Flexible Regelung Rüttgers fordert Aus für gesetzliches Rentenalter

Egal, wie fit Arbeitnehmer sind - wenn die gesetzliche Altersgrenze erreicht ist, müssen sie in Rente gehen. Das will der ehemalige CDU-Spitzenpolitiker Jürgen Rüttgers ändern. Nach seinem Willen soll jeder in den Ruhestand gehen, wann es ihm passt. Das Vorbild: Großbritannien.

Rentner: Ab 2031 können Deutsche erst mit 67 Jahren in den Ruhestand gehen
dpa

Rentner: Ab 2031 können Deutsche erst mit 67 Jahren in den Ruhestand gehen


Hamburg - Der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers fordert eine Abschaffung des gesetzlichen Rentenalters nach dem Vorbild Großbritanniens. Die britische Regierung aus Konservativen und Liberaldemokraten hat das gesetzliche Rentenalter abgeschafft. Künftig können die Briten selbst entscheiden, wann sie in den Ruhestand gehen.

"Ich will Flexibilität", sagte Rüttgers dem SPIEGEL, "die Menschen sollten frei entscheiden, wann sie in Rente gehen. Sie müssen dann aber auch hinzuverdienen können." Wer freiwillig länger arbeite und Rentenbeiträge einzahle, könne "dann auch eine höhere Rente bekommen".

Zurzeit gilt in Deutschland noch ein gesetzliches Rentenalter von 65 Jahren. Ab 2012 steigt es schrittweise an: Die Jahrgänge ab 1964 können erst mit 67 Jahren in den Ruhestand gehen. Voll wirksam wird die Reform somit erst 2031. Eine Ausnahme soll es auch künftig geben: Wer 45 Jahre Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt hat, kann weiterhin mit 65 Jahren aufhören zu arbeiten.

Rüttgers sagte dem SPIEGEL weiter, der demografische Wandel in Deutschland sei beherrschbar, doch die "Politik duckt sich weg". Er forderte einen "neuen Generationenvertrag": "Mein Projekt ist deshalb ein Weckruf. Und für die Bundesregierung und die schwarz-gelbe Koalition ist es ein zentrales Thema für den notwendigen Neuanfang. Sie kann damit in der zweiten Hälfte ihrer Amtszeit beweisen, dass sie etwas von Wirtschaftswachstum und sozialer Gerechtigkeit versteht."

Wenn die Bevölkerungszahl schrumpfe, müsse alles getan werden, damit mehr Menschen arbeiten, so Rüttgers: "Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes ist Arbeit, Arbeit, Arbeit." Er glaube nicht daran, dass man das Demografieproblem durch Zuwanderung lösen könne, man könne es allenfalls abmildern: "Gleichwohl sollten wir uns aber aufmachen und den jungen Leuten, die in Spanien, Griechenland und Portugal dringend Jobs suchen, hier Arbeitsplätze anbieten."

So viel Rente gibt es im Schnitt (in Euro)

Bundesland Männer Frauen
Baden-Württemberg 1055,39 516,05
Bayern 983,41 496,12
Berlin 1039,27 684,06
Brandenburg 1035,67 677,38
Bremen 1044,16 507,53
Hamburg 1069,70 596,02
Hessen 1051,61 493,95
Mecklenburg-Vorpommern 1000,65 652,84
Niedersachsen 1024,05 459,31
Nordrhein-Westfalen 1118,28 457,83
Rheinland-Pfalz 1013,52 429,57
Saarland 1119,18 390,32
Sachsen 1059,04 682,58
Sachsen-Anhalt 1031,79 649,76
Schleswig-Holstein 1017,89 482,99
Thüringen 1030,28 669,74
Bundesdurchschnitt 1049,27 528,23

Quelle: Deutsche Rentenversicherung. Angaben für gesetzl. Altersrenten, Stand: 31.12.2008

Mehr zum Thema


insgesamt 89 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Europa! 01.10.2011
1. Rüttgers hat recht - 100 pro!
Das "gesetzliche Rentenalter" ist ein Dinosaurier der Sozialpolitik. Schleunigst abschaffen! Und dass er junge Portugiesen und Griechen ins Land holen will, gefällt mir auch gut.
klowasser 01.10.2011
2.
Zitat von sysopEgal, wie fit Arbeitnehmer sind - wenn die gesetzliche Altersgrenze erreicht ist, müssen sie in Rente gehen. Das will der ehemalige CDU-Spitzenpolitiker Jürgen Rüttgers*ändern. Nach seinem*Willen soll jeder in den Ruhestand gehen, wann es ihm passt.*Das Vorbild: Großbritannien. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,789522,00.html
Die Forderung der Umstellung zu einer Art Beveridge-System ist interessant, aber obiges Zitat hat mir dann doch den Magen umgedreht. Krank.
einfachgerecht 01.10.2011
3. wer 45 J. gearbeitet sollte auch mit 62 Rentner werden
Ich finde es einfach ungerecht, wenn jemand 45 Jahre gearbeitet hat sollte er auch dann schon in Rente gehen können und nicht bis zum 65 Lebensjahr warten müssen, oder Abschläge in Kauf nehmen. Heute fangen die Menschen viel später an zu arbeiten. Ich habe meine Ausbildung mit 17 Jahren gemacht und 2 Kinder groß gezogen , ohne Unterbrechung und könnte erst mit 65 Jahren in Rente gehen, dann habe ich aber 48 Jahre gearbeitet. Das ist nicht in Ordnung. Denn wer kommt denn auf 45 Jahre .... 2% der Frauen.
weltbetrachter 01.10.2011
4. Statistik mit Fragezeichen
Bayern hat die niedrigsten Rentenzahlungen. Die neuen Bundesländer haben vergleichbar hohe Rentenzahlungen pro Person. Die Menschen dort können aber geschichtlich betrachtet maximal 20 Jahre in unser System eingezahlt haben. Wurden da die in der DDR erworbenen Ansprüche vielleicht überbewertet. Wo hat ein Ausgleich dafür stattgefunden, das dort fast alle Frauen berufstätig waren? - Nicht das man mich falsch versteht, ich gönne jedem seine Rentenbezüge - nur gerecht soll es auch zugehen.
vogelsteller 01.10.2011
5. verarmung ist angesagt
Zitat von sysopEgal, wie fit Arbeitnehmer sind - wenn die gesetzliche Altersgrenze erreicht ist, müssen sie in Rente gehen. Das will der ehemalige CDU-Spitzenpolitiker Jürgen Rüttgers*ändern. Nach seinem*Willen soll jeder in den Ruhestand gehen, wann es ihm passt.*Das Vorbild: Großbritannien. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,789522,00.html
so weit, so gut. kann damit leben. jedoch sollte der nette herr die tatsache nicht ignorieren, dass rentner mit ihrer rente, zum überwiegendem teil, ihr auskommen nicht bestreiten können,- also gezwungen sind, einen sogenannten nebenverdienst zu suchen. und das für einen appel und für ein ei. so weit haben bundesregierung und parteien ihre mitbürger gebracht. die aussichten für einen einigermaßen gesicherten alterstand sind noch um etliches hundsmiserabler als der derzeitige stand jetzt schon ist. ein wahrhaftiges ruhmesblatt für unsere sogenannten volksvertreter.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.