Rassismusvorwürfe Berlin kündigt Betreiber von Flüchtlingsheimen
Flüchtlingsunterkunft in Hellersdorf
Foto:Britta Pedersen/ dpa
Für neun Flüchtlingsheime war die Pewobe in Berlin zuständig. Eine private Firma, die Seriosität eigentlich im Namen trägt. Die Abkürzung steht für "Professionelle Wohn- und Betreuungsgesellschaft". Passen will das nicht zu all den Vorwürfen der vergangenen Wochen und Monaten: Da kam heraus, dass eine führende Mitarbeiterin früher Mitglied der rechtsextremen DVU war. Da prangerten Helfer katastrophale Zustände in einer Einrichtung in Hellersdorf an. Der Senat kündigte den Vertrag - zunächst nur für dieses Heim.
Doch jetzt ist endgültig Schluss: Die Pewobe muss die Verantwortung für alle Unterkünfte mit ihren 3100 Plätzen in Berlin abgeben. Der Hintergrund: Am Wochenende veröffentlichte die Berliner Lokalzeitung "BZ" interne E-Mails von Angestellten der Pewobe. Darin machten sich unter anderem die Geschäftsführerin und die Prokuristin, das frühere DVU-Mitglied, über jene Menschen lustig, die eigentlich in den von ihnen betreuten Einrichtungen Schutz suchen - auf kaum zu ertragende Weise.
Es ging um den Einsatz von Spendengeldern der "BMW-Gutmenschen", wie sie den Automobilhersteller nennen. Aus einem möglichen Sandkasten werden "bei unseren Bewohnergruppen ganz schnell ein großer Aschenbecher oder ein heimisches Klo", heißt es in den Schreiben.
Korrekturprogramm soll schuld gewesen sein
Von der Anschaffung von "kleinen Kinderguillotinen" ist stattdessen die Rede, von einem "großvolumigen Krematorium", dazu Bilder von einer Kinderrutsche und abgetrennten Köpfen. Der Pewobe-Anwalt erklärt daraufhin, die Aussagen seien nicht ernst gemeint und aus dem Kontext gerissen - und macht ein Rechtschreibkorrekturprogramm für Ausfälle in den Mails verantwortlich.
Doch dem Senat war das nun zu viel. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) kündigte alle Betreiberverträge mit der Pewobe fristlos . "Der derzeitige Umgang mit dem unsäglichen und aus meiner Sicht nicht erklärbaren und durch nichts zu entschuldigenden Mailaustausch macht deutlich, dass eine weitere Zusammenarbeit mit der Pewobe nicht mehr möglich ist", sagte er. Für die betroffenen Einrichtungen soll nun ein neuer Betreiber gesucht werden.