame Front gegen US-Raketenabwehr?

Mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem Amtskollegen Igor Iwanow wird Außenminister Joschka Fischer heute in Moskau zusammentreffen. Hauptgesprächsthema: der umstrittene amerikanische Raketenschild NMD.


Joschka Fischer
AP

Joschka Fischer

Berlin - Der frühere US-Verteidigungsminister Robert McNamara forderte die Europäer auf, eine sehr viel aktivere Rolle bei den Diskussionen um das umstrittene Projekt einzunehmen. Der "Berliner Zeitung" sagte er, "die Europäer müssen jetzt ihre eigenen Interessen klar vertreten". Zu viel stehe auf dem Spiel, als dass man schweigen dürfe. McNamara fügte hinzu, er sehe keinen Grund, dass der Aufbau von NMD im Interesse der Europäer sein sollte.

Der frühere US-Verteidigungsminister verwies auf die Abrüstungsverträge von 1972 und sagte: "Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie strategische Stabilität ohne die Einhaltung des ABM-Vertrags und die Reduzierung der Sprengköpfe gewährleistet werden kann." Auch sei "anzunehmen, dass China aufrüstet, sobald die USA mit dem Aufbau der NMD beginnen".

Die Bundesregierung steht dem amerikanischen NMD-Projekt sehr skeptisch gegenüber. Fischer, der eine Woche später zu seinem Antrittsbesuch nach Washington fliegt, wird wohl mit beiden Seiten ausführliche Gespräche über NMD führen.

Das NMD-Vorhaben Washingtons hatte zu Streit mit russischen und europäischen Verteidigungsexperten geführt. Russland sei in der Lage, eine eigene Antwort auf die US-Pläne zu finden, hatte der Sekretär des russischen Sicherheitsrates, Sergej Iwanow, kürzlich bei der Münchner Sicherheitskonferenz betont. Moskau lehne die amerikanischen Pläne ab, weil diese das Fundament der strategischen Stabilität untergraben würden.

Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte mehrfach, die USA würden die Raketenabwehr auch gegen die Bedenken der Europäer weiter entwickeln. Nach Gesprächen zwischen Washington und Moskau ist Russland inzwischen optimistischer, dass eine Lösung gefunden wird.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.