SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

01. Oktober 2011, 16:03 Uhr

Flexible Regelung

Rüttgers fordert Aus für gesetzliches Rentenalter

Egal, wie fit Arbeitnehmer sind - wenn die gesetzliche Altersgrenze erreicht ist, müssen sie in Rente gehen. Das will der ehemalige CDU-Spitzenpolitiker Jürgen Rüttgers ändern. Nach seinem Willen soll jeder in den Ruhestand gehen, wann es ihm passt. Das Vorbild: Großbritannien.

Hamburg - Der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers fordert eine Abschaffung des gesetzlichen Rentenalters nach dem Vorbild Großbritanniens. Die britische Regierung aus Konservativen und Liberaldemokraten hat das gesetzliche Rentenalter abgeschafft. Künftig können die Briten selbst entscheiden, wann sie in den Ruhestand gehen.

"Ich will Flexibilität", sagte Rüttgers dem SPIEGEL, "die Menschen sollten frei entscheiden, wann sie in Rente gehen. Sie müssen dann aber auch hinzuverdienen können." Wer freiwillig länger arbeite und Rentenbeiträge einzahle, könne "dann auch eine höhere Rente bekommen".

Zurzeit gilt in Deutschland noch ein gesetzliches Rentenalter von 65 Jahren. Ab 2012 steigt es schrittweise an: Die Jahrgänge ab 1964 können erst mit 67 Jahren in den Ruhestand gehen. Voll wirksam wird die Reform somit erst 2031. Eine Ausnahme soll es auch künftig geben: Wer 45 Jahre Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt hat, kann weiterhin mit 65 Jahren aufhören zu arbeiten.

Rüttgers sagte dem SPIEGEL weiter, der demografische Wandel in Deutschland sei beherrschbar, doch die "Politik duckt sich weg". Er forderte einen "neuen Generationenvertrag": "Mein Projekt ist deshalb ein Weckruf. Und für die Bundesregierung und die schwarz-gelbe Koalition ist es ein zentrales Thema für den notwendigen Neuanfang. Sie kann damit in der zweiten Hälfte ihrer Amtszeit beweisen, dass sie etwas von Wirtschaftswachstum und sozialer Gerechtigkeit versteht."

Wenn die Bevölkerungszahl schrumpfe, müsse alles getan werden, damit mehr Menschen arbeiten, so Rüttgers: "Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes ist Arbeit, Arbeit, Arbeit." Er glaube nicht daran, dass man das Demografieproblem durch Zuwanderung lösen könne, man könne es allenfalls abmildern: "Gleichwohl sollten wir uns aber aufmachen und den jungen Leuten, die in Spanien, Griechenland und Portugal dringend Jobs suchen, hier Arbeitsplätze anbieten."

URL:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung