Fischer "Moslems nicht in die Ecke von Terroristen schieben"


Mahnung zu Besonnenheit: Bundesaußenminister Joschka Fischer
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Mahnung zu Besonnenheit: Bundesaußenminister Joschka Fischer

Wenn es in Folge der Terroranschläge zu einer Feindschaft der Kulturen und Religionen kommen würde, wäre dies nach Ansicht von Bundesaußenminister Joschka Fischer "Wasser auf die Mühlen" der Attentäter.

Berlin - "Man darf am Ende mit den Reaktionen nicht mehr Instabilität schaffen, als dies davor der Fall war", sagte Fischer am Samstag im ZDF. Neben der Suche nach den Verantwortlichen für die Anschläge in Washington und New York dürfte die Suche nach einer politischen Lösung der zu Grunde liegenden Konflikte nicht vernachlässigt werden.

"Nicht unterreagieren und nicht überreagieren"

Man dürfe nicht "unterreagieren und auch nicht überreagieren", sondern müsse vernünftig aber auch entschlossen handeln, sagte Fischer. Es dürfe nicht zu einem Konflikt des Westen mit dem Islam kommen. Moslems sollten nicht in die Ecke von Terroristen geschoben werden. Das sei kontraproduktiv. Differenzierung sei dringend erforderlich, auch in der deutschen Innenpolitik.

Bei einem amerikanischen Vergeltungsschlag gebe es keinen Automatismus, der zu einer deutschen Beteiligung führe, sagte Fischer. Wenn die USA ihre Informationen vorlegten, müsse zuerst im NATO-Rat und im Bundestag das weitere Vorgehen beraten werden, sagte Fischer. Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) hatte in einem Zeitungsinterview angekündigt, dass es möglicherweise schon kommende Woche erste Entscheidungen über eine Beteiligung der Bundeswehr an einem US-Militäreinsatz geben werde.



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